Erdgasspeicher Rehden © dpa Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich
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AUDIO: Volle Gasspeicher: Wohl keine Mangellage mehr in diesem Winter (3 Min)

Gasspeicher in Deutschland: Szenarien für den Winter

Stand: 29.01.2023 08:30 Uhr

Für diesen Winter wird das eingespeicherte Gas laut Bundesnetzagentur reichen. Unterschiedliche Szenarien zeigen den Einfluss von Pipeline-Importen, LNG-Lieferungen und Einsparungen.

von Anna Behrend, Claus Hesseling

Eine Gasmangellage wird es nach Angaben der Bundesnetzagentur diesen Winter wohl nicht mehr geben. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, glaubt nicht, dass "noch etwas schief geht". Wie voll die Gasspeicher am Ende des Winters sein könnten, zeigen Modellrechnungen des gemeinnützigen Science Media Centers (SMC). In den Szenarien werden unterschiedlich starke Einsparungen im Vergleich zu den Jahren 2018 bis 2021 betrachtet:

  • Szenario 1: keine Einsparung
  • Szenario 2: 10 Prozent Einsparung
  • Szenario 3: 20 Prozent Einsparung

Jedes Szenario wurde für eher optimistische und für eher pessimistische Annahmen berechnet. Die folgenden Grafiken zeigen die drei SMC-Szenarien ab dem 1. Januar 2023 jeweils in der optimistischsten und der pessimistischsten Variante im Vergleich mit dem aktuellen Gasspeicherfüllstand.

Szenario 1: Keine Einsparung - leere Speicher möglich

Das erste Szenario zeigt: Auch ohne Einsparungen kann Deutschland ohne Gasmangellage über den Winter kommen. Die Speicher wären im günstigsten Fall auch nach der Heizperiode noch überdurchschnittlich gut gefüllt. Nur wenn insgesamt deutlich weniger Gas nach Deutschland fließt und der Winter besonders kalt wird, reicht das Gas in dem berechneten Modell nur knapp bis zum Ende der kalten Jahreszeit. Im März könnten die Speicher komplett leer sein.

Als Startwert für die Szenarien im Januar haben die Datenanalystinnen und -analysten des SMC einen Speicherstand von 223 Terrawattstunden (TWh) angenommen.

Szenario 2: Einsparung von zehn Prozent - Keine Gasmangellage

Wird im Vergleich zu den Vorjahren zehn Prozent weniger Gas verbraucht, kommt es in dem berechneten Modell keinesfalls zu einer Gasmangellage. Unter günstigen Bedingungen könnten die Speicher am Ende der Heizperiode sogar gut zur Hälfte gefüllt sein. Wird jedoch der Winter sehr kalt und die Importe gehen zurück, wären die Speicher am Ende des Winters nach diesen Berechnungen so gut wie leer.

Szenario 3: Einsparung von 20 Prozent - keine Gasmangellage und gefüllte Speicher

Wird im Vergleich zu den Vorjahren 20 Prozent weniger Gas verbraucht, so kommt Deutschland den SMC-Berechnungen nach ohne Gasmangellage durch den Winter - selbst wenn dieser kalt und der Gas-Zustrom geringer wird. Auch könnten die Speicher im günstigen Fall am Ende der kalten Jahreszeit zu fast drei Viertel voll sein.

Wichtig: Die Szenarien sind Modellrechnungen - der tatsächliche Verlauf kann und wird davon abweichen. Sie helfen aber zu verdeutlichen, auf welchem Pfad sich die Füllstände der deutschen Gasspeicher bewegen.

Welche Faktoren beeinflussen die Szenarien?

Wie sich der Füllstand der Gasspeicher im Winter entwickeln wird, hängt einerseits vom Gasverbrauch und somit von der Witterung ab. Andererseits ist die Menge des verfügbaren Gases entscheidend. Die wiederum setzt sich aus den Speichervorräten, dem Import via Pipelines und den Flüssiggas-Importen zusammen.

Der Gasverbrauch von Klein- und Großkunden

Die folgende Grafik zeigt den Gasverbrauch pro Kalenderwoche, aufgeschlüsselt nach Klein- und Großverbrauchern. Die Großen verbrauchten im Sommer und Herbst weniger Gas, da Unternehmen wegen der sehr hohen Preise ihre Produktion teilweise reduzieren oder zeitweise einstellen mussten. Zu Beginn der Heizperiode sparten Haushalte und kleinere Gewerbekunden teils deutlich gegenüber den Vorjahren. Die ersten sehr kalten Tage im Dezember ließen den Gasverbrauch vorübergehend in die Höhe schnellen.

Die obige Grafik zeigt: In der kalten Jahreszeit spielen die privaten Haushalte eine wichtige Rolle. Mit 1.500 bis 2.000 Gigawattstunden pro Tag liegt ihr Verbrauch in der gleichen Größenordnung wie der der Industrie.

Der aktuelle Gasverbrauch in Deutschland lag in der 3. Kalenderwoche ungefähr 9 Prozent unter dem durchschnittlichen Verbrauch der Jahre 2018 bis 2021. Er ist gegenüber der Vorwoche um 34 Prozent gestiegen.

Die Außentemperatur

Der Gasverbrauch passt auch zur Grafik der Wochentemperaturen: Ein großer Teil des Erdgases wird in Deutschland zum Heizen verwendet. Das bedeutet: Je niedriger die Temperaturen, desto höher der Verbrauch. Da der Gasverbrauch somit direkt mit der Witterung zusammenhängt, lohnt ein Blick auf die aktuellen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) im Vergleich zu den Werten der Vorjahre.

Die Reserven in den Gasspeichern

Fast bis zum Anschlag voll - mit diesen Füllständen starteten die deutschen Gasspeicher in die Heizperiode 2022/2023. Die Bundesregierung hatte den Betreibern Mindestspeicherfüllstände vorgeschrieben. Diese Zielmarken wurden sogar übertroffen. So stellt sich die aktuelle Situation dar:

Ein hoher Füllstand im Herbst heißt aber noch lange nicht, dass das Gas den ganzen Winter reichen wird. Denn normalerweise ist in den deutschen Gasspeichern so viel fossile Energie gespeichert, dass Deutschland damit zwar zwei Wintermonate überbrücken kann, aber eben nicht die ganze kalte Jahreszeit.

Die Gasimporte via Pipeline

Zusätzlich zu den gefüllten Gasspeichern benötigt Deutschland kontinuierlich Importe, um über den Winter zu kommen. In der Bundesrepublik wird zwar Erdgas gefördert, aber nur in sehr geringen Mengen. Nachdem Russland die Lieferung von Erdgas gestoppt hat, kommen die Importe vor allem aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien.

Hier nicht gezeigt werden die Gasexporte - zum Beispiel nach Polen, das ebenfalls kein Erdgas mehr aus Russland erhält. Das, was nach den Exporten übrig bleibt, wird als Netto-Import bezeichnet. Als Netto-Import wurde in den oben gezeigten Szenarien des SMC im optimistischsten Fall ein Wert von 2,2 Terawattstunden (TWh) pro Tag angenommen. Im pessimistischsten Fall rechnete das SMC mit 1,7 TWh pro Tag. Zum Vergleich: Im September und Oktober wurden im Schnitt etwa 2,45 TWh täglich importiert.

Die LNG-Importe und die Kapazitäten der neuen LNG-Terminals

Neben den Importen via Pipeline wird Flüssiggas (Liquified Natural Gas oder LNG) in Zukunft eine größere Rolle spielen. Bereits kurz vor Weihnachten floss Gas aus dem ersten deutschen LNG-Terminal in Wilhelmshaven in das deutsche Netz. Im Januar folgte dann das Terminal in Lubmin. Außerdem hat am 20. Januar noch ein Terminal in Brunsbüttel den Betrieb aufgenommen. Die drei Terminals zusammen sollen eine Kapazität von ca. 14 TWh pro Monat haben.

Auch diese geplanten LNG-Importe haben die SMC-Datenanalysten in den oben gezeigten Szenarien mit einkalkuliert. Da noch nicht klar ist, ob die volle Kapazität der Terminals tatsächlich ab Anfang 2023 zur Verfügung stehen wird, haben die SMC-Datenanalysten in ihren Berechnungen einen etwas geringeren Wert von 8,5 TWh pro Monat angenommen.

Ausgangslage für nächsten Winter: Wie ist der Füllstand im Frühjahr 2023?

Auch wenn die Bundesnetzagentur für diesen Winter Entwarnung gibt - ihr Präsident Klaus Müller warnt davor, ab jetzt Energie unnütz zu verschwenden. Denn das habe Einfluss auf den Preis. Zudem müsse jede Kilowattstunde, die jetzt eingespart werde, nicht teuer im Sommer eingekauft werden, um dann die Gasspeicher wieder aufzufüllen. Spannend bleibt also, mit welchem Füllstand Deutschland aus dem Winter kommt und wie leicht es dementsprechend sein wird, die Speicher im kommenden Sommer wieder zu füllen.

Die gezeigten Szenarien wurden mit den Erkenntnissen vom 9. Januar 2023 aktualisiert.

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NDR Info | Aktuell | 22.09.2022 | 07:40 Uhr

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