Annegret Meyer aus Stade © NDR Foto: Carsten Schmiester

Covid-Hochrisikopatientin: "Habe großen Respekt vor der Gefahr"

Stand: 22.11.2021 13:15 Uhr

Annegret Meyer aus Stade ist 75 Jahre alt und mehrfach an Krebs erkrankt. Eine Ansteckung mit dem Coronavirus muss sie unbedingt vermeiden. Impfgegner kann sie nicht verstehen. Den Medien wirft sie "zu viel Hickhack" vor.

von Carsten Schmiester

"Dadurch, dass der Körper ohnehin geschwächt ist, wäre es bei mir denkbar, dass ich einen ganz schweren Verlauf bekäme. Und davor habe ich natürlich großen Respekt. Und deshalb habe ich mich auch impfen lassen und habe gerade heute meine dritte Impfung gekriegt." Annegret Meyer aus Stade ist 75 Jahre alt und mehrfach an Krebs erkrankt: erst Haut, dann Brust. Die jüngste Operation war bereits während der Pandemie, die Therapie deshalb eine doppelte Herausforderung: körperlich und seelisch. Als Hochrisikopatientin müsse sie besonders vorsichtig sein, hatten ihr die Ärzte gesagt. Auf keinen Fall anstecken.

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Das Alleinsein wird zu psychischen Belastung

Das hieß vor allem anfangs viel allein zu sein. Zu Glück wohne sie schön, sagt sie, und lächelt. Sie hat einen kleinen Garten, kann jederzeit rausgehen. Schwierig sei dann aber das vergangene Weihnachtsfest gewesen. Die Familie war nur kurz bei ihr, kein Festessen, nur ein bisschen Zusammensitzen, dann nahmen die Enkel ihre Geschenke mit. Das sei schon eine Belastung gewesen. Die Familie sieht sie jetzt wieder öfter. Eine Belastung weniger, andere sind geblieben: jede Bus- oder Zugfahrt, jeder Arztbesuch, jeder Einkauf. "Viele halten ja Abstand. Aber dann kommen auch wieder welche so dicht an einem vorbei, das ist kein gutes Gefühl."

Gespräche mit Impfgegnern geführt

Begegnungen mit Impfgegnern hat die 75-Jährige auch gehabt und versucht, mit ihnen darüber zu reden, sie zu überzeugen oder wenigstens zum Nachdenken anzuregen. Mal ging's, mal nicht. So wie bei ihrem Osteopathen: Der habe das letzte Mal, als sie da gewesen sei, nach ihrem Impfstatus gefragt und dann gesagt: "Ach so, haben Sie auch den Kampfstoff gekriegt?" Jetzt habe sie zu diesem Mann kein Vertrauen mehr.

Gegenseitige Unterstützung in Selbsthilfegruppen

Leute wie ihn kann sie nicht verstehen, aber es gebe sie nun einmal. Daran könne sie ebenso wenig ändern wie an ihrer Krankheit und der damit verbundenen Gefahr eines schweren Covid-Verlaufs. Die 75-Jährige kommt damit klar und versucht, über Kontakte auch zu von ihr vor Jahren gegründeten Selbsthilfegruppen anderen Betroffenen zu helfen. Einige seien sehr besorgt und hätten große Ängste. In Gesprächen versucht Annegret Meyer, sie wieder "ein bisschen aufzubauen". Aber das sei sehr schwierig. Ob die jetzt von Bund und Ländern beschlossenen strikteren Maßnahmen dabei helfen? Sie hoffe, dass diese Maßnahmen ausreichend seien, sagt sie. Was sie nicht verstehe, sei, dass die Politik damals angeordnet habe, alle Impfzentren zu schließen. Das sei der größte Fehler gewesen.

Corona in den Medien: "Das ist mir zu viel Hickhack"

Fehler würden übrigens auch von Journalisten gemacht. Dass sie sich gut über die Corona-Lage und -gefahren informiert fühle, liege vor allem an ihrem Hausarzt und der Frauenärztin, nicht an den Medien: "Das ist mir zu viel Hickhack. Der eine sagt so, der andere sagt so." Und dann schlage man morgens die Zeitung auf, wobei man die gar nicht aufzuschlagen brauche, schränkt sie sofort ein: "Gleich auf der ersten Seite wieder eine andere Meldung. Dann hört man wieder in den Nachrichten noch etwas anderes." Talkshows gucke sie schon gar nicht mehr. Da müsse einiges ein bisschen anders werden. Etwa, "dass man manchmal vielleicht auch mal abwartet, wann ist jetzt der Beschluss gefasst".

Annegret Meyer wünscht sich auch da mehr Gelassenheit, dazu mehr Einsicht bei denen, die immer noch keine Impfung haben oder ihr im Fahrstuhl zu nahe kommen. Und natürlich: "Dass ich noch ein bisschen gesund bleibe, so wie es jetzt geht, dass ich wieder ein bisschen unternehmen kann."

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NDR Info | Aktuell | 23.11.2021 | 07:05 Uhr

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