Wellen peitschen auf einen Fähranleger an der Nordsee. © Nord-West-Media TV

"Klaus" pustet den Norden kräftig durch

Stand: 12.03.2021 13:13 Uhr

Der gesamte Norden ist kräftig durchgepustet worden: Tief "Klaus" brachte Regenwetter und orkanartige Böen. Größere Schäden blieben zum Glück aus, der Bahnverkehr hatte aber bis in den Freitagvormittag mit Störungen zu kämpfen.

Das Sturmtief war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am Donnerstag vor allem in der Deutschen Bucht, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und in Schleswig-Holstein am stärksten zu spüren. In Schleswig-Holstein gab es Böen mit bis zu 110 Stundenkilometern - an exponierten Orten wie dem Leuchtturm Kiel (128 Stundenkilometer) und dem Brocken im Harz (134 Stundenkilometer) blies der Wind demnach noch heftiger. Gegen Abend flaute der Sturm allmählich ab.

Die Feuerwehren mussten sich um viele umgestürzte Bäume und lose Gebäudeteile kümmern. Alleine in Schleswig-Holstein rückten Polizei und Feuerwehr nach eigenen Angaben wegen des Sturms zu mehr als 300 Einsätzen aus. In Mecklenburg-Vorpommern wurden 50 Einsätze gezählt, in Hamburg rund 60. Die Rettungskräfte im Norden und Nordwesten bewerteten die Folgen als glimpflich. Angaben über Verletzte sind bisher nicht bekannt.

Behinderungen im Bahnverkehr

Es gab auch zahlreiche Störungen im Bahnverkehr mit Zugausfällen und Verspätungen. Wegen Sturmschäden konnten nach Angaben der Deutschen Bahn zeitweise die ICE-Halte auf der Strecke Hamburg-Hannover in Lüneburg, Uelzen und Celle nicht bedient werden. Betroffen war auch der IC-Fernverkehr von Norddeich Mole über Emden, Bremen und Hannover nach Dresden. 

Zudem war der Regionalverkehr in Niedersachsen und Schleswig-Holstein auf mehreren Strecken gestört. Am Freitagmorgen meldete die Bahn unter anderem noch Probleme auf den Strecken Hamburg-Westerland, Hamburg-Kiel und Hamburg-Flensburg. Hier kam es auch zu Zugausfällen.

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Mehrere wetterbedingte Unfälle auf der A14

Bei Graupelschauern und Glätte gab es auf der Autobahn 14 in Mecklenburg-Vorpommern mehrere Unfälle. Meist blieb es bei Blechschäden, drei Personen wurden leicht verletzt, wie die Polizei mitteilte. In Ribnitz-Damgarten fuhr ein Kleintransporter gegen einen Baum, der auf die Straße gestürzt war. Der Schwerpunkt des Sturmtiefs lag zwar weiter westlich, doch auch Mecklenburg-Vorpommern wurde mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 80 Stundenkilometern ordentlich durchgeschüttelt. Zum starken Wind kamen laut DWD vor allem am Donnerstagnachmittag einzelne Gewitter.

In Schleswig-Holstein musste die Autobahn 23 vorübergehend gesperrt werden, weil in Höhe der Anschlussstelle Pinneberg-Nord Äste auf die Fahrbahn fielen. Auf der B77 bei Brinjahe (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hatte ein Autofahrer Glück im Unglück: Während der Fahrt fiel ein Baum auf seine Frontscheibe. Am Auto entstand Totalschaden, der Mann selbst wurde nur leicht verletzt.

Baum stürzte auf Bus

Ein umgestürzter Baum liegt auf einem Bus. © dpa-Bildfunk Foto: Festim Beqiri
In Wallenhorst bei Osnabrück stürzte ein Baum auf einen parkenden, unbesetzten Bus.

Erste Ausläufer des Sturmtiefs Klaus waren bereits am Donnerstagmorgen an der Nordseeküste zu spüren. In Wallenhorst bei Osnabrück stürzte ein Baum auf einen parkenden, unbesetzten Bus. Der Fahrer, der gerade eine Pause einlegte, kam mit dem Schrecken davon, wie ein Polizeisprecher sagte.

Nächstes Sturmtief am Wochenende

Am Sonnabend soll schon das nächste Sturmtief namens "Luis" folgen. "Das ist ein kräftiges Tief, das auch für kräftige Sturmböen sorgen wird", sagte ein Meteorologe des DWD in Hamburg am Freitag. Am Sonnabend soll es ab dem Vormittag im Flachland verbreitet stürmisch werden - örtlich, etwa an der Küste, seien auch erneut schwere Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten um die 95 Stundenkilometer möglich. Dazu ziehen immer wieder Regenschauer und auch einige Gewitter über den Norden hinweg. Ganz so stürmisch wie bei "Klaus" werde es aber voraussichtlich nicht werden, so der Meteorologe. In der Nacht zum Sonntag soll der Sturm auch zügig nachlassen.

Wegen des Sturms erwartet das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg für das Hochwasser in der Nacht vom Sonnabend auf Sonntag zwar etwas erhöhte Wasserstände - mit einer Sturmflut insbesondere in Hamburg und an der Küste von Schleswig-Holstein rechneten die Experten zunächst aber nicht. Für die niedersächsische Nordseeküste geht der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) von einer Gefahr für eine leichte Sturmflut aus. Das nächtliche Hochwasser kann demnach bis zu einem Meter höher auflaufen als normal. Strände und Vorländer könnten überflutet werden.

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Ein umgestürzter Baum liegt auf einem Zaun © NDR Foto: Daniel Friederichs

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 12.03.2021 | 06:00 Uhr

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