Stand: 29.01.2019 17:00 Uhr

Ja, die Bundeswehr ist ein Bürokratie-Monster

"Das System der Mangelbewirtschaftung besteht in allen Bereichen fort", kritisiert Hans-Peter Bartels (SPD) den Zustand der Bundeswehr. Der Wehrbeauftragte hat am Dienstag den Jahresbericht 2018 vorgestellt.

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"Die Verteidigungsministerin hat Trendwenden angekündigt - es läuft aber weiterhin vieles schief", meint Andreas Flocken.

Der Wehrbeauftragte hat recht. Bei der Bundeswehr muss ganz schnell vieles besser werden. Die Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat zwar schon vor einiger Zeit Trendwenden angekündigt - beim Material und Personal. Bei der Truppe ist davon jedoch immer noch  wenig zu spüren. Es läuft weiterhin vieles schief.

Beispielhaft dafür ist die NATO-Speerspitze, die in diesem Jahr von der Bundeswehr gestellt wird. Damit dieser Großverband einsatzbereit ist, mussten Waffen und Gerät aus der ganzen Bundeswehr zusammengeklaubt werden - wieder einmal. Und erneut fehlt es bei den anderen Verbänden - mit Folgen für die Ausbildung. Zudem hat das Trauerspiel um die "Gorch Fock", die seit drei Jahren in der Werft liegt und bei der es eine Kostenexplosion gegeben hat, der breiten Öffentlichkeit deutlich vor Augen geführt, wie schwer sich die Bundeswehr tut, Rüstungsprojekte und andere Vorhaben zu managen.

Zu viel Zeit im Büro

Der Wehrbeauftragte hat einen zentralen Grund für diesen beklagenswerten Zustand genannt. Die Bundeswehr ist überreguliert. Die Streitkräfte haben sich inzwischen zu einem "Bürokratie-Monster" entwickelt. Vor Ort darf quasi kaum noch etwas entscheiden werden. Der Kompaniechef verbringt inzwischen mehr Zeit am Computer im Büro als draußen bei seinen Soldaten während der Ausbildung. Er hat zudem kaum Einfluss beispielsweise auf die Weiterverpflichtung oder einen Laufbahnwechsel der von ihm geführten Soldaten.

Der Dienstweg lässt die Truppe verzweifeln

Der Dienstweg lässt die Truppe verzweifeln. Durch die Zentralisierung dauert alles immer länger. Es heißt zwar: Was lange währt, wird endlich gut. Doch das gilt nicht für die Bundeswehr. Deutlich wird das an Großprojekten wie dem Transportflugzeug A400 - aber auch an kleineren Dingen wie der Beschaffung von Nachtsichtbrillen oder Schutzwesten. Zurück bleiben frustrierte Vorgesetzte und genervte Soldaten.

Historischer Tiefstand bei den Bewerberzahlen

Da verwundert es wenig, dass die Bundeswehr Probleme bei der Nachwuchsgewinnung hat. Trotzdem hat die Verteidigungsministerin angekündigt, den Umfang der Streitkräfte zu vergrößern - auf rund 200.000. Doch damit versucht die CDU-Politikerin die Quadratur des Kreises. Zu Recht zeigt sich der Wehrbeauftragte besorgt und weist darauf hin, dass die Bewerberzahlen für den militärischen Dienst erheblich sinken. Im vergangenen Jahr sind nur noch 20.000 Frauen und Männer in die Streitkräfte neu eingetreten. Der niedrigste Stand in der Geschichte der Bundeswehr.

Soldaten sind tief enttäuscht

Die deutschen Streitkräfte gehen schweren Zeiten entgegen. Die mit viel Elan gestartete einstige Hoffnungsträgerin Ursula von der Leyen hat die Soldaten tief enttäuscht. Die Misere der Streitkräfte geht zurück auf schwaches Management und falsche Strukturen. In diesem Jahr stehen der Bundeswehr 43 Milliarden Euro zur Verfügung - Tendenz steigend. Anders als früher liegt es also nicht am Geld.

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Weiter große Mängel bei der Bundeswehr

Zu viele Vorschriften, nicht einsatzbereites Gerät, zu langsame Beschaffung: Der Wehrbeauftragte des Bundestages beklagt fehlende Fortschritte bei altbekannten Problemen. extern

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NDR Info | Kommentar | 29.01.2019 | 17:08 Uhr

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