Stand: 30.07.2020 18:56 Uhr

Mehr Arbeitslose im Norden - aber weniger als befürchtet

Die Corona-Krise hat den Arbeitsmarkt in Norddeutschland zwar auch im Juli belastet, die Zahl der Arbeitslosen stieg aber nicht so deutlich wie befürchtet. Insgesamt stabilisierte sich der Arbeitsmarkt nach dem Einbruch der vergangenen Monate wieder. Der Anstieg geht vor allem auf saisonübliche Effekte zurück, wie die Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Nürnberg mitteilte. So meldeten sich im Juli unter anderem viele Schulabgänger arbeitslos, die auf den Beginn ihrer Ausbildung warten.

Bundesweit stieg die Zahl der Arbeitslosen im Juli auf 2,91 Millionen - rund 635.000 mehr als vor einem Jahr und 57.000 mehr als noch im Juni. Die Arbeitslosenquote stieg binnen Monatsfrist um 0,1 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent. Im Mai waren zudem 6,7 Millionen Menschen in Kurzarbeit, soviel wie noch nie in Deutschland. Im April hatte die Zahl noch bei 6,1 Millionen gelegen.

Die deutsche Wirtschaft brach wegen der Corona-Krise im Frühjahr zudem massiv ein. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank das Bruttoinlandsprodukt von April bis Juni um 10,1 Prozent verglichen mit dem ersten Quartal. Es war der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen Berechnungen des Bruttoinlandsprodukts 1970.

02:05
Hallo Niedersachsen
00:59
Schleswig-Holstein Magazin
04:06
Nordmagazin
00:59
Hamburg Journal 18.00

Hamburg: Mehr als 90.000 Arbeitslose - erstmals seit 15 Jahren

In Hamburg ist die Lage am Arbeitsmarkt weiter angespannt. Erstmals seit mehr als 15 Jahren sind in der Hansestadt mehr als 90.000 Menschen ohne Beschäftigung. Im Juli waren 91.140 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind knapp 24.000 mehr als vor einem Jahr und 3.365 mehr als im Juni, teilte die Agentur für Arbeit mit. Das bedeute einen Anstieg von 35,4 Prozent im Vergleich zum Juli des vergangenen Jahres und von 3,8 Prozent zum Vormonat. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,3 Prozentpunkte auf 8,5 Prozent. Die Entwicklung im Juli war damit ähnlich wie im Juni und hat sich nicht weiter verschärft.

Ein Problem bleibt im Juli laut Arbeitsagentur, dass Firmen insgesamt weniger einstellen. Zum Beispiel im produzierenden Gewerbe, im Bereich Verkehr und Logistik sowie im Handel und Tourismus werden demnach aktuell nur etwa halb so viele Leute in Hamburg gesucht, wie im Juli vor einem Jahr. Ein kleines Plus von Stellenangeboten gab es allerdings in den Branchen Gesundheit, Soziales und Erziehung. "Eine geringe Erholung am Hamburger Arbeitsmarkt ist spürbar", sagte Reinhold Wellen, Geschäftsführer operativ der Agentur für Arbeit Hamburg. "Ob wir damit die Talsohle auf dem Hamburger Arbeitsmarkt erreicht haben, bleibt offen."

Nur relativ wenige Hamburger Unternehmen haben im Juli Anträge auf Kurzarbeit gestellt. Es kamen noch einmal 174 Anzeigen von Unternehmen mit 2.883 Beschäftigten hinzu. Damit haben seit dem Beginn der Corona-Pandemie mehr als 24.000 Unternehmen mit rund 367.500 Beschäftigten einen Antrag auf Kurzarbeit gestellt.

Niedersachsen: Arbeitslosigkeit nimmt leicht zu

Die Arbeitslosenzahl in Niedersachsen stieg im Juli leicht auf 269.580 Personen. Das sind 21,2 Prozent mehr als vor einem Jahr und 1,8 Prozent mehr als im Juni. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich um 0,2 Prozentpunkte auf 6,2 Prozent. Die Zunahme liege nur zum Teil an der Corona-Pandemie. "Zum Ende des Schul- und Ausbildungsjahres suchen viele junge Menschen Ausbildung oder Arbeit", sagte Johannes Pfeiffer, Chef der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen der Bundesagentur für Arbeit. "Erfreulich ist, dass die Bereitschaft von Unternehmen, neues Personal einzustellen, nach dem Corona-bedingten Einbruch allmählich wieder zulegt", sagte Pfeiffer. Im Juli wurden in Niedersachsen 13.940 freie Stellen neu gemeldet. Das war gut ein Fünftel mehr als im Juni. Im Jahresvergleich waren es aber ein Fünftel weniger Stellen als im Juli 2019.

949 Betriebe in Niedersachsen zeigten im Juli für 14.511 Beschäftigte Kurzarbeit an. Damit stieg die Zahl seit Beginn der Pandemie im März auf 80.984 Betriebe mit Kurzarbeit für 1,147 Millionen Beschäftigte.

Schleswig-Holstein: Zahlen positiver als erwartet

Die Corona-Krise setzte auch dem Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein zu. Die Zahl der Arbeitslosen stieg im Vergleich zum Juli des Vorjahres um 18.400 auf 98.800 - das ist eine Zunahme um 22,9 Prozent, wie die Arbeitsagentur Nord mitteilte. Die Arbeitslosenquote beträgt nun 6,3 Prozent, im Juli 2019 lag sie noch bei 5,1 Prozent und im Juni 2020 bei 6,1 Prozent. Im Juli meldeten sich 2.100 Arbeitslose mehr als im Juni. Die Chefin der Arbeitsagentur Nord, Margit Haupt-Koopmann, sagte, die aktuellen Arbeitsmarkten seien aber trotz Corona und der jahreszeitlich typischen Sommerflaute positiver ausgefallen als erwartet. So sei im Juli nicht nur der saisonal übliche Anstieg der Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat Juni weniger stark ausgefallen als im Vorjahr. Gleichzeitig habe es im Vormonatsvergleich erneut - wie schon im Juni - ein Plus bei der Personalnachfrage gegeben.

Seit März haben in Schleswig-Holstein insgesamt 29.700 Betriebe für 344.000 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. "Das sind 37,2 Prozent aller Betriebe mit mindestens einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigen", sagte Haupt-Koopmann. "Die Schwerpunkte liegen im Einzelhandel, der Gastronomie und im Gesundheitswesen."

Mecklenburg-Vorpommern: Arbeitslosenquote bleibt konstant

Die Zahl der Arbeitslosen stieg in Mecklenburg-Vorpommern im Juli um 19,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Aktuell sind 65.900 Menschen im Nordosten arbeitslos gemeldet. Dies sind 10.900 mehr als noch im Juli 2019. Seit Juni sank die Zahl der Erwerbslosen hingegen minimal um 70 oder 0,1 Prozent. Die Arbeitslosenquote beträgt derzeit, wie im Vormonat, 8 Prozent - im Juli 2019 lag diese den Angaben zufolge noch bei 6,7 Prozent. Die Arbeitsmarktzahlen fielen laut Arbeitsagentur positiver aus als erwartet. Dafür seien vor allem die Bereiche Handel, Tourismus, Lebensmittelherstellung und Logistik verantwortlich, die von den Corona-Lockerungen profitiert hätten. Insbesondere im Handel, Gastgewerbe und der Gesundheits- und Sozialbranche werde Personal gesucht.

Seit Beginn der Corona-Krise beantragten in Mecklenburg-Vorpommern 18.900 Betriebe Kurzarbeit für 181.600 Beschäftigte. Das seien 40,3 Prozent aller Betriebe mit mindestens einem sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten, wie aus dem Arbeitsmarktbericht hervorgeht. Die Schwerpunkte liegen auch im Nordosten im Einzelhandel, der Gastronomie und im Gesundheitswesen.

 

Weitere Informationen

Corona-Krise sorgt im Juni weiter für viele Arbeitslose

01.07.2020 10:00 Uhr

Die Arbeitslosenquote ist in Norddeutschland infolge der Corona-Krise im Juni weiter hoch gewesen. Doch es gibt durch die Lockerungen im Tourismus in MV und SH etwas mehr Beschäftigung als noch im Mai. mehr

01:45
Nordmagazin

Ausbildungsplatzsuche in Zeiten von Corona

Nordmagazin

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es ein Überangebot an Lehrstellen, viele Betriebe suchen händeringend künftige Fachkräfte. Und die Corona-Pandemie macht es nicht leichter. Video (01:45 min)

Corona-Ticker: Mehr als 10.000 Reiserückkehrer in SH getestet

An den Teststationen in Schleswig-Holstein haben sich bislang mehr als 10.000 Reiserückkehrer testen lassen. Dabei sollen Ergebnisse binnen 24 Stunden vorliegen. Mehr News im Live-Ticker. mehr

FAQ: Erklärungen zu Arbeitsmarkt-Begriffen

Monatlich veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit Zahlen zur Beschäftigungssituation auch im Norden. Hier erklären wir die wichtigsten Begriffe, die darin auftauchen. mehr

Link

Was die offizielle Arbeitslosen-Statistik verbirgt

Jeden Monat veröffentlicht die Bundesagentur für Arbeit die Arbeitslosenstatistik. Doch wer gilt als arbeitslos? Und wer fehlt in den Daten? Tagesschau.de gibt Antworten. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Aktuell | 30.07.2020 | 10:00 Uhr

Mehr Nachrichten

02:51
Hallo Niedersachsen
02:30
Schleswig-Holstein Magazin