Stand: 05.03.2020 11:00 Uhr

DLRG: Zahl der Ertrunkenen im Norden gesunken

DLRG-Rettungsschwimmer im Einsatz mit einem Schlauchboot auf der Ostsee. © dpa - Report Foto: Jens Büttner
Laut DLRG-Statistik ereigneten sich die meisten tödlichen Badeunfälle in den Sommermonaten. (Themenbild)

Im vergangenen Jahr hat es in Norddeutschland weniger Ertrunkene gegeben als im Jahr 2018. In Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern sind 111 Menschen im Wasser ums Leben gekommen, das sind 15 weniger als 2018. Diese Zahlen hat die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) heute in München veröffentlicht. Den Rückgang begründet die DLRG damit, dass es im vergangenen Sommer mehr Regentage, Unwetter und Tage mit kühleren Temperaturen gab als im Rekordsommer 2018. "So entschieden sich viele Menschen oftmals gegen ein Bad im See oder an den Küsten, was die auf den ersten Blick positive Entwicklung erklärt", sagte der DLRG-Präsident Achim Haag.

Hälfte der tödlichen Badeunfälle im Sommer

Die Monate Juni, Juli und August zeigten, wie sich schönes Wetter auf die Zahl der Badetoten auswirken könne, so Haag. 68 Männer, Frauen und Kinder im Norden ertranken in diesen Monaten. Das sind mehr als die Hälfte der tödlichen Badeunfälle des gesamten Jahres. In der Nord- und Ostsee starben 23 Menschen, zwei weniger als ein Jahr zuvor. Viele dieser Opfer ertranken laut DLRG beim Segeln oder Angeln.

Gefahren in Seen, Teichen und Flüssen groß

Die meisten Menschen ertranken allerdings in Seen, Teichen oder Flüssen. Den Grund dafür erklärte Haag damit, dass dort nur vergleichsweise wenige Wasserstellen von Rettungsschwimmern bewacht werden. "Das Risiko, dort zu ertrinken, ist deshalb um ein Vielfaches höher als an Küsten oder in Schwimmbädern." In Schwimmbädern gab es im ganzen Norden 2019 keinen einzigen Badetoten. Haag kritisierte Kommunen und Landkreise, dass sie nicht genug für die Sicherheit der Menschen unternähmen. "Die DLRG könnte mit Gefahrenexpertisen und Rettungsschwimmern viele Gefahrenstellen entschärfen", sagte er.

Schulen fehlen Bäder zur Schwimmausbildung

Der DLRG-Präsident kritisierte zudem, dass sich die Rahmenbedingungen für die Schwimmausbildung verschlechtern. Dass sich die Zahl der geschlossenen und akut vor Schließung stehenden Bäder in Deutschland stets erhöhe, bezeichnete er als "alarmierend". Mehr als jeder zweite Grundschulabsolvent sei kein sicherer Schwimmer mehr. Das hänge auch damit zusammen, dass bis zu 25 Prozent der Grundschulen in Deutschland keinen Schwimmunterricht mehr anböten, weil ihnen kein Bad zur Verfügung stehe. Verbände wie die DLRG hätten teilweise Wartelisten von bis zu zwei Jahren für einen Schwimmkurs.

Petition "Rettet die Bäder!" beschäftigt die Politik

Die DLRG hat aus diesem Grund die Petition "Rettet die Bäder!" gestartet. Im Dezember habe der Petitionsausschuss des Bundestages in öffentlicher Sitzung über den Erhalt von Schwimmbädern diskutiert. Anfang des Jahres habe sich dann der Sportausschuss im Bundestag des Themas angenommen und anschließend ernsthafte Pläne für ein bundesweites Investitionsprogramm für Schwimmbäder und Personal verkündet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.03.2020 | 11:00 Uhr

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