Stand: 26.11.2019 21:02 Uhr

Kommentar: Hamburg benötigt keinen Mietendeckel

Die Mieten auf dem Wohnungsmarkt in der Hansestadt sind leicht angestiegen. Laut aktuellem Mietenspiegel hat sich die Netto-Kaltmiete seit 2017 um 22 Cent auf 8,66 Euro pro Quadratmeter verteuert. Das entspricht einer jährlichen Steigerung von 1,3 Prozent. Hamburgs Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) bezeichnete den Wert im Vergleich mit anderen großen Städten als sehr gut. Dennoch wird auch in Hamburg diskutiert, ob man gesetzlich festlegen sollte, dass Mieten eine bestimmte Höhe nicht überschreiten dürfen.

Ein Kommentar von Christoph Prössl, NDR Info

NDR Info Redakteur Christoph Prössl. © NDR Foto: Reiner Freese
Christoph Prössl meint, dass nur kluges Bauen in den Städten der Wohnungsnot entgegen wirkt.

Die jüngsten Ergebnisse des Mietenspiegels für Hamburg sind ein gutes Signal für Mieterinnen und Mieter. Ja, die Mieten sind gestiegen, aber nur gering. In anderen Städten wie in München, Frankfurt, Köln sieht es ganz anders aus.

Diese Entwicklung ist auch ein Ergebnis der Wohnungsbaupolitik in Hamburg. Seit Jahren fördert der SPD-geführte Senat den Bau neuer Wohnungen. 10.000 Einheiten sollen pro Jahr genehmigt werden - so lautet das Ziel. Dazu kommen vereinfachte Genehmigungsverfahren - und eine Vereinbarung mit der Wohnungsbauwirtschaft. Hamburg hat es verstanden, Investoren einzubinden und trotzdem Sozialwohnungen fertigzustellen. Ein Drittel, lautet die Vereinbarung. Das wird nicht immer erreicht, aber fast.

Berlin hat einen großen Fehler gemacht

In der Debatte um den Mietendeckel wird damit deutlich: In Hamburg ist er unnötig. Er würde wahrscheinlich sogar das Verhältnis zur Privatwirtschaft zerstören.

Dass Berlin den Mietendeckel am Dienstag beschlossen hat, ist deswegen interessant, weil sich auch noch andere Gründe im Vergleich herausarbeiten lassen, warum es in Hamburg besser läuft. Hamburg hat seine städtischen Wohnungen nicht verkauft - und wahrscheinlich den größten Fehler, der in Berlin mit Blick auf den Mietmarkt gemacht wurde, nicht wiederholt. In Hamburg gibt es zahlreiche genossenschaftliche Wohnungen und eine städtische Wohnungsgesellschaft, die SAGA.

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Ein Schlüsselbund und Geldscheine © Fotolia.com Foto: Dreadlock

Der Hamburger Mietenspiegel

Der Hamburger Mietenspiegel gibt eine Übersicht über die ortsüblichen Vergleichsmieten. Weitere Details gibt es auf der Seite der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen. extern

Neuvermietungen liegen oft über dem Mietenspiegel

Es ist klar, dass die Lage auf dem Mietmarkt in Hamburg nach wie vor nicht ideal ist. Es gibt zu wenig Sozialwohnungen - aber immer noch mehr als in anderen Städten.

Wer einen neuen Mietvertrag unterschreibt, wird natürlich deutlich über dem Mietspiegel liegen. Denn das ist der Nachteil dieses Barometers: Es erfasst alle Mieten, die in den vergangenen vier Jahren erhöht oder neu vereinbart worden sind. Das bedeutet: Bei Neuvermietung dürften die abgeschlossenen Verträge deutlich höhere Mieten ausweisen als eben dieser Spiegel abbilden kann. Wer umzieht, ist der Gekniffene. Und: In begehrten Lagen und bei Altbauten ist das Angebot natürlich gering bis nicht vorhanden.

Mietendeckel verhindert Wohnungsknappheit nicht

Die neuen Zahlen machen also deutlich, was andere Städte leisten müssen, um der Wohnungsnot entgegen zu wirken: bauen, klug bauen. Der Mietendeckel gehört bestimmt nicht dazu. Die Mietpreisbremse kann hilfreich sein. Wie stark sie in Hamburg wirkt, ist schwer ablesbar.

Und vor allem macht das Beispiel Hamburg deutlich: So eine Entwicklung, mit steigenden Mieten fertig zu werden und mit Politik Lösungen herbei zu führen, dauert oft Jahre. Der Mietendeckel klingt so einfach, nach schneller Lösung - er kann Wohnungsknappheit aber nicht verhindern.

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Ein Haus mit Altbau-Wohnungen in der Hamburger Sierichstraße. © picture alliance/Bildagentur-online Foto: Bildagentur-online/Schoening

Mietenspiegel: Wohnen wird ein wenig teurer

Die Mieten in Hamburg steigen weiter, jedoch nicht so stark wie in den Vorjahren. 200.000 Haushalte müssen sich laut Mieterverein trotzdem auf Mieterhöhungen einstellen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 26.11.2019 | 17:08 Uhr

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