Stand: 07.01.2020 06:03 Uhr

Bankberater auf "Nachhaltigkeit" vorbereitet?

Wenn es um den Klimawandel geht, reden wir oft über politische Maßnahmen - und vergessen dabei schnell, wie groß der Einfluss der Wirtschaft und vor allem der Finanzmärkte sein könnte. Zum Beispiel, wenn sie das Geld ihrer Anleger aus klimaschädlichen Branchen herausziehen und in Unternehmen investieren, die nachhaltig arbeiten. Dabei helfen könnten jetzt neue EU-Vorgaben. So müssen Bankberaterinnen und Bankberater künftig ihre Kunden auch danach fragen, ob ihnen nachhaltige Anlagen wichtig sind. Das klingt erst einmal gut, aber: Sind die Banken auch darauf vorbereitet?

von Verena von Ondarza, NDR Info Wirtschaftsredaktion

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Die Europäische Union will Bankberatung inklusive Aufklärung über nachhaltige Geldanlagen zur Pflicht machen.

Es ist eine kleine grüne Revolution am Bankschalter: Nachhaltigkeit und Umweltthemen werden in der Anlageberatung zu Pflichtthemen, das sehen neue Vorgaben der EU vor. Bei vielen Kunden dürfte die Frage nach der gewünschten Wirkung ihres Geldes aber erst mal weitere Fragezeichen produzieren. Laut einer Studie der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) kann die Mehrheit der Deutschen mit dem Begriff nachhaltige Geldanlage nichts anfangen. Nur knapp fünf Prozent haben entsprechende Produkte in ihren Depots. Zu wenig meint Christian Klein, Professor für nachhaltige Finanzwirtschaft an der Uni Kassel: "Wenn man das Geld auf die Bank bringt, gibt man ja nicht auch die Verantwortung ab, was mit dem Geld passiert."

Viele Berater können mit Thema wenig anfangen

Doch umgekehrt ist es auch nicht besser: Verbraucher, die ihren Bankberatern diese Frage stellen, bekommen oft keine zufriedenstellende Antwort. In einer Stichprobe des NDR für die Sendung Markt konnten die Berater mit der Idee, Geld nach nachhaltigen Kriterien anzulegen, wenig anfangen. Martin Nieswandt berät Verbraucher zum Thema und hat den Test begleitet: "Ich bin wirklich entsetzt darüber, wie wenig nachhaltig das Thema in den Beratungen angekommen ist und wie wenig das Thema persönliche Werte in den Beratungen vorgekommen ist."

In fünf Testgesprächen versuchten die Berater den Testkunden ihren Wunsch nach umweltorientierter Geldanlage auszureden oder konnten nicht erklären, was denn die angebotenen Ökofonds von anderen konventionellen Anlageprodukten unterscheidet. Studien der Uni Kassel bestätigen diesen Befund. Gerade auf der untersten Ebene der Banken - der Beraterebene - ist das Thema Nachhaltigkeit bei etlichen Instituten noch nicht wirklich angekommen. Christian Klein meint dazu: "Die haben gedacht, man könne das aussitzen. Die haben massiv Angst vor dem Thema, weil sie das nicht kennen. Weil das Thema Nachhaltigkeit in ihrem Haus so noch nicht existiert."

Kein Verzicht auf Sicherheit und Rendite

Oft herrsche unter Beratern wie Kunden noch das Vorurteil, das man für nachhaltige Investments auf Sicherheit und Rendite verzichten muss. Das sei inzwischen widerlegt - im Gegenteil: Für die Sicherheit der Geldanlage hält Christian Klein die Frage der Nachhaltigkeit für essenziell: "Das große Missverständnis ist, dass man oft denkt es geht hier um Gutmenschentum. Aber darum geht es gar nicht, sondern es ist ein Risikofaktor. Denn wenn wir den Klimawandel wirklich aufhalten wollen, werden einige Branchen darunter massiv Schaden leiden, wie zum Beispiel Erdölfirmen. Deswegen ist es für den großen aber auch für den kleinen Investor doch nur logisch, dass man jetzt aus diesen Branchen aussteigt. Das sind ja gigantisch große Unternehmen, die in fast jedem Portfolio zu finden sind."

Fonds halten oft Anteile klimaschädlicher Unternehmen

Doch auch wer bewusst in als nachhaltig deklarierte Produkte investiert, kann sich nicht darauf verlassen, dass solche Investments nicht doch in den Finds enthalten sind. Auch das ist ein Ergebnis der NDR Stichprobe: In den 15 empfohlenen Fonds steckten unter anderem Investitionen in Öl- und Gasfirmen, Goldminenbetreiber, Auto- oder Flugzeugbauer. Das Fazit: Wer wirklich nachhaltig investieren will, muss sich das Kleingedruckte nach wie vor sehr genau durchlesen - um nicht am Ende das Gegenteil zu bewirken.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 07.01.2020 | 06:41 Uhr