Stand: 21.04.2020 13:45 Uhr

Corona: Gastronomen müssen mit Öffnung weiter warten

von Ines Burckhardt, NDR Info Wirtschaftsredaktion

In der Corona-Krise dürfen viele Geschäfte nun wieder öffnen, doch Restaurants und Hotels müssen größtenteils noch geschlossen bleiben. Die Lage im Gastgewerbe ist ernst - und Forderungen nach zusätzlichen Hilfen für die Branche werden deshalb lauter.

Das Gastgewerbe leidet unter der Corona-Krise
Leere Restaurants, freie Hotelbetten: Das Gastgewerbe leidet unter der Corona-Krise.

Für viele Betriebe im Hotel- und Gaststättengewerbe geht es ums Überleben, weil sie seit Wochen gar nichts einnehmen oder sehr wenig, aber Kosten wie Miete, Strom und Wasser weiterlaufen. Für Geschäftskunden sind Hotels zwar weiter geöffnet, aber auch die meisten geschäftlichen Reisen sind abgesagt. In Hamburg und Schleswig-Holstein sind nach Schätzungen von Verbänden zehn Prozent der Hotels noch geöffnet, aber auch dort sind die meisten Betten leer - und Restaurants dürfen nur außer Haus verkaufen.

Branche hat keinen Nachholeffekt

Ein weiteres Problem der Hotels und Restaurants: Sie werden keinen Nachholeffekt haben. Ein ausgefallener Restaurantbesuch wird nicht später nachgeholt, die Branche kann also nicht mit höheren Einnahmen nach der Krise rechnen. Deshalb ist es für viele jetzt schwierig, Kredite zu beantragen: Sie wissen nicht, ob sie das Geld später zurückzahlen können.

Kurzarbeitergeld oft nur gering

Betroffen sind auch die Mitarbeiter: Fast 1,8 Millionen Menschen arbeiten in der Gastronomie, dazu mehr als eine halbe Million in Hotels und Pensionen, die meisten von ihnen in Teilzeit. Wenn diese Mitarbeiter Kurzarbeitergeld beziehen, ist das nicht viel: Die Löhne sind im Gastgewerbe so niedrig wie in keiner anderen Branche in Deutschland: Laut Statistischem Bundesamt verdienen Mitarbeiter im Schnitt etwa 14 Euro, viele sogar nur Mindestlohn.

Laut der zuständigen Gewerkschaft stocken die wenigsten Unternehmen in der Branche das Kurzarbeitergeld auf, wie beispielsweise Jim Block oder Steigenberger. Helfen könnte eine Anhebung des staatlichen Kurzarbeitergeldes, wie sie zurzeit von verschiedenen Politikern diskutiert wird.

Verband will niedrigere Mehrwertsteuer

Der Gaststättenverband Dehoga hofft auf eine Mehrwertsteuersenkung. © dpa bildfunk
Der Gaststättenverband Dehoga hofft auf eine Mehrwertsteuersenkung.

Zur Bewältigung der Krise fordert der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga eine niedrigere Mehrwertsteuer von sieben Prozent. Das allerdings will der Verband schon sehr lange. Zudem wäre die Absenkung der Mehrwertsteuer eine Pauschallösung, die nicht einzelnen Unternehmen in Schwierigkeiten hilft. weil das Geld mit der Gießkanne verteilt wird.

Es wäre auch schwierig, eine solche Steuersenkung wieder zurückzunehmen. Die Mehrwertsteuer auf Hotelübernachtungen wurde bereits vor mehr als zehn Jahren auf Druck der FDP und der CSU abgesenkt - und seitdem ist sie so niedrig geblieben.

Die Branche braucht eine Perspektive

Ein Fonds für Härtefälle könnte sich als sinnvoller erweisen. Außerdem werden weitere Maßnahmen diskutiert: Etwa, dass Unternehmen ihre Verluste steuerlich noch stärker abschreiben können. Letztlich ist das Wichtigste für die Branche aber eine Perspektive: Wann kann wieder wie geöffnet werden?

In vielen Biergärten könnte das Abstandsgebot eingehalten werden. © NDR
In vielen Biergärten könnte das Abstandsgebot eingehalten werden.
In den Biergarten - mit Abstand

Es sind durchaus Konzepte vorstellbar, wie zum Beispiel im Freien mit viel Abstand zwischen den Tischen im Biergarten bewirtet werden kann. Und noch eine Hoffnung gibt es für die Branche: Sollten im Sommer alle Reisen ins Ausland wegfallen, könnten die deutschen Restaurants und Hotels profitieren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 21.04.2020 | 10:40 Uhr

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