Alissa Krämer, Kosmetikerin © Privat Foto: Privat

Kosmetikerin fühlt sich von Politik im Stich gelassen

Stand: 24.06.2021 16:21 Uhr

Alissa Krämer ist wütend - sie fühlt sich in der Pandemie als Betreiberin eines Kosmetikstudios von der Politik nicht ernst genommen. Für ihren Traumjob hält sie allerdings durch.

von Susanne Tappe

"Zu, auf, zu, auf, zu - immer wieder den Laden aufmachen und dann wieder dichtmachen. Sich freuen auf die Kunden - und kurze Zeit später wieder alle Termine absagen müssen, so erging es Alissa Krämer. Als NDR Info Anfang März 2021 zuletzt mit ihr sprach, war ihr Kosmetikstudio in Heidgraben im Kreis Pinneberg gerade zum dritten Mal geschlossen - und zwar seit fast drei Monaten. Die 25-Jährige war zunehmend verzweifelt: "Schaffst du das? Willst du das noch? Willst du das noch aufrechterhalten? Lohnt sich das? Aber ich bin immer wieder aufgestanden, weil es genau das ist, was ich liebe. Das habe ich immer wieder gemerkt, wenn ich wieder arbeiten durfte. Das ist einfach mein Taumjob!"

Wütend auf die Politik

Aber die Kosmetikerin war nicht nur verzweifelt, sie war auch wütend auf die Politik, von der sie sich nicht ernst genommen fühlte: "Wir haben das Gefühl, das die Politik Kosmetikstudios für eine Art Luxus hält, auf den man auch verzichten kann, zumal die Leute durch Corona sowieso weniger Geld zur Verfügung haben. Anders als die Friseure auf die man nicht verzichten kann." Denn die Friseure durften in Schleswig-Holstein Anfang März wieder öffnen, die Kosmetikstudios aber zunächst nicht. Um so größer war die Freude bei Alissa Krämer, als die Landesregierung eine Woche später auch anderen sogenannten "körpernahen Dienstleistungen" wieder erlaubte zu öffnen.

"Kosmetik" steht auf einer Eingangstür eines Kosmetikstudios. © picture alliance/dpa Foto: Stefan Sauer
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Kunden dürfen Maske aufbehalten

Doch schon Ende April hatte Alissa Krämer ein unangenehmes Déjà-vu: Der Kreis Pinneberg zog die Notbremse und wieder mussten Kosmetiker schließen, Friseure nicht. Zum Glück sank die Inzidenz schnell und Krämer konnte schon nach einer Woche wieder öffnen. Seitdem ist sie dankbar - weil sie arbeiten darf und ihre Kunden zahlreich zurückgekommen sind: "Ich habe Glück, dass meine Hauptbehandlung eine Wimpernverlängerung ist, bei der man die Maske aufhaben darf. Und ich nicht so in die Bredouille komme, dass viele Kunden einen Test machen müssen. Das sieht bei Kolleginnen natürlich schon wieder anders aus und ich weiß, dass in einigen Bundesländern immer Tests gemacht werden müssen."

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Testpflicht schreckt viele Kunden ab

Im Nachbar-Bundesland Hamburg zum Beispiel gilt die Testpflicht nicht nur für Kosmetikstudios, sondern auch für Friseure. Viele ihre Kunden schrecke das ab, sagt die angestellte Friseurin Sarah Plath - und dass obwohl sie geschult ist und der Test vor Ort erledigt werden kann: "Obwohl wir hier vor Ort einen Test machen können, ist für viele die Testpflicht sehr lästig. Für uns heißt das, dass wir für die Dauer des Tests - eine Viertelstunde - blockiert sind und in dieser Zeit nichts anderes erledigen können. Es ist alles sehr aufwendig und mühselig."

Keine Impf-Priorisierung für Friseure

Viele Kunden würden ihren Friseurtermin deswegen möglichst weit hinauszögern. Das Ergebnis sind Lücken in ihrem Terminkalender, sagt Plath. Trotzdem würde sie auf die Tests im Moment nicht verzichten wollen, denn sie ist noch nicht geimpft. Im Gegensatz zu Beschäftigten im Einzelhandel wurden Friseure in Hamburg beim Impfen nämlich nicht priorisiert. "Wir sind ja noch näher am Kunden als Verkäufer. Wir wurden irgendwie vergessen, an unsere Gesundheit denkt irgendwie so keiner."

Unfaire Behandlung?

Es ist also egal, ob man mit einer Kosmetikerin in Schleswig-Holstein spricht oder mit einer Friseurin in Hamburg - beide fühlen sich im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen von der Politik unfair behandelt. Im Moment sind die Inzidenzen niedrig und die Betriebe geöffnet. Aber im Falle einer vierten Welle im Herbst, dürfte diese Diskussion wohl wieder lauter werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 25.06.2021 | 06:41 Uhr

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