Joe Biden und und Kamala Harris stehen im Rahmen einer Ansprache in Wilmington (Delaware) auf der Bühne und tragen Mund-Nasen-Schutz. © dpa-Bildunk Foto: Andrew Harnik/AP/dpa

Biden gewinnt US-Wahl - Nord-Politiker gratulieren

Stand: 08.11.2020 13:49 Uhr

Vier Tage nach der US-Präsidentschaftswahl ist der Demokrat Joe Biden zum Sieger erklärt worden. Laut Prognosen haben Biden und seine Vize-Kandidatin Kamala Harris mehr als die benötigten 270 Stimmen der Wahlleute sicher.

Den Ausschlag gab die Auszählung im US-Bundesstaat Pennsylvania, in dem die Demokraten nun offenbar nicht mehr einzuholen sind, wie mehrere US-Fernsehsender am Sonnabend übereinstimmend berichteten. Biden gab sich in seiner Siegesrede präsidial, empathisch und versöhnlich. "Ich verspreche, ein Präsident zu sein, der danach strebt, nicht zu spalten, sondern zu einen", sagte der 77-Jährige am Samstagabend in seinem Wohnort Wilmington im Bundesstaat Delaware. Seine Regierung werde die "Seele Amerikas" wiederherstellen und die USA wieder zu einem weltweit respektierten Land machen, versprach Biden. Zudem kündigte er an, schon am Montag einen Expertenrat zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorstellen zu wollen.

Die gewählte Vizepräsidentin Kamala Harris sprach in ihrer Siegesrede von einer Zeitenwende. "Ihr habt einen neuen Tag für Amerika eingeläutet", rief sie ihren Anhängern zu. Die 56-Jährige betonte: "Auch wenn ich die erste Frau in diesem Amt sein mag, werde ich nicht die letzte sein. Denn jedes kleine Mädchen, das heute Nacht zuschaut, sieht, dass dies ein Land der Möglichkeiten ist."

Trump erkennt Sieg nicht an

Zehntausende Menschen waren zuvor in mehreren US-Städten auf die Straßen geströmt, um das Ende eines nervenaufreibenden Wahlkrimis zu feiern. Amtsinhaber Donald Trump erklärte hingegen umgehend, dass er Bidens Sieg nicht anerkenne und bekräftigte, mit juristischen Mitteln dagegen vorgehen zu wollen.

Steinmeier: "Hoffnung auf eine neue Gemeinsamkeit"

Aus der ganzen Welt kamen Glückwünsche für Biden und Harris. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wandte sich an das siegreiche Duo und sagte: "Mit Ihrer Präsidentschaft verbinden sich die Hoffnungen unzähliger Menschen, weit über die Grenzen Ihres Landes hinaus, auch in Deutschland. Es ist die Hoffnung auf eine neue Gemeinsamkeit. Es ist die Hoffnung auf Verlässlichkeit, Vernunft und die beharrliche Arbeit an Lösungen in einer unruhigen Welt. Wir Deutsche sind den Vereinigten Staaten für ihre Unterstützung für die Freiheit, Einheit und Sicherheit Deutschlands und Europas tief verpflichtet."

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schrieb: "Die amerikanischen Bürgerinnen und Bürger haben entschieden." Sie wünschte Biden "von Herzen Glück und Erfolg" und gratulierte ebenso Kamala Harris, der gewählten ersten Vizepräsidentin ihres Landes. "Ich freue mich auf die künftige Zusammenarbeit", fügte Merkel hinzu.

Weil und Günther gratulieren

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) reagierte erleichtert auf den Ausgang der Präsidentenwahl in den USA. Damit gehe eine "mehr als schwierige Phase der amerikanischen Demokratie und des deutsch-amerikanischen Verhältnisses zu Ende". Er hoffe sehr, dass der Übergang "friedlich und geordnet erfolgen wird".

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) schrieb auf Facebook: "Herzlichen Glückwunsch an den President-elect Joe Biden und die zukünftige Vizepräsidentin Kamala Harris!" Günther betonte: "Das lange Zittern hat sich gelohnt." Er sprach von einem Zeichen der Hoffnung für die Vereinigten Staaten, die transatlantischen Beziehungen und die ganze Welt.

Norddeutsche Glückwünsche auf Twitter

Auch auf Twitter schickten viele norddeutsche Politiker ihre Gratulationen. So schrieb Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD): "Ich freue mich über eine neue Chance für bessere transatlantische Beziehungen". Hamburg setze auf gute Kontakte in die USA.

Hamburgs Zweite Bürgermeisterin, die Grünen-Politikerin Katharina Fegebank, zeigte sich begeistert, dass mit Kamala Harris nun die erste Frau das Amt der Vizepräsidentin bekleiden werde.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hofft auf eine Versöhnung des tief gespaltenen Landes.

"Diese Entscheidung ist nicht nur extrem wichtig für die USA, sondern ein Zeichen der Hoffnung für Europa und die ganze Welt", twitterte Ralf Stegner, Schleswig-Holsteins SPD-Fraktionschef.

Bundesfinanzminister und Hamburgs früherer Regierungschef Olaf Scholz (SPD) sieht die Chance, ein neues Kapitel in den deutsch-amerikanischen Beziehungen aufzuschlagen. "Die USA bleiben der wichtigste und engste Partner Europas."

Der Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte reagierte mit einem Ausschnitt aus dem Film "Rocky II" auf den Wahlausgang. "Philly hat geliefert!", freute sich der SPD-Politiker. Auch durch die überwältigende Mehrheit der Stimmen aus Pennsylvanias größter Stadt Philadelphia hatte sich Biden in dem Bundesstaat gegen Trump durchgesetzt.

Der frühere Ministerpräsident Niedersachsens und ehemalige SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel garnierte seinen Glückwunsch an Biden mit einer Spitze in Richtung des abgewählten Amtsinhabers: "Donald Trump muss man die Lektüre von #GustavHeinemann (erster Bundespräsident der SPD) empfehlen: Politiker sind GEwählte und nicht ERwählte."

Sofern Bidens Wahlsieg nicht noch auf dem Rechtsweg gestoppt wird, übernimmt der Demokrat am 20. Januar 2021 das Amt von Donald Trump. Er wäre dann der 46. Präsident der Vereinigten Staaten.

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Siegesrede: Biden und Harris wollen versöhnen

Der neugewählte US-Präsident und seine künftige Stellvertreterin haben versprochen, das Land nicht weiter zu spalten. Mehr bei tagesschau.de. extern

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 07.11.2020 | 18:00 Uhr

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