Christian Drosten © picture alliance Foto: Christophe Gatea

Corona-Podcast: Drosten hält Antigen-Tests für wichtig in Pandemie

Stand: 24.11.2020 17:37 Uhr

Wie können Antigen-Tests die Ausbreitung des Coronavirus eindämmen und gerade im Hinblick auf die Feiertage Besuche bei Risikogruppen erleichtern? Im NDR Info Podcast nennt Virologe Christian Drosten diese Schnelltests "ein wichtiges neues Werkzeug in der Bekämpfung der Pandemie".

von Sonja Puhl

Christian Drosten und sein Team an der Berliner Charité haben neben anderen Laboren an der Validierung von Antigen-Tests gearbeitet, also an der wissenschaftlichen Überprüfung, wie verlässlich die Tests unterschiedlicher Anbieter sind. Antigen-Tests weisen nicht das Erbgut, sondern Sars-CoV-2-Eiweiße nach, können mobil eingesetzt werden und liefern deshalb schneller als ein PCR-Test Ergebnisse. Allerdings sind sie weniger empfindlich. In der neuen Podcast-Folge des "Coronavirus-Update" betont Drosten, für ein symptomunabhängiges Massen-Screening wie in der Slowakei eigneten sie sich in Deutschland deshalb nicht: Bei den gegenwärtigen Infektionszahlen würden Antigen-Tests zu viele falsch positive Ergebnisse liefern. Hinzu käme, dass die Produktionskapazitäten für die gesamte deutsche Bevölkerung nicht ausreichten.

Trotzdem hält der Virologe die Schnelltests für einen wichtigen Baustein in der Pandemiebekämpfung, der der Bevölkerung noch in diesem Winter zur Verfügung stehen sollte. Der Nutzen dieser Tests zeige sich beispielsweise beim Besuch im Pflegeheim, weil ein Antigen-Test zumindest für den Moment zuverlässig anzeige, ob ein Besucher infektiös sei. Das gelte offenbar auch unabhängig davon, ob jemand Symptome zeige oder nicht.

Weitere Informationen
Grafische Darstellung eines Coronavirus © COLOURBOX Foto: Volodymyr Horbovyy

Das Glossar zum Corona-Podcast

Was ist ein Aerosol? Was ist eine Zellkultur? Unser Glossar erklärt die wichtigsten Fachbegriffe aus unserem Podcast mit den Virologen Christian Drosten und Sandra Ciesek. mehr

Corona-Antigen-Tests von BfArM-Liste sollen überprüft werden

Eine Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) führt derzeit 200 Antigen-Tests auf, die in Europa eine Handelszulassung haben. Allerdings beruhen die Informationen zu Empfindlichkeit und Störanfälligkeit allein auf den Angaben der Hersteller. Weil die Tests als Medizinprodukte, nicht als Arzneimittel gelten, müssen sie rein rechtlich nicht staatlicherseits geprüft werden. Christian Drosten weist allerdings darauf hin, dass eine solche unabhängige Validierung sinnvoll sei. Das Bundesgesundheitsministerium kündigte auf Anfrage von NDR Info an, die Leistungsdaten der Tests zeitnah überprüfen zu lassen.

Neuer erfolgversprechender Corona-Impfstoff in der Erprobung

Die jüngste Erfolgsmeldung in Sachen Corona-Impfstoff wertet der Virologe als ermutigend. Der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca und die Universität Oxford veröffentlichten am Montag erste Daten zur Wirksamkeit ihres Impfstoffs. Dabei hatte ein Teil der Probanden zuerst eine halbe Dosis des Impfstoffs erhalten und einen Monat später eine weitere volle Dosis. Hier lag die Wirksamkeit nach Angaben der Forscher höher als in der Vergleichsgruppe mit zwei vollen Dosen, nämlich bei 90 Prozent.

Dieses unterschiedliche Dosierungsschema ging auf eine Panne zurück, so Christian Drosten. Für die höhere Wirksamkeit bei verringerter Impfdosis halte er verschiedene Erklärungen für möglich: Zum Beispiel wurden die verschiedenen Studienteile an unterschiedlichen Orten durchgeführt, einerseits in Brasilien, andererseits in England. Man müsse dazu detailliertere Daten abwarten. Drosten bestätigte, dass der Impfstoff einige Vorteile habe: So ist er relativ günstig, kann laut Hersteller in großen Mengen produziert werden und bleibt monatelang bei Kühlschranktemperatur stabil. mRNA-Wirkstoffe - wie die von Biontech und Moderna entwickelten - erfordern dagegen sehr viel niedrigere Lagertemperaturen.

Das Coronavirus © CDC on Unsplash Foto: CDC on Unsplash

AUDIO: Die neue Podcast-Folge: Die Stunde der Antigentests (90 Min)

MRNA-Impfstoffe verändern das Erbgut des Geimpften nicht

Bei diesen Impfstoffen wird die genetische Information für ein Virusprotein verimpft, der Körper produziert dann das Antigen selbst. Befürchtungen, die mRNA-Impfstoffe könnten das Erbgut des Geimpften verändern, entkräftet Drosten: "Die mRNA wird nicht integriert in die zelleigene DNA, sondern wird nur benutzt, um das Protein herzustellen, und diese Protein-Herstellung läuft irgendwann aus, also mRNA wird abgebaut."

Appell: Auch bei kleineren Infekten zu Hause bleiben

Für die gegenwärtige Phase der Pandemie warnt der Mediziner eindringlich, auch bei kleineren Infekten sicherheitshalber zu Hause zu bleiben: "Man soll nicht krank und auch nicht kränklich zur Arbeit gehen, selbst wenn der Hausarzt gesagt hat 'Das testen wir nicht'.“ Auch bei einem Kratzen im Hals oder laufender Nase solle man derzeit soziale Kontakte meiden. Und auch hier könnten Antigen-Tests schnell Gewissheit und Sicherheit geben.

Weitere Informationen
Forscher in weißen Kitteln klettern einen Berg hoch, auf dessen Spitze eine Spritze steht.

Das Wichtigste zu Corona-Impfstoffen

Sollten Pharmakonzerne Wissen und Patente zur Herstellung der Corona-Impfstoffe freigeben? So könnte schneller produziert und die Pandemie früher besiegt werden, sagen Experten. mehr

Der Virologe Prof. Christian Drosten und die Virologin Prof. Sandra Ciesek (Montage) © picture alliance/dpa, Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Christophe Gateau,

Coronavirus-Update: Der Podcast mit Drosten & Ciesek

Hier finden Sie alle bisher gesendeten Folgen zum Nachlesen und Nachhören sowie ein wissenschaftliches Glossar und vieles mehr. mehr

Stapel Papier © NDR

Coronavirus-Update - Die Podcast-Folgen als Skript

Weil viele Hörerinnen und Hörer danach gefragt haben, bieten wir unser regelmäßiges Coronavirus-Update jetzt auch in schriftlicher Form an. Hier finden Sie die Skripte zum Herunterladen. mehr

Ein Polizeifahrzeug in der Kieler Innenstadt.  Foto: Chris Emil Janßen

Corona-Blog: Polizei in SH verstärkt Kontrollen

Vor allem in Gebieten mit hohen Infektionszahlen sollen mehr Polizisten unterwegs sein. Mehr Corona-News im Blog. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 24.11.2020 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten

Ein Polizeifahrzeug in der Kieler Innenstadt.  Foto: Chris Emil Janßen

Corona-Blog: Polizei in SH verstärkt Kontrollen

Vor allem in Gebieten mit hohen Infektionszahlen sollen mehr Polizisten unterwegs sein. Mehr Corona-News im Blog. mehr

Eine Bild-Collage zum Corona-Jahresrückblick in Schleswig-Holstein © picture alliance / SvenSimon / HMB Media/Oliver Mueller / ROBIN UTRECHT Foto: FrankHoermann/SVEN SIMON / HMB Media/Oliver Mueller / ROBIN UTRECHT

Corona in SH: In vier Stufen raus aus dem Lockdown

Ministerpräsident Günther erklärte, dass es generell Öffnungsschritte geben kann, wenn bestimmte Inzidenzwerte unterschritten werden. mehr

Die Virologin Prof. Dr. Sandra Ciesek © Universitätsklinikum Frankfurt Foto: Ellen Lewis

Ciesek: Immunsystem braucht bei einigen Mutationen mehr Antikörper

Die Virologin erklärt, inwiefern Impfungen durch Mutationen beeinflusst sein können und für wen Antikörper-Medikamente sinnvoll wären. mehr

.
5 Min

Neue Corona-Varianten: Zwischen Sorgen und Lockerungswünschen

Während Schleswig-Holstein die Zeit nach dem Lockdown plant, spricht Merkel sich gegen Reiseverkehr aus. 5 Min