Stand: 20.06.2020 10:11 Uhr

Karstadt Kaufhof schließt 15 Häuser im Norden

Schon länger kämpft die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof ums Überleben. Durch die Corona-Krise hat sich die Situation noch einmal deutlich verschlimmert: Die Umsätze sind dramatisch eingebrochen. Jetzt werden wohl Tausende Mitarbeiter ihren Job verlieren. Der Plan des letzten großen deutschen Warenhauskonzerns sieht vor, "zunächst 62 von 172 Filialen und zwei sogenannte Schnäppchencenter" zu schließen. In Norddeutschland wird es voraussichtlich 15 Kaufhäuser treffen.

Niedersachsen verliert vier Warenhäuser

Nach NDR Informationen wird das Karstadt-Haus in Hannovers Georgstraße aufgegeben. In Osnabrück ist demnach die Filiale am Neumarkt betroffen. Auch Kaufhof in Braunschweig und Karstadt in Goslar schließen nach Informationen des NDR. Das Aus dieser Standorte wird nach Angaben der Gewerkschaft ver.di rund 350 Arbeitsplätze kosten. Die weiteren vier Galeria-Karstadt-Kaufhof-Standorte in Hannover sowie die Warenhäuser in anderen Städten wie Lüneburg, Göttingen, Celle, Oldenburg und Hildesheim bleiben dagegen offenbar erhalten.

In Bremen soll zudem die Kaufhof-Filiale schließen, in Bremerhaven betrifft es den Karstadt-Standort. Im Land Bremen sind 144 Beschäftigte von der Schließung betroffen.

Ebenfalls vier Schließungen in Hamburg

In Hamburg stehen wohl vier der sieben Filialen vor der Schließung. Betroffen sind Wandsbek, Bergedorf sowie die beiden ehemaligen Kaufhof-Standorte in der Mönckebergstraße und im Alstertal Einkaufszentrum. Dort arbeiten insgesamt rund 450 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wann endgültig entschieden wird, ob diese Häuser alle tatsächlich schließen, steht noch nicht fest: Laut ver.di laufen noch Gespräche mit den Vermietern. Die ehemaligen Karstadt-Häuser in der Innenstadt, in Eimsbüttel und in Harburg sollen erhalten werden.

Schleswig-Holstein: Nur Kiel soll bleiben

Weitgehende Schließungen sind in Schleswig-Holstein geplant. Nach Angaben der Gewerkschaft hat der Konzern entschieden, mit Ausnahme des Standorts Kiel voraussichtlich alle Kaufhäuser im Land zu schließen. Betroffen wären dann auch in Schleswig-Holstein vier Filialen in Lübeck, Neumünster, Norderstedt und Flensburg mit zusammen 280 Beschäftigten.

Mecklenburg-Vorpommern: Aus für Neubrandenburg

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Das Kaufhaus Galeria Kaufhof im Zentrum von Neubrandenburg. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

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In Mecklenburg-Vorpommern schließt der Konzern sein Warenhaus in Neubrandenburg. 36 Arbeitsplätze fallen laut ver.di damit weg. Die beiden anderen Kaufhäuser in Rostock sowie das Karstadt-Stammhaus in Wismar sollen laut ver.di erhalten bleiben. Wann das Haus in Neubrandenburg zumacht, ist noch offen.

Rund 6.000 Stellen in Gefahr

Die Schließungen seien "ohne Alternative, weil diese Filialen den Gesamtbestand des Unternehmens gefährden", sagte der Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz am Freitag. Letztlich gehe es darum, das Unternehmen und damit viele Tausend Arbeitsplätze zu sichern. Zahlreiche Stellen gehen durch diesen Schritt jedoch auch verloren: Ver.di spricht von rund 6.000 Mitarbeitenden, denen bundesweit der Jobverlust drohe. Insgesamt arbeiten im Konzern zurzeit 28.000 Menschen.

Transfergesellschaft geplant

Am Donnerstagabend hatten sich der Konzern, der Gesamtbetriebsrat und ver.di auf das weitere Vorgehen geeinigt: Für betroffene Mitarbeitende wird eine Transfergesellschaft eingerichtet. Für diejenigen, die weiter beschäftigt werden, verständigten sich die Beteiligten auf tarifliche Regelungen.

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Der Schriftzug "Galeria Karstadt Kaufhof" auf einer Scheibe einer Hamburger Filiale der Warenhaushauskette. © picture alliance/dpa Foto: Bodo Marks

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 19.06.2020 | 12:00 Uhr

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