Stand: 26.11.2019 21:14 Uhr

Hunderte Norddeutsche bei Trecker-Demo in Berlin

Hunderte Landwirtinnen und Landwirte aus Norddeutschland haben am Dienstag vor dem Brandenburger Tor gegen das Agrarpaket der Bundesregierung demonstriert. Zu der Kundgebung waren nach Schätzungen der Polizei Bauern mit rund 8.600 Traktoren in die Hauptstadt gerollt, um ihrem Ärger über verschärfte Umweltauflagen Luft zu machen - die Veranstalter hatten deutlich weniger Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwartet. Sie sprachen von einer "unglaublichen Solidarität". Landwirte könnten etwas bewegen, wenn sie zusammenhielten.

VIDEO: Trecker-Demo: Landwirte legen Berlin lahm (1 Min)

"Die Bauernproteste fallen nicht vom Himmel"

Auf NDR Info zog Georg Janssen von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ein positives Fazit der Demonstration: "Die Bauernproteste sind total beeindruckend - und sie fallen nicht vom Himmel. Wir Bäuerinnen und Bauern sind bereit, klima- und umweltschonenden Ackerbau zu machen. Wir sind bereit, die Tiere artgerecht zu halten." Die jetzigen Proteste seien aber das Ergebnis von Versäumnissen der Agrarpolitik in den vergangenen Jahren, die eindeutig auf "Wachsen oder Weichen" ausgerichtet gewesen sei.

Das jetzige agrarindustrielle Modell müsse aus seiner Sicht abgelöst werden, da es die Landwirte zu billigsten Preisen zwinge und auch dazu, teilweise gegen die Natur zu wirtschaften. "Wir brauchen eine Ackerbau-Strategie, eine Grünland-Strategie, wir brauchen eine andere EU-Agrarpolitik und eine andere Bodenpolitik, damit bäuerliche Betriebe wieder eine Chance haben." Dafür trage die Politik die Verantwortung.

Anreise mit eigenen Traktoren, Pkw, Bus oder Bahn

Der Trecker-Zug erreichte am Dienstag zwischenzeitlich eine Länge von 6.000 Metern. Größere Zwischenfälle blieben aber aus, teilte die Berliner Polizei mit. Die meisten Landwirte waren bereits am Montag Richtung Hauptstadt gestartet. Insgesamt waren aus Niedersachsen mehr als 1.200 Landwirte mit ihren Treckern dabei, mit etwa 600 Fahrzeugen waren Bauern aus Schleswig-Holstein vertreten, dazu etwa 1.000 Teilnehmer aus Mecklenburg-Vorpommern. Auch mit dem Auto, der Bahn oder mit Bussen waren Landwirte zur Demo nach Berlin gekommen. In Niedersachsen hatten beispielsweise Ortsverbände des Landvolks Busfahrten organisiert. So konnten auch Bauern in Berlin dabei sein, ohne die mühsame An- und Abreise mit dem eigenen Traktor in Kauf nehmen zu müssen.

Auf dem Rückweg durch Brandenburg

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Traktoren auf dem Weg nach Berlin © dpa-Bildfunk Foto: Soeren Stache, dpa

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Nach dem Ende der Demonstration verlief die Rückfahrt der Landwirte durch Brandenburg bis Dienstagabend reibungslos, wie ein Sprecher der Polizei Brandenburg berichtete. Noch bis Mittwoch ist aber auch in Norddeutschland noch vereinzelt mit Verkehrsbehinderungen auf Bundes-, Land- und Kreisstraßen zu rechnen.

Proteste mit vielen Traktoren gab es zuletzt auch schon in Norddeutschland, etwa in Hamburg. Dort fuhren vor knapp zwei Wochen mehr als 3.000 landwirtschaftliche Fahrzeuge durch die Innenstadt.

Landwirte fürchten um ihre Existenz

Die Bauern kritisieren unter anderem geplante schärfere Vorgaben zum Insekten- und Umweltschutz und weitere Düngebeschränkungen zum Schutz des Grundwassers. Sie befürchten, dass sie dann nicht mehr wirtschaftlich arbeiten können, wenn es immer schärfere und strengere Naturschutzvorschriften gibt. Dadurch wären auch viele Arbeitsplätze betroffen. "Wir wollen, dass das Agrarpaket gestoppt und neu diskutiert wird, mit Bauern und Fachinstituten", sagte die Landwirtin und Sprecherin der Initiative "Land schafft Verbindung", Kathrin Naumann aus Benitz bei Rostock.

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) sagte auf NDR Info, die jüngeren Landwirte hätten verstanden, dass weniger Pestizide und Dünger nötig seien. Im Gegenzug verlangte Backhaus mehr Verständnis von den Verbrauchern. Wenn Natur und Ressourcen geschont werden sollen, müssten Lebensmittel mehr wert sein. Aktuell verdiene ein Landwirt an einem ganzen Schwein nur etwa drei Euro.

Klöckner hält an Düngeregeln fest

Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) sagte vor Beginn der Demo im ARD-Morgenmagazin, sie halte es für richtig, dass das Land in die Hauptstadt kommt, damit die Landwirte Gehör finden. Bei den Düngeregeln seien ihr als Agrarministerin allerdings die Hände gebunden: "Es ist zu viel Nitrat an einigen Stellen im Grundwasser. Das liegt auch an der Düngung." Deutschland habe eine Klage gegen die EU-Kommission verloren, jetzt drohe eine hohe Strafe. "Wir müssen es umsetzen für sauberes Grundwasser." Bundesumweltministerin Svenja Schulte (SPD) wurde bei der Bauern-Demo am Brandenburger Tor ausgebuht.

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Treckerkonvoi aus Mecklenburg-Vorpommern auf der B96. © NDR Foto: Stefan Weidig

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 26.11.2019 | 16:20 Uhr

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