Stand: 17.04.2020 14:07 Uhr

Corona: Zahl der Neuinfektionen sinkt überall

von Björn Schwentker

Das neuartige Coronavirus breitet sich langsamer aus. Die 15. Kalenderwoche (ab 6. April) markierte eine Trendwende: Erstmals meldeten alle Bundesländer weniger Neuinfektionen als in der Woche zuvor. In Norddeutschland ging die Zahl pro Arbeitstag durchschnittlich um zwölf Prozent zurück. In der Vorwoche war die Zahl der Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 im Norden noch leicht gestiegen. Das ergibt eine Datenanalyse des NDR auf Basis von Fallzahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) bis zum 12. April.

Kontakteinschränkungen zeigen offenbar Wirkung

Der Lockdown und die Kontakteinschränkungen der vergangenen Wochen scheinen das Virus demnach immer stärker einzudämmen. Zwar wächst die Zahl derer, die jemals mit Corona infiziert waren, weiter. Doch der Anstieg verläuft deutlich gebremst, und unter der wachsenden Gesamtzahl aller je gemeldeten Erkrankten sind immer mehr Menschen, die längst wieder gesund sind.

Warnung vor frühzeitiger Entspannung

Gleichzeitig warnen das RKI ebenso wie die Regierung vor frühzeitiger Entspannung vor allem bei den Kontaktsperren und der Einhaltung von Hygieneregeln. Die Epidemie könne jederzeit wieder an Fahrt aufnehmen und kritisch für das Gesundheitssystem werden. Erst wenn die Zahl der täglich neu Infizierten dauerhaft niedrig bleibe, sei das Risiko gebannt, dass die Intensivstationen der Krankenhäuser mit einer wachsende Zahl schwerer Covid-19-Fälle überfordert wären.

Unterschiedliche Geschwindigkeiten

In Norddeutschland sank die Zahl der Neuinfizierten in der vergangenen Woche weniger stark als in Deutschland insgesamt. Im Bund reduzierte sich die Zahl um fast 20 Prozent, in Norddeutschland nur um zwölf. Das lag in der vergangenen Woche vor allem an Hamburg und Niedersachsen. In Hamburg schrumpfte die Zahl der Neuinfizierten sogar nur um vier Prozent.

In der Hansestadt war die Zahl der Neuinfektionen allerdings schon in der Woche zuvor gesunken. Sie gehörte damit zu den sieben Bundesländern, die die Trendwende bereits in der Vorwoche eingeleitet hatten. Bayern, in dem sich pro Einwohner bisher die meisten Menschen infiziert haben, kletterte in der Rangliste der erfolgreichen Corona-Bekämpfer vom vorletzten Platz in der 14. Kalenderwoche deutlich nach oben und schlägt nun sogar den Bundesdurchschnitt. Im unteren Bereich der Skala findet sich weiterhin das Saarland. In der Vorwoche hatten sich die Neuerkrankungen dort noch verdoppelt. Nun sinken sie - aber mit vier Prozent pro Woche nur sehr schwach.

Eine neue Phase der Epidemie

Dennoch: Die Trendumkehr ist umfassend. Die Epidemie ist in jedem Bundesland in eine neue Phase getreten. Nachdem die Fallzahlen im Februar und März noch explosionsartig in die Höhe geschnellt waren (sogenannter "exponentieller Anstieg"), ist es keinesfalls selbstverständlich, dass die Neuinfektionen nun in jedem Bundesland rückläufig sind.

In Südkorea, das als vorbildlich beim Eindämmen der Infektionen gilt, schloss sich an das exponentielle Wachstum der Fallzahlen eine lineare Phase an, in der die Neuinfektionen zwar nicht mehr zunahmen, aber auch nicht sanken. Nun muss sich zeigen, ob auch Deutschland auf diesen Pfad einschwenkt oder ob es die Ausbreitung des Virus sogar noch stärker zurückdrängen kann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | NDR Info | 17.04.2020 | 14:00 Uhr

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