Stand: 25.08.2020 10:35 Uhr

Corona-Fälle: Anteil der unter 35-Jährigen stark gestiegen

von Claus Hesseling

Schülerinnen und Schüler, Studierende und junge Erwachsene: Menschen zwischen 15 und 35 Jahren gehören mittlerweile zur größten Gruppe, die sich neu mit dem Coronavirus anstecken. Seit dem Beginn der Feriensaison in Norddeutschland steigt der Anteil dieser Altersgruppe am Infektionsgeschehen. Lag ihr Anteil im März noch bei rund 25 Prozent aller Infektionen, liegt der Wert jetzt bei rund 40 Prozent.

Mehr als die Hälfte aller Corona-Neuinfizierten ist unter 35

Schaut man sich alle Menschen unter 35 Jahren an, ist die Zahl noch größer: Von den 4.916 Neuinfektionen seit dem Beginn der Feriensaison in Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern entfallen 2.628 auf Menschen unter 35 Jahren - das sind mehr als 53 Prozent. In der Woche vom 15. bis 21. August (wegen des Meldeverzugs wird das Wochenende 22./23. August noch nicht eingerechnet) waren es sogar 57,4 Prozent. Zum Vergleich: Die Altersgruppe macht nur gut 36 Prozent aller Norddeutschen aus.

Die steigenden Fall-Zahlen in dieser Altersgruppe verteilen sich flächendeckend auf den ganzen Norden. Geografische Schwerpunkte sind nicht auszumachen - es scheint also kein ausschließliches Problem von Städten zu sein, in denen beispielsweise der Anteil der Studierenden besonders hoch ist.

Wo stecken sich die Menschen mit Corona an?

Das Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlicht einmal pro Woche Daten zum sogeannnten Expositionsort - also zu der Frage, wo sich die Betroffenen angesteckt haben. Für Norddeutschland liegen diese Zahlen jedoch nicht gesondert vor.

Die deutschlandweite Anteils-Kurve hat mittlerweile eine U-Form angenommen: Während in den ersten Wochen der Corona-Pandemie viele Reiserückkehrer aus Italien und Österreich unter den Positiv-Fällen waren, sanken Auslandsinfektionen danach auf nahezu Null. Seit drei Wochen steigt der Anteil der gemeldeten Corona-Fälle nach Expositionsort Ausland wieder stark an.

Das RKI hat zudem die Altersgruppen derer analysiert, die sich wahrscheinlich im Ausland angesteckt haben. Dabei falle auf, dass "unter den Fällen mit Angabe Kosovo und Türkei eher Kinder und Personen mittleren Alters betroffen sind, was auf mögliche Reisen im Familienverbund hinweist." Bei den Fällen mit wahrscheinlichem Infektionsland Spanien oder Kroatien sind demnach eher Personen zwischen 20 und 24 Jahren betroffen. Das deute auf "Vergnügungstourismus" hin.

Wie lassen sich steigende Zahlen bei jungen Menschen erklären?

Junge Menschen haben bislang ein deutlich geringeres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf - und sind möglicherweise deshalb im privaten Umfeld leichtsinniger, wie das Robert Koch-Institut annimmt. In einer neuen Studie stellen die Epidemiologen fest, dass das größte Risiko nicht von "Superspreader-Events" in Fleischfabriken oder auf Kreuzfahrtschiffen ausgeht, sondern dass sich die meisten Menschen im privaten Umfeld anstecken.

Junge Menschen mit niedriger Risiko-Wahrnehmung stehen besonders im Fokus, da "die Symptomatik sehr mild sein kann und die Exposition, zum Beispiel auf einer Feier/Party, dann schon eine Woche zurückliegt. So beginnen viele Infektionsketten, die dann zu einer Verbreitung und dem Eintrag der Infektion in besonders schwierige Settings führen können."

Wie ist die Entwicklung der Corona-Lage im Norden?

Seit einigen Wochen steigt auch die Gesamtzahl der Neuinfektionen wieder. Dabei sah die Entwicklung zunächst gut aus. Am 22. Juni, dem Beginn der Sommerferien in Mecklenburg-Vorpommern, schätzte der NDR auf Basis der RKI-Daten die Zahl der aktiv an Corona Infizierten (also weder Genesenen noch Verstorbenen) auf rund 840. Dieser Wert ging auch danach weiter stetig bergab - bis auf rund 390 aktiv Infizierte am 12./13. Juli. Seit Mitte Juli nimmt die Zahl der aktiven Fälle nahezu täglich zu. Derzeit schätzt der NDR, dass rund 2.000 Menschen im Norden erkrankt sind.

 

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Hinweis der Redaktion: Daten darüber, ob ein Patient wieder genesen ist, werden nicht offiziell vom Robert Koch-Institut und den Gesundheitsämtern erhoben. Die Erhebung ist auch nicht gesetzlich vorgesehen. Das RKI schätzt die Genesenen: Bei den Fällen, bei denen die meisten Angaben ermittelt wurden und die Erkrankten keine schweren Symptome hatten (die nicht in ein Krankenhaus eingewiesen wurden), ist davon auszugehen, dass sie spätestens nach 14 Tagen wieder genesen sind. Das RKI stellt die geschätzte Zahl der Genesenen täglich auf dem RKI-Dashboard und im Situationsbericht zur Verfügung. Der NDR nutzt diese Daten und berechnet zusammen mit den gemeldeten Todesfällen den Verlauf der Pandemie in Norddeutschland. Deshalb verwenden wir den Begriff "Schätzung".

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 25.08.2020 | 11:00 Uhr

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