Stand: 31.07.2017 17:55 Uhr

Extrem-Regen lässt Millionen-Schäden zurück

Aus kleinen Flüssen werden reißende Fluten, Wiesen und Felder werden überschwemmt, Wasser strömt in Gebäude: Die Bilder aus den vergangenen Tagen haben wieder einmal vor Augen geführt, wie mächtig eine Hochwasserflut und wie ohnmächtig die Menschen sind. Nun zieht sich das Wasser in Niedersachsen langsam wieder zurück, im Landkreis Celle und im Heidekreis kam es in den letzten Stunden nicht mehr zu großen Überflutungen. Für Südniedersachsen spricht der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) von einer "vorsichtigen Entwarnung". Überall dort, wo es geht, wird aufgeräumt. Was bleiben wird von den Fluten im Land, sind die Schäden - wie etwa die massiven Verwüstungen in der Uni Hildesheim. Die Schäden im Land reichen weit in die Millionen-Euro-Höhe.

Soforthilfe - aber wie sieht die aus?

Wie hoch die Hochwasserschäden seit vergangenem Dienstag aber tatsächlich sind, ist noch unklar. Erst einmal müsse das Wasser verschwunden sein, die Schäden gesichtet und gemeldet werden, heißt es in Niedersachsens Innenministerium in Hannover. Bereits am Freitag, als sich die Lage im Harz ein wenig entspannt hatte und sich die Wassermassen gen Braunschweig und Hannover bewegten, sicherte Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) den Opfern des Hochwassers "unbürokratische Soforthilfe" zu. Dazu wurde nun ein ressortübergreifender Stab mit Vertretern aus sieben Ministerien eingerichtet, wie das Umweltministerium mitteilte. Das ist mit Umweltstaatssekretärin Almut Kottwitz federführend. Der Stab soll die Schäden erfassen, die der Land- und Forstwirtschaft, in Privathaushalten und Betrieben sowie an Straßen und kommunaler Infrastruktur entstanden sind. Zu diesem Zeitpunkt ist noch nicht klar, ob die Hilfe innerhalb von Tagen bereitsteht - und auch nicht, wie die Gelder ausgezahlt werden.

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Unermüdlicher Einsatz der Ehrenamtlichen

Für die Helfer waren es ermüdende Stunden, mancherorts Tage - etwa für die Einsatzkräfte im Harz, im Vorland bis hoch nach Hannover und Braunschweig. Sandsäcke wurden gefüllt und verteilt, Dämme überwacht, große Flächen mit starken Pumpen vom Wasser befreit, Anwohner mit Gummibooten aus gefluteten Straßenzügen gerettet. Weil in den meisten Orten die Helfer nicht mehr konnten oder schlichtweg zu wenige Kräfte verfügbar waren, bekamen sie Verstärkung, wie etwa in Heersum im Landkreis Hildesheim. Rund 180 Helfer wurden aus dem gut 140 Kilometer entfernten Verden an der Aller zum Einsatz im Süden gerufen. Mittlerweile gehen die meisten der ehrenamtlichen Feuerwehrleute im Land wieder ihrer eigentlichen Arbeit nach.

Spendenaktion und Sperrmüll-Sonderzug für Goslar

Zweimal war seit vergangenem Mittwoch Katastrophenalarm ausgerufen worden: zunächst durch den Landkreis Goslar. Dort versanken Bad Harzburg und die UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt Goslar selbst nahezu unter den Fluten, die sich von den Bergen kommend ihren Weg hinab bahnten. Schon seit Donnerstag wird dort aufgeräumt. Unmittelbar mit dem Abzug des Wassers forderte Oberbürgermeister Oliver Junk (CDU) bereits eine finanzielle Unterstützung durch das Land Niedersachsen. Für eine schnelle Hilfe richtete der Landkreis Goslar ein Spendenkonto ein. Am Montag wurde im Landkreis zudem kostenlos der Sperrmüll abgeholt. Auch wenn das Engagement der Bürger groß gewesen sei, gab es von Junk etwa große Kritik an Gaffern, die die Rettungseinsätze vor Ort behindert hätten. Gute Nachrichten gibt es vom Tourismusverband Harz: "Es haben keine Gäste wegen des Hochwassers storniert oder den Urlaub abgebrochen", sagte eine Sprecherin. Die schnell angelaufenen Aufräumarbeiten seien wohl ein Grund dafür. Wandern sei im Übrigen ohne Probleme weiter möglich - doch empfohlen wird festes Schuhwerk.

So etwas wie Normalität in Wolfenbüttel

Die Lage in den Hochwassergebieten um Wolfenbüttel, wo wegen des Übertretens des Harz-Flusses Oker ebenfalls der Katastrophenalarm ausgerufen wurde, hat sich normalisiert. Laut der Regionalleitstelle in Braunschweig habe es keine Einsätze der Feuerwehr mehr gegeben. In Wolfenbüttel konnten am Wochenende die letzten Keller von Privathäusern leer gepumpt werden, der Strom wurde wieder eingeschaltet, Sperrmüll an die Straße gestellt. Alle Bewohner sind in ihre Häuser zurückgekehrt.

Unwetter am Dienstag - "weiter in Habachtstellung"

Für den Dienstag sind wieder Unwetter vorhergesagt. Teilweise ist erneut mit Starkregen zurechnen, hieß es beim DWD. Wo das Wasser wegen der teilweise durchweichten Böden örtlich nicht gut abfließen könne, müsse man sicher "weiter in Habachtstellung" sein. Wenn es Probleme gebe, werde dies aber wohl nur einzelne Orte betreffen.

Celle: Keine Hochwassereinsätze in der Nacht

Bislang entspannte sich die Hochwasserlage an Aller und Leine nach Angaben der Einsatzkräfte. Die Pegelstände im Heidekreis und im Landkreis Celle seien nicht so hoch als zunächst angenommen. Im Landkreis Celle musste die Feuerwehr in der vergangenen Nacht zu keinem einzigen Hochwassereinsatz ausrücken, so ein Sprecher. Trotzdem werden die Dämme weiterhin regelmäßig kontrolliert. Außerdem beobachte man die Fließgeschwindigkeit der Aller, um mögliche Schäden an den Deichen schnell zu erkennen. Auch in Schwarmstedt im Heidekreis gebe es keine überschwemmten Straßen.

"Das sind Extremwerte"

Mit Blick auf den Regen, der im Juli vom Himmel gefallen ist, sprechen die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) von Rekordmengen. Allein in Bad Harzburg seien 223 Liter pro Quadratmeter gemessen worden. Dies seien 152 Liter oder 312 Prozent mehr als im langjährigen Durchschnitt. In Alfeld ergossen sich innerhalb von vier Wochen 247 Liter Niederschlag je Quadratmeter - 179 Liter mehr als im durchschnittlichen Juli. "Das sind Extremwerte", so der DWD. In Hannover waren es statt der im Mittel üblichen 62 Liter Regen je Quadratmeter "nur" 158 Liter Niederschlag.

Umweltschutz: Mehr Raum für Fließgewässer

Mit dem Abfließen des Hochwassers meldet sich nun die Umweltschutzorganisation BUND zu Wort. Sie fordert: mehr Raum für Fließgewässer in Niedersachsen. "Flüsse und Bäche haben nach wie vor nicht genug Platz, um nach starken Niederschlägen ausreichend Wasser aufzunehmen", sagte Vera Konermann, Gewässer-Referentin der Umweltorganisation. Dafür sei das derzeitige Hochwasser ein weiterer Beleg. "Die Überschwemmungen zeigen, dass Handlungsbedarf besteht." Es müssten noch mehr Gewässer renaturiert werden. Dann werde deren Wasser-Rückhaltevermögen steigen. Aus Sicht des BUND waren auch die jüngsten Überschwemmungen "natürliche Hochwasser-Ereignisse". Für Flora und Fauna in Niedersachsen seien sie deshalb auch kein nennenswertes Problem, sagte Konermann. Das Gegenteil sei der Fall: "Hochwasser haben für natürliche Flussauen eine eher positive Funktion." Es sei charakteristisch für Auen, dass sie ab und an überflutet werden. Schwierigkeiten gebe es aber überall dort, wo Menschen im natürlichen Überflutungsgebieten siedeln.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 31.07.2017 | 12:00 Uhr

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