Stand: 19.12.2019 18:56 Uhr

Klöckners Ackerbaustrategie ist viel zu vage

Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) hat am Donnerstag in Berlin ihre neue Ackerbaustrategie vorgestellt. Sie will damit mehr Natur- und Klimaschutz erreichen, pocht aber auch auf wirtschaftlich tragfähige Lösungen. Es gelte, die Produktivität zur Ernährungssicherung hochzuhalten und gleichzeitig die Ressourcen zu schonen. Bis 2035 soll unter anderem mehr Vielfalt auf den Äckern erreicht werden. Die Ackerbaustrategie der Ministerin soll Grundlage für weitere Diskussionen in der Regierung, mit Landwirten, Umwelt- und Verbraucherschützern sowie dem Handel sein.

Ein Kommentar von Claudia Plaß, ARD-Hauptstadtstudio

Porträtbild der ARD-Hauptstadtstudio-Korrespondentin Claudia Plaß. © ARD-Hauptstadtstudio Foto: Jens Jeske
Die Landwirte wollen zu Recht wissen, welche Vorgaben sie langfristig von der Politik erwarten können, meint Claudia Plaß.

Grüner, smarter, effizienter - so soll der Ackerbau der Zukunft aussehen. So weit, so ambitioniert. Angesichts der aktuellen Herausforderungen ist der Dreiklang aus Ertragssicherung für die Landwirte, mehr Umwelt- und Klimaschutz und mehr Artenvielfalt ein steiniger Boden. Beackert werden muss er trotzdem. Die Frage ist, ob das mit einer Ackerbaustrategie zu schaffen ist, die zwar viele Probleme benennt, aber nur Impulspapier und Diskussionsgrundlage sein soll? Wohl kaum.

Die Probleme sind längst bekannt

Keine Frage: Weniger Pestizide, Drohnen mit Kameras, die die Böden analysieren, das alles sind gute Pläne für mehr Umweltschutz auf dem Acker. Nicht nur Mais und Wintergerste, sondern auch Dinkel und Klee auf den Äckern - eine gute Maßnahme, um die Böden gesund zu halten und für mehr Vielfalt zu sorgen. Und keine Frage ist auch: Bauern müssen wirtschaftlich arbeiten.

Aber nur allgemeine Leitlinien aufzuzeigen und Handlungsfelder zu benennen, das reicht nicht. Die Probleme sind längst bekannt. So sind die Böden an vielen Stellen überdüngt, das Grundwasser zu sehr mit Nitrat belastet.

Die Politik muss vorangehen

Der Handlungsdruck ist hoch. Gerade die Bauernproteste der vergangenen Wochen und Monate haben gezeigt, wie tief mittlerweile die Gräben zwischen industriell wirtschaftenden Bauern auf der einen und Umweltschützern auf der anderen Seite sind. Die gesellschaftlichen Anforderungen an eine nachhaltige Landwirtschaft sind gestiegen - gleichzeitig fühlen sich viele Landwirte überfordert von immer neuen Auflagen, die sie zu erfüllen haben.

Hier ist die Politik gefordert, mutig voranzugehen, konkrete Ziele und verbindliche Maßnahmen zu benennen für eine umweltfreundlichere Landwirtschaft, die den Bauern zugleich Planungssicherheit gibt.

Viele Bauern wollen mehr für die Umwelt tun

Dazu gehört dann auch klarzumachen, wie umweltfreundliches Wirtschaften honoriert wird. Geld wäre durchaus da, aber die Milliarden-Fördergelder der EU müssten anders verteilt werden. Wer tut was für sauberes Wasser, lebendige Böden und Artenvielfalt? Das sollte der Maßstab sein. Viele Bauern wollen mehr für die Umwelt tun - und sie wollen zu Recht wissen, welche Vorgaben sie langfristig von der Politik erwarten können. Die Ackerbaustrategie bleibt als Visionspapier für 2035 aber viel zu vage.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 19.12.2019 | 17:08 Uhr

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