Stand: 10.10.2019 06:00 Uhr

Dauerbaustelle Deutsche Bahn: Warum hakt es wo?

Die Unpünktlichkeit der Deutschen Bahn ist fast schon sprichwörtlich. Seit Jahresbeginn kam rund jeder vierte Fernzug zu spät an sein Ziel. Vor allem für Pendler sind Verspätungen und Zugausfälle ein regelmäßiges Ärgernis. In ebenso "schöner Regelmäßigkeit" gelobt die Bahn Besserung. Ihr Eigner, der Bund, verspricht, massiv zu investieren. Doch mit Geld allein ist es nicht getan, denn die Gründe für die Probleme im Bahnverkehr sind zahlreich und vielschichtig.

Die Infrastruktur

Besonders viel Geld soll in den kommenden zehn Jahren in die Infrastruktur fließen. Denn seit der Bahnreform 1994 ist das Schienennetz um rund 15 Prozent kürzer geworden. Viele Ausweichstrecken wurden abgebaut - ein Grund dafür, dass sich regelrechte Verspätungsketten bilden, sobald es irgendwo im System hakt.

Hinzu kommt, dass fast jede zweite Eisenbahnbrücke in Deutschland mehr als 100 Jahre alt ist. Viele sind reparaturbedürftig, andere abrissreif. Oft ist dort langsame Fahrt angesagt: Die Züge schleichen ihrem Ziel entgegen, als dürften sie nicht zu kräftig an den Brückenpfeilern rütteln.

 

Die Züge

Aber auch viele Züge sind veraltet und entsprechend anfällig für Pannen. Wohl jeder Bahnfahrer hat schon einmal erlebt, dass er sich seinen gebuchten Platz erstreiten muss, weil die Reservierungsanzeige streikt. Dass es keinen Kaffee gibt, weil der Vollautomat den Dienst quittiert hat, die nächstgelegene Bordtoilette wegen eines Schadens gesperrt wurde oder an sommerlichen Tagen die Klimaanlage den Geist aufgibt.

Die ICE-Instandhalter der Deutschen Bahn kommen mit ihrer Arbeit kaum hinterher - was direkt zur nächsten "Baustelle" führt, dem allzu knappen Personal.

Der Personalmangel

Der Deutschen Bahn fehlt es an Manpower - und ihre Lage wird sich in den kommenden zehn Jahren noch dramatisch verschlechtern. Denn dann geht rund die Hälfte der Mitarbeiter in Rente. Rund 100.000 Stellen müssen neu besetzt werden. Nicht nur mit Instandhaltern, sondern auch mit Fahrdienstleitern und Lokführern.

Schon heute stehen immer wieder Züge still, weil keiner da ist, der sie fahren kann. Die Deutsche Bahn hat eine groß angelegte Rekrutierungskampagne gestartet. Binnen eines Jahres bildet sie auch Bewerber ohne jede technische Vorbildung zum Lokführer aus.   

 Die Finanzlage

Die Züge müssen also auf Vordermann gebracht, das Schienennetz ausgebaut und jede Menge neue Mitarbeiter eingestellt werden. Das alles kostet Geld.

Die Bahn AG ist hoch verschuldet, aber sie ist auch der Hoffnungsträger der Bundesregierung, wenn es um ihre Klimaziele geht. Deswegen darf die Bahn nun auf Finanzhilfen in Milliardenhöhe hoffen. Im Rahmen ihres Klimaschutzprogramms hat die Bundesregierung der Bahn sogar versprochen, die Mehrwertsteuer auf Fahrkarten zu senken.

Und doch bleiben Zweifel, ob all die Milliarden ausreichen werden, um den jahrelangen Investitionsstau der Bahn aufzulösen. Schnell wird das alles jedenfalls nicht gehen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 10.10.2019 | 06:41 Uhr

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