Stand: 02.12.2019 06:41 Uhr

Die E-Mobilität und das "Problem-Metall" Kobalt

Für den Bau von Elektro-Batterien ist Kobalt nach jetzigem Stand der Batterietechnologie unumgänglich. Wichtiger Lieferant ist die als eines der korruptesten Länder geltende Demokratische Republik Kongo. Beim Abbau werden Umweltstandards missachtet und Menschenrechte verletzt - Kinderarbeit ist keine Seltenheit. Wie geht die Industrie damit um? - Das ist die Frage des zweiten Teils der NDR Info Serie zur Mobilitätswende.

von Kai Küstner, NDR Info Wirtschaftsredaktion

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Vor allem im Kleinbergbau sind es oft Kinder, die unter lebensgefährlichen Bedingungen in den Minen schuften müssen.

Was Rohstoffe angeht, gleicht der Kongo einer echten Schatzkammer: Kupfer, Diamanten und Gold finden sich hier im Herzen Afrikas - und eben auch das derzeit noch für die E-Auto-Batterien so dringend benötigte Metall Kobalt. Doch wer diesen Schatz zu heben versucht, droht sich in ein undurchdringliches Netz von Problemen zu verheddern: Korrupte Politiker oder gar bewaffnete Milizen versuchen, sich in einem der gefährlichsten Länder der Erde die Kontrolle über die ertragreichen Kobalt-Minen zu sichern. Im Kleinbergbau sind es teilweise nach wie vor Kinder, die in den Schächten schuften müssen. Philip Schütte von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) war schon oft vor Ort: "Der Kongo ist eines der korruptesten Länder der Welt, aber auch eines der ärmsten Länder der Welt. Und ein Großteil der armen Bevölkerung hängt vom Kleinbergbau ab. Im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit ist es gewissermaßen eine moralische Pflicht, auch mit Ländern zusammenzuarbeiten, wo es nicht gut läuft, wie im Kongo. Und hier muss man sich mit den Gegebenheiten arrangieren."

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Transparenz - ein ganz wichtiger Punkt

Deutsche Gesetzgebung

Die Bundesregierung arbeitet gerade an verschiedenen Initiativen zum Thema Rohstoffe.Der Nationale Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte (NAP) setzt zum Beispiel UN-Leitprinzipien um.

Aktuell müssen deutsche Unternehmen ihre Zulieferer weder offen legen noch überprüfen, woher diese ihre Rohstoffe beziehen. Die Koalition will ein entsprechendes Gesetz nur einführen, falls deutsche Unternehmen sich nicht freiwillig an die UN-Leitprinzipien halten. 

Dazu wird gerade eine Umfrage ausgewertet. Frankreich und Großbritannien beispielsweise haben entsprechende Gesetze.

Schütte berät die Industrie, auch die Autokonzerne, bei deren wirklich hochkompliziertem Unterfangen, sicherzustellen, dass der Rohstoffnachschub nicht versiegt, dieser Nachschub aber weder die Umwelt in den Krisen-Herkunftsländern zerstört, noch das soziale Gefüge: "Natürlich muss man sich die Frage stellen, wie der kongolesische Staat mit diesen Einnahmen umgeht. Transparenz ist hier ein ganz wichtiger Punkt. Nicht alles läuft gut, aber es gibt zumindest eine gemeinsame Reflexion der Probleme und dann hoffentlich auch irgendwann eine Weiterentwicklung."

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"Weltweite E-Mobilität ohne den Kongo derzeit nicht realisierbar"

Auch Daimler, BMW, VW und Co. sind sich der Probleme bewusst, stecken aber in einer echten Zwickmühle: Zum einen haben es die deutschen Autobauer eilig, wollen im weltweiten Wettlauf um die E-Mobilität nicht noch weiter zurückfallen. Zum anderen braucht man für eine E-Batterie derzeit eben noch Kobalt - Und kommt daher am Krisenstaat Kongo nur schwer vorbei, erklärt Siyamend Al Barazi, Kobalt-Experte bei der BGR: "Die weltweite E-Mobilität auf Grundlage der aktuellen Lithium-Ionen-Technologie ist ohne den Kongo nicht zu realisieren."  

BMW hat Reißleine gezogen

Das Problem für die Autobauer: Sie sind bei der Produktion ihrer Elektro-Batterien von Zulieferern abhängig. Dann aber nachzuvollziehen, in welcher Mine unter welchen Bedingungen das verbaute Kobalt abgebaut wurde, lässt sich kaum zweifelsfrei zurückverfolgen. BMW hat bereits die Reißleine gezogen: Wie der Konzern NDR Info bestätigte, will der Autobauer künftig auf Kobalt aus dem Kongo ganz verzichten und stattdessen das Metall in Australien und Marokko selbst einkaufen.

Die Abhängigkeit dürfte noch wachsen

Doch da der Kobalt-Bedarf aller Autobauer weltweit Mitte der 20er-Jahre Berechnungen der Bundesanstalt zufolge fünfmal so hoch sein könnte wie heute, dürfte die Bedeutung des Kongo eher noch wachsen. Prince Kihangi, Anwalt und Abgeordneter eines Regionalparlaments aus dem Kongo, ist 2018 extra nach Deutschland gereist ist, um auf die Lage in seinem Heimatland aufmerksam zu machen: "Von der Kobalt-Ausbeutung profitieren nur die Chinesen, die dort sind. Und die anderen: die Amerikaner, Franzosen, Europäer: Gucken Sie sich die Lebensbedingungen der Kongolesen an: Sie sind miserabel. Und die Rückverfolgung von Kobalt ist ein Problem." Passiert sei seitdem wenig, beklagte er

Zwei Arbeiter in einer Zinn-Mine in der Republik Kongo © dpa picture alliance

Die Abhängigkeit von Rohstoff-Lieferanten

NDR Info - Infoprogramm -

Der Kongo ist einer der wichtigsten Produzenten von Kobalt - dem unverzichtbaren Rohstoff für Akkus. Das macht viele Firmen abhängig von dem Krisen-Land.

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Nach Alternativen wird geforscht

Hierzulande suchen Wissenschaftler und Autobauer nach Alternativen und etwa der Kobalt-freien E-Batterie. Doch noch wird der Bedarf wachsen. Und damit wird es vorerst so bleiben, dass für den Kongo der Rohstoff-Reichtum Segen und Fluch zugleich ist.

Weitere Informationen
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Rohstoff aus dem Kongo: Der Fluch des Kobalts

Die deutsche Autoindustrie wird für den Bau von Elektro-Autos immer abhängiger vom Krisenland Kongo. Das geht aus einer noch unveröffentlichten Studie hervor, die dem NDR vorliegt. extern

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 03.12.2019 | 06:41 Uhr

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