Hamburger Kitas in der Omikron-Welle

Stand: 15.01.2022 08:52 Uhr

Die Corona-Zahlen in Hamburg steigen immer weiter an. Betroffen sind auch viele Kindertagesstätten. Aufgrund technischer Probleme bei der Datenerfassung ist unklar, wie viele es genau sind. Familien, Behörden und Kita-Personal stehen vor großen Herausforderungen.

von Jan Oppel

Getroffen hat es auch die Gruppe von Kita-Leiterin Annkatrin Eschler im Hamburger Stadtteil Eimsbüttel. "Wir hoffen, dass es bei diesem einen Fall bleibt", sagt sie. Aber in der Pandemie wisse man ja nie, was kommt.

Mit einem Corona-Ausbruch fangen die Probleme für viele Einrichtungen erst an: Dazu zählen unter anderem die langen Wartezeiten auf die PCR-Testergebnisse fürs Personal. So lange die noch nicht vorliegen, dürfen die Angestellten nicht arbeiten und fallen aus. 

Immer mehr Kitas müssen schließen

Der Sprecher der Sozialbehörde Martin Helfrich
Ziel sei es, die Kitas möglichst lange offen zu lassen, sagt Sozialbehörden-Sprecher Martin Helfrich.

Martin Helfrich, Sprecher der Hamburger Sozialbehörde, sagt, dass die Labore in Hamburg bei der Auswertung von PCR-Tests "am Limit" seien. Das führe dazu, dass die Ergebnisse in manchen Fällen erst nach mehreren Tagen vorliegen. "Das ist ein Ärgernis, lässt sich in der gegenwärtigen Situation aber nicht beheben. Mehr als schnell arbeiten können die Labore nicht."

Angesichts der Omikron-Welle spricht auch Frank Krippner, Sprecher der Arbeiterwohlfahrt (AWO), von einer angespannten Lage. In den 24 Hamburger AWO-Kitas gebe es wöchentlich neue Corona-Infektionen - sowohl bei den Kindern, als auch beim Personal. "In Einzelfällen führt das auch dazu, dass nicht mehr genügend Personal zur Verfügung steht, um den Betrieb komplett aufrechtzuerhalten. Wir müssen dann in Absprache mit der Kita-Aufsicht die Eltern bitten, ihre Kinder zu Hause zu betreuen", sagt Krippner.

Ein Flur im Kindergarten mit zwei Kindern und einer Betreuerin. © dpa Foto: Monika Skolimowska
AUDIO: Hamburger Kitas in der Omikron-Welle (4 Min)

Kommt die Testpflicht für Kita-Kinder?

Um das Infektionsgeschehen einzudämmen, wünscht sich Kita-Leiterin Eschler strengere Regeln. Zum Beispiel, dass nur noch Eltern in die Einrichtungen dürfen, die geimpft, genesen oder getestet sind. Momentan gilt 3G dort nur für das Personal. Sinnvoll sei auch eine Testpflicht für Kita-Kinder.

Sozialbehörden-Sprecher Helfrich ist im Hinblick darauf skeptisch: "Wer sollte das denn durchführen? Die Fachkräfte sind ganz gewiss nicht geschult, so etwas zusätzlich zu ihren pädagogischen Aufgaben zu tun und womöglich sogar verpflichtend durchzusetzen."

Corona-Regeln an Hamburgs Kitas

Hamburgs Kitas befinden sich im Normalbetrieb. Alle Kinder können für die volle Zeit in die Kita gehen. Für einen besseren Infektionsschutz sollen die Mitarbeitenden in den Kitas zweimal pro Woche einen Corona-Schnelltest machen. Auch ruft die Behörde alle Mitarbeitenden der Kitas auf, sich impfen zu lassen. Kinder können sich freiwillig vor dem Kita-Besuch testen. Andere Personen als Kinder und Beschäftigte dürfen die Kitas nur betreten, wenn sie geimpft oder genesen sind oder einen negativen Coronavirus-Testnachweis vorlegen. Für anwesende Personen mit Ausnahme von Kindern und Beschäftigten gilt die Pflicht zum Tragen einer medizinischen Maske.

Auch wenn die Corona-Zahlen täglich neue Höchstwerte erreichen: Ziel sei es, die Kitas möglichst lange offen zu lassen, um die frühkindliche Bildung zu gewährleisten, so Helfrich. Kritiker halten dagegen, dass es vor allem darum geht, die Wirtschaft am Laufen zu halten.

Eltern am Limit?

Kita-Leiterin Eschler beobachtet, dass Arbeit und Betreuung im Homeoffice für viele Eltern kaum noch zu bewältigen sind. Und so werden auch in ihre beiden Kitas immer wieder kranke Kinder gebracht. "Es ist so, dass wir mit Eltern vermehrt diskutieren, wann eine Betreuung möglich ist und wann nicht", sagt Eschler. "Das hat vor allem damit zu tun, dass die Eltern selbst einen enormen Druck spüren. Dass sie funktionieren müssen und nicht noch weiter zu Hause bleiben können."

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NDR Info | Aktuell | 14.01.2022 | 07:20 Uhr

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