Stand: 25.11.2019 17:24 Uhr

Kommentar: China in die Schranken weisen

Internationale Recherchen belegen, dass in China massenhaft Menschen in Internierungslagern erniedrigt und drangsaliert werden. Die Maßnahmen richten sich insbesondere gegen die muslimische Minderheit der Uiguren in Nord-West-China. Benedikt Strunz kommentiert.

Ein Kommentar von Benedikt Strunz, NDR Info

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Die Verteidigung von Werten ist nicht umsonst zu haben, meint Benedikt Strunz in seinem Kommentar.

Um es klar zu sagen: Der chinesische Staat lässt Hunderttausende Menschen willkürlich einsperren. Er unterzieht sie psychischer Folter, diejenigen, die sich dem Willen der Kommunistischen Partei widersetzen, droht körperliche Gewalt. Was derzeit in Xinjiang vor den Augen der Weltöffentlichkeit passiert, ist der Versuch, die Kultur eines ganzen Volkes auszulöschen. Nach allem, was wir Journalisten von Augenzeugen wissen, geht Peking dabei auch über Leichen.

Die "China Cables" schaffen Gewissheit: Wer geglaubt hat, durch internationalen Handel und kulturelle Annäherung mit China sei auch eine demokratische Öffnung des Landes zu erreichen, der muss sich spätestens heute eingestehen: Dem ist nicht so. Im Gegenteil: Unter den Augen der Staatengemeinschaft ist im Nord-Westen Chinas ein Freiluftgefängnis von der mehrfachen Größe Deutschlands entstanden. Die dortigen Uiguren führen ein Leben in ständiger Angst, bereits ein öffentliches Gebet, ein Telefonanruf bei Verwandten im Ausland oder eine falsche App auf dem Handy können zu mehrjähriger Lagerhaft führen.

Westen muss seine Macht nutzen

Eine Frau sitzt im Halbprofil vor einem Sideboard mit Blumen und Bilderrahmen. © NDR

China Cables - Wie die Uiguren unterdrückt werden

NDR Info - Das Forum -

Geheimdokumente belegen: In China wird die muslimische Minderheit der Uiguren systematisch verfolgt und unterdrückt. Exil-Uiguren berichten über ihre Familienangehörigen

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Was hat das alles mit uns zu tun? Eine ganze Menge. Der Westen ist heute wirtschaftlich enger mit China verflochten, als jemals zuvor. Er muss diese Macht nutzen, um Peking unmissverständlich klar zu machen, dass die Weltgemeinschaft die Existenz von Gulag-Systemen nicht akzeptiert. Was wir derzeit im Verhältnis zwischen China und der westlichen Welt erleben, ist mehr als eine wirtschaftliche Auseinandersetzung. Wer es ernst meint mit westlichen Grundwerten, mit der Bedeutung der universellen Menschenrechte und der Bedeutung der Demokratie, der muss China jetzt in die Schranken weisen.

Zwei Dinge sind dabei klar. Erstens: Ein Land allein, wie etwa Deutschland, kann dabei nicht viel ausrichten. Was es jetzt braucht, ist ein gemeinsames Vorgehen in der Europäischen Union. Und dieses Vorgehen wird nicht um Sanktionen umhinkommen, sollte sich China weiter weigern, die Lager für internationale Menschenrechtsbeauftragte zu öffnen und sie letztlich dichtzumachen. Zweitens: Die Verteidigung von Werten ist nicht umsonst zu haben. Sie kostet im Zweifelsfall Geld. Denn China wird sich heftig wehren, gegen das, was man in Peking als westliche Einmischung empfindet. Ja und? Es geht spätestens jetzt, wie gesagt, um weitaus mehr als um wirtschaftliche Fragen.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 25.11.2019 | 20:30 Uhr

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