Stand: 13.03.2020 21:05 Uhr

Kommentar: Wir brauchen uneingeschränkte Solidarität

Wegen der Coronavirus-Pandemie werden auch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg ab Montag Schulen und Kitas vorerst geschlossen. Für Mecklenburg-Vorpommern steht eine landesweite Entscheidung noch aus. Die Einschränkungen des alltäglichen Lebens werden immer größer. Wie steht es in dieser Situation um das solidarische Miteinander?

Ein Kommentar von Tom Heerdegen, NDR Info Nachrichtenredaktion

Tom Heerdegen © NDR
Corona sei auch, wenn eine Gesellschaft in der Krise wächst und Stärke und Zusammenhalt zeigt, meint Tom Heerdegen.

So, jetzt wird's ernst. Der C-Fall ist eingetreten, der Corona-Hammer zertrümmert unsere Alltagsroutine. Normalität war gestern. Und was machen wir jetzt? Einige - abstoßend viele, genau genommen - reagieren mit einem Ego-Intensivprogramm und zeigen dem Rest der Welt mal so richtig, wie asoziales Verhalten geht. Corona ist, wenn Menschen im Supermarkt die letzte Packung Klopapier aus einem fremden Einkaufswagen mopsen. Und Corona ist, wenn es in Krankenhausfluren kein Desinfektionsmittel mehr gibt, weil sich zuvor Besucher ganze Becher und Fläschchen für den Eigenbedarf abgefüllt haben. Beide Beispiele sind übrigens keineswegs ausgedacht - leider.

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Flexible Denk- und Verhaltensmuster sind gefragt

Aber Corona ist auch, wenn eine Gesellschaft wächst in der Krise, Stärke und Zusammenhalt zeigt. Ja, wir brauchen die in diesen Stunden auch von der Politik so oft beschworene Solidarität, ganz dringend sogar. Selbst wenn die Erkenntnis, dass es gut ist, gemeinsame Sache zu machen, einzig auf der Einsicht beruht, dass man davon auch als Einzelner profitiert. Und wir müssen beweglich sein in unseren Denk- und Verhaltensmustern.

Mal ganz ehrlich: Wie wäre es mit einem Selbstversuch: Wie viele von uns sehen in geschlossenen Kitas und Schulen reflexhaft ein Problem der Mütter? Jener Frauen, die doch gerade in der Virenkrise so dringend gebraucht werden in den Krankenhäusern, in der Pflege - und in der organisierten Kinderbetreuung. Gut vier von fünf Pflegekräften sind weiblich, im Erziehungsbereich liegt das Frauen-Männer-Verhältnis gar bei 20:1. Gibt es da Ausfälle in erheblichem Maße, ist das systemgefährdend - und für viele Menschen buchstäblich lebensgefährlich.

Spätestens jetzt müssen auch die Männer ran

"Kita zu, Mutti bleibt zu Hause" - so läuft das nicht mehr. Wenn es in den Familien von Ärztinnen, Krankenschwestern und Erzieherinnen Männer, Väter gibt, müssen sie jetzt ran. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit, wie sich über Generationen die Frau um die Kinder gekümmert hat, während der Mann "auf Arbeit" war.

Liebe Geschlechtsgenossen: Euer Job in Werkstatt oder Büro mag besser bezahlt sein, die Arbeit eurer Frauen aber ist wahrscheinlich schlichtweg wichtiger. 

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leserin, lieber Leser, die Trennung von Meinung und Information ist uns besonders wichtig. Meinungsbeiträge wie dieser Kommentar geben die persönliche Sicht der Autorin/des Autors wieder. Kommentare können und sollen eine klare Position beziehen. Sie können Zustimmung oder Widerspruch auslösen und auf diese Weise zur Diskussion anregen. Damit unterscheiden sich Kommentare bewusst von Berichten, die über einen Sachverhalt informieren und unterschiedliche Blickwinkel möglichst ausgewogen darstellen sollen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kommentar | 13.03.2020 | 17:08 Uhr

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