Sendedatum: 23.07.2020 06:50 Uhr

Fragen und Antworten: Trockenheit im Norden

Die Monate Juni und Juli waren verregnet - doch nach zwei sehr trockenen Jahren leidet der Norden immer noch unter den Folgen von Dürre und Hitze. Welche Auswirkungen hat das auf die Landwirtschaft und die Wälder? NDR.de hat zahlreiche Daten zur Trockenheit analysiert und hier zusammengefasst.

Es hat doch im Juni und Juli viel geregnet - von Trockenheit kann da doch keine Rede sein, oder?

Doch. Die Regenfälle im Juni und Juli haben zwar vielen Familien dringend nötigen Sommerurlaub in Corona-Zeiten verregnet, aber für die Natur reicht das nicht. Es bräuchte ein ganzes kühles Regenjahr, um die Wasserspeicher aufzufüllen und die Bodenfeuchte bis in die tieferen Erdschichten vordringen zu lassen, sagen Experten.

Wie haben sich die Niederschläge in diesem Jahr entwickelt?

Laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) war der Frühling 2020 (meteorologischer Frühling: März, April, Mai) "zu mild, sehr trocken und extrem sonnenscheinreich." Im Gebietsmittel von Deutschland wurde eine Niederschlagshöhe von 105,6 Millimeter gemessen. Das waren 43,5 Prozent weniger als im Mittel des Zeitraums von 1981 bis 2010. Der Frühling 2020 war damit der sechsttrockenste Frühling in Deutschland seit 1881 und der vierttrockenste seit 1901. Dafür lagen die Niederschlagsmengen im Juni im Mittel um 16 Prozent höher als der langjährige Durchschnittswert. In den besonders trockenen Jahren 2018 und 2019 waren unter anderem die Stationen Groß Lukow (MV), Lüchow (NDS) und Lübtheen (MV) stark von der Dürre betroffen. In Lübtheen hatte es in der Folge großflächige Waldbrände gegeben.

Welchen Einfluss hat die Trockenheit auf das Grundwasser?

Frisches Wasser aus dem Hahn ist hierzulande eigentlich selbstverständlich. Aber: Das Grundwasser, aus denen viele öffentliche Wasserversorger das Wasser beziehen, wird in manchen Regionen knapp. Nach zwei Dürrejahren könnten auch in diesem Sommer wieder Verbote drohen. Bereits 2019 war es Menschen im Landkreis Stade verboten, Leitungswasser zum Beispiel zum Bewässern des Rasens im Garten zu nutzen.

Das Bild zeigt den Verlauf der Grundwasserhöhen in Niedersachsen
Das Bild zeigt den Verlauf der Grundwasserhöhen in Niedersachsen. Dunkelbraune Punkte stehen für außergewöhnlich niedrige Grundwasserstände.

Laut dem Grundwasserbericht Niedersachsen, der Ende Juni vorgestellt wurde, könnte das auch in diesem Jahr wieder vorkommen. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) geht davon aus, dass die Grundwasserbestände in diesem Sommer ähnlich sinken werden wie in den beiden Vorjahren. Die Situation sei angespannt, heißt es. In den Niederungs- und Küstenregionen im Westen und Nordosten des Landes hätten sich die Grundwasserbestände im Winterhalbjahr zwar gut erholt, aber in den übrigen Landesteilen sei der Anstieg nur mäßig ausgefallen.

Welchen Einfluss haben die Niederschläge auf die Pegelstände von Flüssen und Seen?

Elbe, Weser, Ems und Co. - auch die Flüsse im Norden hatten in den vergangenen Sommern mit der Trockenheit zu kämpfen. 2019 hatte der Edersee in Hessen, einer größten deutschen Stauseen, die Wasserabgabe in die Weser eingeschränkt - mit deutlichen Folgen für die Schifffahrt. Der Wasserstand des Edersees ist seit Längerem ein Streitthema zwischen den Bundesländern Hessen und Niedersachsen. Das Wasser wird für den Tourismus am See benötigt, aber auch für die Schifffahrt auf der Oberweser.

Die Elbe ist eine weitere wichtige Wasserstraße für den Güterverkehr. Kommt es zu weiteren Jahren mit großer Trockenheit, könnten Unternehmen gezwungen werden, den Transport ihrer Waren vom Binnenschiff auf den Lkw zu verlagern - mit weiteren negativen Folgen für das Klima.

Wie geht es den Wäldern infolge der Trockenheit?

Die Wälder in Norddeutschland haben in den vergangenen zwei Jahren sehr unter der Trockenheit gelitten. Der "Stress" war und ist vielen Wäldern anzusehen, erklären Forst-Experten. In Mecklenburg-Vorpommern haben die Schäden ein nie gekanntes Ausmaß erreicht, das geht aus dem jüngsten Waldzustandsbericht des Landes hervor. So verdoppelte sich der Anteil sichtbar geschädigter Bäume.

Förster überlegen, andere Baumarten -zum Beispiel aus der Mittelmeer-Region - in Norddeutschland anzupflanzen. Die Trockenheit im Oberboden ist vor allem für die Fichten ein Problem, da sie einen flachen Wurzelteller haben. Das macht die Baumart zudem anfällig für Schäden durch Bodenerosion. Laubbäume sind oft weniger anfällig, da ihre Wurzeln tiefer reichen - aber selbst die haben nun ein Wasserproblem. Vor allem für Städte könnten trockene Bäume ein Problem werden. Gerade im städtischem Raum sorgen große Bäume für Schatten Schatten und bringen und durch Verdunstung eine Abkühlung. "Das hat einen positiven Einfluss auf das Kleinklima und damit auch für den Lebenswert in unseren Städten. Ein kleiner Baum kann bei Weitem nicht leisten, was ein großer Baum kann",erklärt Prof. Dirk Dujesiefken vom Institut für Baumpflege Hamburg.

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Gefühlt regnet es in diesem Sommer in Norddeutschland relativ oft - jedenfalls im Vergleich zum Dürre-Sommer vor zwei Jahren. Doch all der Regen reicht den staubtrockenen Böden nicht. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 23.07.2020 | 06:50 Uhr

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