Stand: 21.01.2020 18:16 Uhr

Davos: Trump ignoriert die Sorgen ums Klima

Die 50. Ausgabe des Weltwirtschaftsforums in Davos steht unter dem Eindruck der Diskussion um Verantwortung und Klimakrise. Klimaschützer fordern Taten statt Worte. Politik und Wirtschaft scheinen sich auf das Thema eingelassen zu haben. Doch der erste große Redner des diesjährigen Forums, US-Präsident Donald Trump, kanzelt die Klimaschützer als "törichte Wahrsager von gestern" ab. Das Erreichen von Klimagerechtigkeit dürfte ein langer Weg werden.

Ein Kommentar von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Dietrich Karl Mäurer im Portrait. © Dietrich Karl Mäurer Foto: Dietrich Karl Mäurer
Wie gespalten die Welt in ihrer Sicht auf die Klimakrise ist, sei in Davos einmal mehr deutlich geworden, meint Dietrich Karl Mäurer.

Als der Wirtschaftsprofessor Klaus Schwab vor 50 Jahren das Weltwirtschaftsforum gegründet hat, hatte er die Vision, eine Plattform zu schaffen, wo Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlichen Positionen unkompliziert zusammenkommen, um gemeinsame Lösungen zu diskutieren für Probleme und Herausforderungen der Welt. 

Doch am ersten Tag des Jubiläumstreffens hat das nicht geklappt. Die beiden prominenten Gäste, die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg und US-Präsident Donald Trump, machten deutlich, wie unterschiedlich die Sicht auf unsere Welt sein kann - und wie weit weg wir von weltweiten Lösungen für die Klimakrise sind.

Die Sorgen von Greta Thunberg

Auf der einen Seite: Greta Thunberg. Sie treibt die Sorge um unsere eine Welt um. In Davos verwies sie erneut auf die Erkenntnisse des Weltklimarats. Wird weiterhin so viel Kohlendioxid in die Atmosphäre geblasen, führt das zur Klimakatastrophe, zu schmelzenden Polen, steigenden Meeresspiegeln und Extremwetter.

Greta Thunberg forderte: Die reichen Staaten müssten schnell die CO2-Emissionen auf Null reduzieren und dann den ärmeren Ländern dabei helfen, das Gleiche zu tun - damit alle besser leben können. Der Kampf ums Klima gehe erst richtig los, so gab sich die schwedische Gründerin der Klimaschutzbewegung "Fridays for Future" kämpferisch. 

Donald Trump fürchtet sich nicht

Auf der anderen Seite: US-Präsident Donald Trump. Sorge ums Klima? Fehlanzeige. Er machte in seiner Rede klar, für ihn zählt weiterhin "America first", Amerika zuerst. Er sprach lang und breit von den Erfolgen seiner Politik. Was für ihn zählt ist Wirtschaftswachstum. 

Zwar kündigte Trump an, an einer gigantischen Baumpflanz-Initiative des Weltwirtschaftsforums teilzunehmen, doch die Sorgen der Klimaschützer sind für ihn Pessimismus, der nicht angebracht sei. Furcht und Zweifel seien kein guter Gedankengang, so der US-Präsident. Und weiter: Die Klimaaktivisten seien paranoide Untergangspropheten. Punkt.

Problembewusste Top-Manager

Dabei herrscht auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos weitgehend Konsens darüber, dass das Thema Klimaschutz so wichtig ist wie nie. Die Agenda des diesjährigen Treffens steht im Zeichen des Umweltschutzes. Das Forum selbst, zu dem die Konzernbosse früher gerne per Hubschrauber gereist sind, ist irgendwie grüner geworden. Extra wurde ein Bahn-Halt eingerichtet, damit die Teilnehmer mit dem Zug zum Kongresszentrum kommen können. Es gibt Solarstrom, weniger Müll und sogar einen vegetarischen Tag.

Den Top-Managern ist klar, dass man auf einem toten Planeten kein Geld verdienen kann. Und auch vielen der in Davos anwesenden Politiker ist bewusst, dass einen großen Teil der Bevölkerung die Sorge um die Zukunft umtreibt.

Thunberg und Trump reden aneinander vorbei

Es gibt also Zeichen der Hoffnung. Doch anhand von Greta Thunberg und Donald Trump wurde wieder einmal deutlich, wie gespalten die Welt in ihrer Sicht auf die Klimakrise ist. Beide haben in Davos ihre Botschaften verkündet. Sie haben aneinander vorbeigeredet und nicht miteinander - so wie es das Forum doch eigentlich erreichen will. Das ist enttäuschend. Denn das Weltwirtschaftsforum hätte eine Chance geboten, zusammenzukommen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 21.01.2020 | 18:30 Uhr

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