Stand: 07.03.2018 14:16 Uhr

Der Faktencheck zu Feinstaub und Stickoxiden

von Nicolas Lieven, NDR Info Wirtschaftsredaktion
Bild vergrößern
Drohende Diesel-Fahrverbote in Innenstädten verunsichern viele Autobesitzer.

Seit Jahren wird über die Gesundheitsgefahren durch Diesel-Autos gesprochen. Jetzt gewinnt die Diskussion an Fahrt, weil Fahrverbote in Innenstädten drohen. Doch viele Fragen sind noch ungeklärt. Diesel-Fahrer sind verunsichert, da sie nicht wissen, wie es weitergeht. Vom Vorschlag des Umweltbundesamtes, je nach Schadstoffausstoß zwei Plaketten auszugeben - hellblau und dunkelblau - will der künftige Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) aber nichts wissen.

NDR Info hat zum Thema Luftbelastung durch Schadstoffe ein paar Fakten zusammengetragen.

Wie gefährlich sind Stickoxide?

Stickoxide gelten in Städten als Luftschadstoff Nummer eins. Sie entstehen bei der Verbrennung von Gas, Holz, Öl oder Kohle - beim Diesel unter anderem in Form von Stickstoffdioxid, einem ätzenden Reizgas. Die giftigen Moleküle gelangen bis tief in die Lungenbläschen und können unter anderem schwere Herz-Kreislauf-Krankheiten, Asthma und Bronchitis auslösen. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) steigt durch Stickoxide auch das Risiko eines Schlaganfalls; Pflanzen sterben, Böden und Gewässer übersäuern.

Welchen Anteil hat der Verkehr an den Stickoxiden?

Der Straßenverkehr ist für mehr als ein Drittel der Stickoxide verantwortlich. Bei den gefährlichen Stickstoffdioxiden sind Diesel-Autos die größten Verursacher. Laut Umweltbundesamt tragen sie zu rund zwei Dritteln zur Belastung bei. Lkw und Lieferwagen verursachen gut 20 Prozent des Stickstoffdioxid-Ausstoßes, Busse fünf Prozent.

Was genau ist Feinstaub und wo liegen die Gefahren?

Feinstaub besteht aus zahllosen festen und flüssigen Partikeln in der Luft: Ruß, Reifen- und Bremsabrieb, Pollen, Sandkörnchen, Glasstaub. Je kleiner, desto tiefer können die Teilchen in die Lunge und in den Blutkreislauf eindringen. Laut Umweltbundesamt sterben jährlich rund 40.000 Menschen an den Folgen. Feinstaub gilt unter anderem als krebserregend.

Welche Rolle spielt der Verkehr beim Feinstaub?

Der Straßenverkehr verursacht rund 20 Prozent der Feinstaub-Emissionen, in Großstädten auch mehr. Am Stuttgarter Neckartor beträgt der Anteil der Autos an der Feinstaub-Emissionen rund 50 Prozent. Größter Feinstaub-Verursacher ist allerdings die Industrie mit fast 40 Prozent. Feinstaub entsteht aber auch im Haushalt - von der Heizung über den Staubsauer bis zum offenen Kamin. Auch beim Rauchen wird Feinstaub frei gesetzt: Italienische Forscher des Krebsinstituts in Mailand haben berechnet, dass der Rauch einer Zigarette so viel Feinstaub frei setzt wie ein alter laufender Dieselmotor in eineinhalb Stunden.

Welche Grenzwerte gelten für Feinstaub und Stickoxid?

Die Grenzwerte für Feinstaub sind in der EU-Richtlinie 2008/50/EG geregelt. Dabei geht es um eine maximale Menge an Schwebeteilchen pro Kubikmeter Luft. Trotz einiger Ausnahmeregelungen lag in Deutschland im Jahr 2015 nur jede vierte Messstation unter den Grenzwerten. 2020 werden diese noch verschärft. Die WHO fordert aber deutlich niedrigere Werte. Auch für Stickstoffdioxide gibt es EU-weite Grenzwerte. Laut Umweltbundesamt wurden diese im vergangenen Jahr in 37 Städten überschritten. Aus norddeutscher Sicht betroffen sind Hamburg und Kiel mit 58 und 56 Mikrogramm.

Wie sieht die Öko-Bilanz bei E-Autos aus?

Eine seriöse Öko-Bilanz gibt es nicht. E-Autos produzieren zwar im Straßenverkehr kaum Schadstoffe. Allerdings stammt der Strom oftmals aus Kohle- und Gas-Kraftwerken. Das größte Problem stellt aber die Herstellung dar: Bei der Produktion eines E-Autos wird ungefähr doppelt so viel Kohlendioxid freigesetzt, wie bei einem konventionellen Wagen. Auch die Herstellung der Batterie ist aufwendig. Die Rohstoffe wie Litium gibt es nur begrenzt, die Entsorgung der Akkus ist bis heute nicht geklärt. Von Fachleuten gibt es kein einheitliches Urteil. Die Hochschule Trier spricht vom größten ökologischen Fortschritt der Automobilgeschichte. Beim Umwelt- und Prognoseinstitut Heidelberg heißt es dagegen, dass E-Autos die Klimaprobleme massiv verschärfen werden.

Welchen Anteil tragen Schiffe zur Luftverschmutzung bei?

Schiffe verursachen rund 15 Prozent der weltweiten Stickoxid-Emissionen. Ähnlich hoch liegt der Wert beim Schwefeldioxid, dem Mit-Verursacher des sauren Regens. Viele Schiffe fahren noch immer mit Schweröl, einem zähflüssigen Reststoff aus den Raffinerien. Dabei gibt es auch für die Seefahrt schwefelfreien Treibstoff, Abgasfilter, Katalysatoren und in Häfen teilweise Landstrom und Gasversorgung - unter anderem in Hamburg und Lübeck. Das ARD-Magazin Plusminus testete die Feinstaubbelastung auf einem Kreuzfahrtschiff auf See. Ergebnis: Die Feinstaubwerte waren viermal so hoch, wie auf einer Großstadtkreuzung.

 

Weitere Informationen

Feinstaub und Lärm: Gefahr fürs Herz

Feinstaub in der Luft steht im Verdacht, Lunge, Herz und Blutgefäße zu schädigen. An viel befahrenen Straßen können Stickoxide und Lärm die schädliche Wirkung verstärken. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 07.03.2018 | 06:38 Uhr

Mehr Nachrichten

03:59
Hallo Niedersachsen
02:00
Schleswig-Holstein Magazin