Stand: 04.02.2020 14:15 Uhr

Geheilt - dank neuer Therapie gegen Blutkrebs

 Von Angela Ulmrich, NDR

Vor vier Jahren ändert sich Peter Behns Leben schlagartig. Er entdeckt auf seiner Haut rote Flecken, glaubt, es seien Mückenstiche. Zur Sicherheit geht er zum Dermatologen. Dort die alles verändernde Diagnose: Peter Behn hat Blutkrebs. Die Ärzte handeln schnell, empfehlen das Standard-Prozedere: mehrfach Chemotherapie, mehrfach Bestrahlung. Trotz intensiver Betreuung bleibt der Behandlungserfolg aus. Schließlich zerfressen die Tumore sogar sein rechtes Bein. Um die Gesundheit des Rentners steht es immer schlechter.

Neuartige Therapie gegen Blutkrebs

So wie Peter Behn geht es vielen Patienten in Deutschland. Allgemeine und herkömmliche Therapien seien oft nicht auf den individuellen Körper ausgerichtet, kritisiert Prof. Dr. Nicolaus Kröger, Onkologe und Direktor der Abteilung für interdisziplinäre Stammzelltransplantation am Universitätsklinikum in Hamburg-Eppendorf (UKE). In seiner Klinik wird deshalb die neuartige "Car-T-Zelltherapie" eingesetzt - ein personalisiertes, komplexes und teures Verfahren, bei dem Leukämie- und Lymphdrüsenkrebs-Patienten mit Eigenblut behandelt werden. Die Kosten dafür liegen derzeit bei etwa 300.000 Euro pro Patient.

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Ziel ist es, so Prof. Dr. Kröger, künftig nicht mehr mit Eigenblut, sondern mit Blutspenden zu arbeiten.

Die Krankenkassen genehmigen die Therapie in der Regel erst dann, wenn Chemo und Bestrahlung keine nachhaltige Wirkung erzielt haben. Bei einem erfolgreichen Antrag dauert es noch weitere vier Wochen, bis ausgelagerte Pharmafirmen das Eigenblut-Präparat hergestellt haben. Ein Wettlauf gegen die Zeit, den viele Patienten verlieren. Viele Patienten sterben, noch bevor das Mittel in der Klinik eingetroffen ist.

UKE wirkt bei internationaler Studie mit

Das UKE erforscht seit Jahren, wie Blutkrebspatienten geheilt werden können. Es ist eines von etwa 20 Zentren in Deutschland, die mit der "Car-T-Zelltherapie" arbeiten. Die Klinik mit ihrer Abteilung für Stammzelltransplantation ist außerdem die einzige, die derzeit im Rahmen einer internationalen Studie an der Weiterentwicklung der Methode mitwirkt.

Ziel sei es, so Kröger, künftig nicht mehr mit Eigenblut, sondern mit Blutspenden zu arbeiten. Diese könnten in den Krankenhäusern auf Vorrat gelagert werden, um wertvolle Zeit zu sparen. Doch bis dahin sei es ein weiter Weg. Das Verfahren stehe in Europa noch am Anfang. "Wenn Sie sich anschauen, wie viele Studien weltweit laufen, dann sind derzeit mit Abstand die Chinesen und Amerikaner auf dem ersten Platz. Sie haben nicht so strenge Regularien, das ist deren Vorteil. In Europa hängen wir grundsätzlich schwer hinterher. In der Grundlagenforschung haben wir sehr gute Fortschritte gemacht, aber es dauert bei uns lange, bis wir diese Prozesse in die Klinik bringen", bemängelt Kröger. Der Arzt fordert außerdem, dass die verschiedenen Fachbereiche, etwa die Onkologie, die Neurologie und die Transfusionsmedizin, enger zusammenarbeiten. Seine Hoffnung sei es, künftig immer mehr Patienten mit der "Car-T-Zelltherapie" zu heilen - und den Blutkrebs bestenfalls irgendwann besiegen zu können.

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Peter Behn ist mittlerweile wieder gesund.
Therapie bei Peter Behn erfolgreich

Peter Behn hat Glück. Er übersteht die Dauer des Herstellungsprozesses, die Therapie startet und schlägt an. Nach nur einer Woche gehen die Symptome zurück, das Bein heilt, der Krebs verschwindet nach und nach. Heute gilt der 79-Jährige als gesund, muss lediglich in regelmäßigen Abständen zu Kontrolluntersuchungen.

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NDR Info | NDR Info | 04.02.2020 | 14:00 Uhr