Der Hubschrauber Christoph Thüringen der DRF Luftrettung bringt eine am Corona-Virus schwer erkrankte Patientin in das St. Bernward Krankenhaus in Hildesheim. © dpa Foto: Julian Stratenschulte

Erneut Covid-Patienten in Niedersachsen gelandet

Stand: 26.11.2021 19:00 Uhr

Niedersachsen hat die ersten Covid-Patienten aus anderen Bundesländern aufgenommen.

Eine dritte Intensivpatientin, die sich mit Covid-19 infiziert hat, ist am Freitag von Thüringen nach Niedersachsen verlegt worden. Die Frau landete am Mittag mit einem Hubschrauber auf dem Gelände des St. Bernward Krankenhauses in Hildesheim. Eine Kliniksprecherin bestätigte die Verlegung. Bereits am Donnerstagabend waren zwei beatmete Personen im Klinikum Siloah in Hannover angekommen. Beide sind aus dem Zentralkrankenhaus Suhl in Thüringen nach Hannover verlegt worden. Laut einer Sprecherin des Gesundheitsministeriums vom Donnerstag sind derzeit acht Thüringer Patienten für eine Verlegung vorgesehen.

Kleeblatt-System zu Pandemiebeginn ausgearbeitet

Die Aufnahme erfolgt im Rahmen des Kleeblatt-Systems, das Bund und Länder bereits zu Beginn der Corona-Pandemie Anfang 2020 ausgearbeitet hatten. Demnach ist Deutschland in fünf Bereiche, sogenannte Kleeblätter, eingeteilt. Niedersachsen bildet zusammen mit Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern das Kleeblatt Nord. Über das Kleeblatt-System sollen Kranke im Notfall unkompliziert in weniger belastete Krankenhäuser verlegt werden können. Der Auslöser für die erstmals in der vierten Corona-Welle anstehenden Verlegungen ist, dass Kliniken im Osten und im Süden Deutschlands eine Überlastung droht - sie meldeten am Dienstag "Planungsstufe rot".

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Niedersachsen koordiniert Aufnahmen fürs Kleeblatt Nord

"Wir unterstützen die besonders stark von der Pandemie betroffenen Bundesländer mit unseren Intensivbettenkapazitäten", sagte Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). Das niedersächsische Innenministerium koordiniert die Patienten-Aufnahme für das Kleeblatt Nord. Verlegungen in andere norddeutsche Bundesländer sind laut Ministerium aktuell nicht geplant. Aber das Kleeblatt Nord hat weitere Aufnahmen in Aussicht gestellt. Wie die Vize-Chefin des Corona-Krisenstabs, Claudia Schröder, am Donnerstag im Sozialausschuss sagte, hat neben Niedersachsen auch Schleswig-Holstein noch freie Intensivkapazitäten. Anfragen zur Übernahme von Patientinnen und Patienten gebe es aus Bayern, Thüringen, Sachsen und wohl bald auch aus Sachsen-Anhalt. Die Kranken, die aus anderen Bundesländern aufgenommen werden, wirken sich laut Schröder auf die Indikatoren Hospitalisierung und Intensivbettenbelegung des Landes aus, aus denen sich wiederum die aktuell geltende Warnstufe ergibt.

Die vier weiteren Kleeblatt-Regionen

  • Ost: Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin
  • West: Nordrhein-Westfalen
  • Süd: Bayern
  • Südwest: Baden-Württemberg, Saarland, Rheinland-Pfalz und Hessen

Kliniken sollen Betten für Corona-Patienten freihalten

Damit die Kliniken einen bestimmten Anteil an Betten sowohl auf Normal- als auch auf Intensivstationen für Covid-Erkrankte freihalten, bereitet Niedersachsen derzeit laut Schröder eine Krankenhausverordnung vor. Die Krankenhäuser müssen dann planbare Eingriffe zum Teil aufschieben. Diese Verordnung werde gerade mit den zuständigen Verbänden diskutiert und soll laut Schröder so schnell wie möglich fertig werden. 

Krankenhäuser warnen vor Personalproblemen

Unterdessen fürchten die Kliniken in Niedersachsen in der sich zuspitzenden Corona-Lage Personalprobleme. "Die personelle Situation in vielen Krankenhäusern ist bereits jetzt angespannt", hieß es von der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft. Weil Pflegekräfte fehlten, könnten Intensivstationen vielfach nicht in vollem Umfang betrieben werden. Aufgrund derrasant steigenden Infektionszahlen müssten die Krankenhäuser in absehbarer Zeit geplante Eingriffe verschieben, damit genug Personal für die Versorgung von Covid-Erkrankten vorhanden sei, heißt es auch von der Krankenhausgesellschaft. Den Kliniken drohe dadurch erneut wirtschaftlicher Schaden. Notwendig sei ein Rettungsschirm, um die fehlenden Einnahmen in diesem und auch im kommenden Jahr zu ersetzen, forderte der Verband. Auch müssten die Bürokratie- und Dokumentationsanforderungen während der vierten Corona-Welle auf ein Mindestmaß reduziert werden, um das Pflegepersonal zu entlasten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 26.11.2021 | 06:00 Uhr

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