Das Symbol der Bundesagentur für Arbeit auf einem Smartphone. © imago images / photothek Foto: Thomas Trutschel

Arbeitsmarkt stabilisiert sich - Corona-Folgen aber unübersehbar

Stand: 01.12.2020 10:58 Uhr

Die leichte Entspannung auf dem durch die Corona-Krise belasteten Arbeitsmarkt hat sich auch im November fortgesetzt. Bundesweit gibt es weniger Arbeitslose als im Oktober, aber deutlich mehr als vor einem Jahr. Im Norden bildet MV eine Ausnahme.

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist trotz verschärfter Corona-Regeln im November weiter gesunken. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit waren im vergangenen Monat 2,70 Millionen Menschen arbeitslos - 61.000 weniger als noch im Oktober. Beim Vergleich zum Vorjahr werden die Belastungen für den Arbeitsmarkt durch die Corona-Pandemie aber deutlich: Vor einem Jahr gab es in Deutschland etwa eine halbe Million Arbeitslose weniger als zurzeit. Die Arbeitslosenquote sank im Vergleich zum Oktober um 0,1 Prozentpunkte auf jetzt 5,9 Prozent. Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt sei positiv, aber auch fragil, so Experten.

Die bundesweite Arbeitsmarkt-Entwicklung deckt sich weitgehend mit dem Trend im Norden: Auch in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg wurden im November weniger Arbeitslose registriert. In Mecklenburg-Vorpommern stieg die Zahl leicht an.

Der Anteil der Firmen mit Kurzarbeit hat sich inmitten des Teil-Lockdowns erstmals seit Monaten erhöht. Er stieg im November auf 28,0 Prozent, wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte. Im Oktober hatte er noch bei 24,8 Prozent gelegen. Besonders bei Hotels stieg der Anteil deutlich: von 62,9 auf 91 Prozent. In der Gastronomie nahm der Anteil kurzarbeitender Firmen von 53,4 auf 71,7 Prozent zu, bei Reisebüros und Reiseveranstaltern stieg er von 88,0 auf 91,1 Prozent.

Die Kosten für die Kurzarbeit als Folge der Corona-Pandemie haben inzwischen die Marke von 20 Milliarden Euro übersprungen. Mehr als die Hälfte davon sei auf Zahlungen an Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entfallen, die wegen der Zwangspause Lohneinbußen hinnehmen mussten, teilte die Bundesagentur für Arbeit (BA) mit.

Niedersachsen: Arbeitslosenquote jetzt bei 5,7 Prozent

Der Arbeitsmarkt in Niedersachsen hat sich erneut etwas stabilisiert. Im November waren 2,4 Prozent weniger Menschen ohne Job registriert als im Oktober, zuletzt waren es insgesamt 249.156. Damit setzte sich ein positiver Trend fort. Die Gesamtsituation bleibe jedoch angespannt, berichtete die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit (BA) in Hannover. Wie sich der seit Anfang November geltende Teil-Lockdown auswirken werde, dürfte sich erst später genauer abzeichnen. Außerdem decken die verfügbaren Daten den Angaben zufolge noch nicht den gesamten vergangenen Monat ab.

Die Arbeitslosenquote sank um 0,1 Punkte auf 5,7 Prozent. Verglichen mit dem November 2019 fällt das Ausmaß der Corona-Folgen allerdings weiter deutlich ins Gewicht: Es gab zuletzt fast 20 Prozent mehr Arbeitslose als vor einem Jahr. BA-Regionalchef Johannes Pfeiffer sprach von positiven Signalen. Er warnte aber auch: "Die Entwicklung der Corona-Neuinfektionen führt zur Unsicherheit bei den Beschäftigten und Unternehmen."

Schleswig-Holstein: Fast 20 Prozent mehr Arbeitslose als vor einem Jahr

Auch in Schleswig-Holstein ist die Zahl der Arbeitslosen innerhalb eines Monats etwas gesunken. Nach BA-Angaben waren Ende des Monats 91.600 Menschen ohne festen Job - das sind 0,6 Prozent weniger als im Oktober (92.200). Im Vorjahresvergleich nahm die Zahl der Arbeitslosen infolge der Corona-Pandemie aber um 19,5 Prozent zu. Die Arbeitslosenquote beträgt aktuell 5,8 Prozent, vor einem Jahr waren es 4,9 Prozent.

Der Teil-Lockdown hat sich auf dem Arbeitsmarkt in Schleswig-Holstein nach Angaben der Arbeitsmarkt-Experten in einem deutlichen Anstieg der Kurzarbeit niedergeschlagen. Im November zeigten demnach 2.700 Betriebe für 25.100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte Kurzarbeit an. Im Oktober waren es lediglich 400 Betriebe für 3.700 Mitarbeiter gewesen. Seit Beginn der Corona-Pandemie im Frühjahr haben in Schleswig-Holstein insgesamt rund 33.000 Betriebe für gut 380.000 Beschäftigte Kurzarbeit angezeigt. Tatsächlich kurz gearbeitet haben nach den aktuellsten Zahlen im August 51.700 Beschäftigte in 7.800 Betrieben.

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Anders als in den anderen Nord-Ländern ist in Mecklenburg-Vorpommern die Zahl der Arbeitslosen im November leicht gestiegen - um 700 auf jetzt 62.000. Am Monatsende waren 6.900 oder 12,6 Prozent mehr Menschen als vor einem Jahr erwerbslos, wie die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit mitteilte. Die Arbeitslosenquote blieb im Vergleich zum Vormonat mit 7,5 Prozent unverändert. Wegen des Teil-Shutdowns seien auch in MV die Anzeigen für Kurzarbeit gestiegen, sagte die Chefin der Regionaldirektion, Margit Haupt-Koopmann.

Hamburg: Folgen der Corona-Krise belasten Arbeitsmarkt weiter

Hamburg liegt dagegen im bundesweiten Trend: In der Hansestadt sank die Zahl der Arbeitslosen im November leicht. 83.000 Hamburgerinnen und Hamburger waren zum Monatsende arbeitslos gemeldet, das waren 1.200 oder 1,4 Prozent weniger im Vergleich zum Vormonat. Auch an Alster und Elbe ist angesichts der Auswirkungen der Corona-Krise der Blick auf die Zahlen von November 2019 aussagekräftiger: Damals waren 19.100 Menschen weniger arbeitslos, das entspricht fast 30 Prozent. Die Arbeitslosenquote in Hamburg sank den Angaben zufolge von Oktober zu November um 0,1 Punkte auf 7,7 Prozent. Vor einem Jahr lag sie bei 6,0 Prozent.

Der leicht positive Trend seit dem Spätsommer hat laut Arbeitsagentur dafür gesorgt, dass in Hamburg wieder mehr als eine Million Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt sind. Eine Sonderauswertung hat außerdem ergeben, dass im August weniger als die Hälfte der Betriebe, die zuvor eine Genehmigung für Kurzarbeit eingeholt hatte, diese tatsächlich auch genutzt hat - laut Arbeitsagentur für 105.000 Beschäftigte.

 

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NDR Info | Aktuell | 01.12.2020 | 10:00 Uhr

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