Gastronom Ioanis Angelidis vor seinem Restaurant in Hamburg © Chrisoula Altantzi Foto: Chrisoula Altantzi

Der Gastronom, der Bier-Brauer und die Corona-Krise

Stand: 21.06.2021 06:00 Uhr

Über Monate hat NDR Info einen norddeutschen Gastronomen und einen Bier-Brauer in der Corona-Pandemie begleitet. Beide hätten ohne ihre ersparten Rücklagen nicht überleben können.

von Melanie Böff

Monatelang gab es in der Taverna Nostalgia Lamm-Suvlaki, Bifteki und Musaka nur zum Mitnehmen - nun freut sich Gastronom Ioanis Angelidis, dem das Restaurant in Hamburg-Ottensen gehört, wieder über die vielen Gäste im Sommergarten: "Jetzt bei dem guten Wetter kommen die Leute. Haben Spaß, lachen wieder und genießen den Tag. Ich glaube, jeder Gastronom will dass die Menschen glücklich sind." Im Moment kann man im Restaurant nur draußen sitzen. Die Innenräume möchte Angelidis noch nicht öffnen - er fürchtet, der Andrang könnte zu groß werden und es könnte dann Probleme beim Abstandhalten geben.  Zu viel Andrang - das hätte er sich noch vor wenigen Monaten sehnlichst gewünscht.

Nicht den Kopf in den Sand stecken

Torsten Schumacher betreibt eine Mikro-Bierbrauerei in Schleswig-Holstein © Pit Schumacher Foto: Pit Schumacher
Für Bier-Brauer Schumacher geht es mittlerweile wieder bergauf. Sein Fazit aus der Krise: "Verlasse dich immer auf dich selbst".

Das Gefühl kennt auch Torsten Schumacher aus dem schleswig-holsteinischen Grönwohld. Er betreibt eine kleine Brauerei. Sein Geschäft lebt aber eigentlich von Veranstaltungen, wie zum Beispiel Brauerei-Festen und Bier-Seminaren. Doch die durften im Lockdown nicht stattfinden: "Alles was man sich erträumt hat, was man sich aufgebaut hat, was man sich erarbeitet hat, alles ist genommen worden. Und da hast du manchmal gestanden und hast gedacht: Meine Fresse, steckst du jetzt den Kopf in den Sand - ja oder nein? Nein! Das machen wir nicht!"

Mit Kreativität durch die Krise

Also wurde Schumacher kreativ. Am Anfang stellte er seine Anlagen, in denen sonst Bier gebraut wird, für die Herstellung von Desinfektionsmittel zur Verfügung. Dann fing er an, sein Bier auch online zu verkaufen und schließlich hatte er noch eine Idee: "Bei uns im Dorf wird die Serie "Neues aus Büttenwarder" gedreht und ihre Kollegen vom NDR haben uns die Erlaubnis erteilt, das Büttenwarder Pils herzustellen. Also gibt es jetzt in dem Ort, in dem diese Serie gedreht wird, echtes Büttenwarder Pils und es gibt einen Korn." Und das Büttenwarder Pils verkauft Schumacher jetzt auch online.

Unsicherheit bei Staatshilfen sorgen für Existenzängste

Auch der Hamburger Gastronom Ioanis Angelidis hatte während des Lockdowns nicht komplett geschlossen, das Essen konnte man sich immer noch selbst abholen. So lief das Geschäft zwar noch - aber es lief nicht gut. Nach einigen Monaten bekam Angelidis Existenzangst: "Wir haben noch ein zweites Geschäft und wir dachten, das wir einen Laden auf jeden Fall abgeben müssten, weil wir Geldsorgen hatten. Die Staatshilfen sind leider erst sehr spät angekommen. Und diese Unsicherheit wann kommen die Staatshilfen und kommen sie überhaupt, das hat schon für Existenzängste gesorgt."

Vor einem Monat hat der Gastronom dann die Staatshilfen ausgezahlt bekommen. Bis dahin hat er es nur geschafft, weil er Schulden aufgenommen und seine Ersparnisse komplett aufgebraucht hat.

"Das nagt an einem"

Auch Bier-Brauer Torsten Schumacher hat nur auf diesem Weg bis heute durchgehalten. Doch die Folgen der Pandemie ziehen sich, sagt der 62-Jährige: "Ob sich der Betrieb vollkommen erholen wird? Der Betrieb sicherlich, wir allerdings definitiv nicht. Nein! Die Arbeit war Vorbereitung für eine Freizeit, die wir uns erarbeitet haben im Rentenalter. Und dieses Geld ist weg. Das heißt also, dass wir unsere Arbeitszeit nach hinten verlängern müssen. Wir müssen diese ganze Geschichte wiederaufbauen und das nagt schon an einem."

"Wenn du Ideen hast, setz‘ sie um!"

Inzwischen darf Brauer Schumacher auch wieder Bier-Seminare veranstalten. Es geht bergauf. Er hat seine Lehre aus der Pandemie gezogen: "Ich sage mal auf jeden Fall: Verlass dich immer auf dich selbst. Wenn du Ideen hast, zögere nicht, setz' sie um! Stell dich breitbeinig auf, also stell dich auf verschiedene Standbeine, damit dir nichts passiert."

Und der Hamburger Gastronom Angelidis ergänzt: "Geduld ist das Wichtigste und niemals aufgeben. Ich glaube, das war so das Wichtigste, das mich gehalten hat in der Zeit"

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 22.06.2021 | 06:41 Uhr

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