Ein kleiner Junge bemalt ein Haus aus Pappe. Seine Betreuerin schaut ihm dabei zu. © dpa Foto: Sebastian Kahnert

Im Norden fehlen 26.000 Erzieherinnen für gute Bildung

Stand: 24.08.2021 08:52 Uhr

Für Krippen- und Kitakinder gibt es zu wenig Erzieherinnen und Erzieher. Etwa 26.000 Fachkräfte fehlen für eine kindgerechte Betreuung bis 2030 im Norden. Das ist das Ergebnis des jährlichen "Ländermonitors Frühkindliche Bildungssysteme" der Bertelsmann-Stiftung.

Die Qualität der Betreuung von Krippen- und Kitakindern in den norddeutschen Bundesländern unterscheidet sich noch immer stark. So ist in Mecklenburg-Vorpommern eine Vollzeitkraft rechnerisch für 12,9 Kitakinder zwischen drei und sechs Jahren verantwortlich. In der Krippe - bei den unter Dreijährigen - hat eine Erzieherin 5,9 Kinder zu beaufsichtigen. Das ist fast doppelt so viel wie die Empfehlung von Experten. In Krippen sollte demnach eine Fachkraft nicht mehr als drei Kinder und in Kindergärten nicht mehr als 7,5 Kinder betreuen. Das sorge dafür, dass Kinder nicht nur beaufsichtigt, sondern auch gefördert würden. Immerhin: Die Quote hat sich in den vergangenen sieben Jahren verbessert. Damals betreute eine Erzieherin im Nordosten noch 14,9 Kitakinder.

Personalschlüssel im Westen deutlich besser

In den anderen norddeutschen Bundesländern sieht der Personalschlüssel etwas besser aus: In Hamburg kümmert sich eine Erzieherin um 4,3 Krippenkinder oder um 7,9 Kitakinder. In Niedersachsen verantwortet eine Erzieherin 3,7 Krippen- oder 8 Kitakinder. In Schleswig-Holstein muss eine Fachkraft 3,6 Krippenkinder oder 7,8 Kitakinder betreuen. In Bremen, das bundesweit damit auf Platz zwei liegt, kommen nur 3,1 Krippenkinder auf eine Fachkraft.

Fast alle Krippenkinder in MV mit zu wenig Personal betreut

Am Stichtag 1. März 2020 besuchten demnach 96 Prozent der Kinder in Mecklenburg-Vorpommern Kitas mit einer Personalausstattung, die von Wissenschaftlern als nicht kindgerecht angesehen wird. So eine Betreuung verschlechtere die Bildungschancen. In Hamburg waren es 73 Prozent, in Niedersachsen 58 Prozent und in Schleswig-Holstein 56 Prozent. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg ging nur jedes dritte Kind in eine Kita mit zu wenig Personal.

Nordosten liegt bei Betreuungsquote deutlich vorne

Wie viele Kinder in Einrichtungen betreut werden, ist weiterhin je nach Land sehr unterschiedlich. In Hamburg besucht fast die Hälfte (47 Prozent) der unter Dreijährigen eine Krippe. Verglichen mit den westdeutschen Ländern liegt die Hansestadt damit deutlich auf dem Spitzenplatz. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein geht nur etwa jedes dritte Kind in eine Betreuung. In Mecklenburg-Vorpommern hingegen besuchen fast 58 Prozent der unter Dreijährigen eine Kindertagesstätte oder Tagesmutter. Bei den Drei- bis Sechsjährigen liegen alle Bundesländer fast gleich auf. In Schleswig-Holstein gehen 90 Prozent zur Kita, in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern fast 96 Prozent.

Prognose: Gute Betreuung in einigen Ländern möglich

Dem erstmals veröffentlichten "Fachkräfte-Radar für Kita und Grundschule" zufolge werden bis 2030 bei den bestehenden Ausbildungskapazitäten in Norddeutschland etwa 42.500 Fachkräfte ausgebildet. Die meisten davon in Niedersachsen (24.500) und etwa 7.000 in Mecklenburg-Vorpommern. Damit in allen Kitas bis zum Ende dieses Jahrzehnts eine kindgerechte Personalausstattung - wie von den Experten empfohlen - zur Verfügung steht, würden jedoch rund 26.000 Erzieherinnen und Erzieher zusätzlich benötigt. Etwa 17.000 in Niedersachsen, 5.000 im Nordosten und je 2.000 in Hamburg und Schleswig-Holstein. "Mit erhöhten Anstrengungen können Schleswig-Holstein und Hamburg diese Lücke bis 2030 schließen und damit allen Kita-Kindern erstmals eine kindgerechte Qualität bieten", sagt die Bertelsmann-Bildungsexpertin Kathrin Bock-Famulla.

Die Bertelsmann-Stiftung führt regelmäßig Studien zu bildungs- und gesellschaftspolitischen Themen durch. Die Stiftung hält eine Anteilsmehrheit am Medienkonzern Bertelsmann.

Weitere Informationen
NDR Nordmagazin Moderatorin Birgit Keller im Gesprcäh mit MV-Sozialministerin Stefanie Drese (SPD). © NDR

NDR MV LIVE: Viele Kitas in MV immer noch nicht kindgerecht

Es fehlt demnach an Fachkräften, um die Mädchen und Jungen angemessen fördern zu können. Soziaministerin Drese sieht die Kindertagesförderung im Land dennoch "gut aufgestellt". mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.08.2021 | 06:00 Uhr

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