Stand: 23.01.2020 06:00 Uhr  - NDR 90,3

Umfrage: Mehrheit der Hamburger für Mietendeckel

Überraschend deutlich hat sich eine große Mehrheit der Hamburgerinnen und Hamburger für mehr staatliche Eingriffe bei den Mieten ausgesprochen. 69 Prozent der Befragten sagen: "Mehr staatliche Eingriffe wie zum Beispiel ein Mietendeckel" gingen "in die richtige Richtung". 28 Prozent sehen staatliche Maßnahmen zur Dämpfung der Mieten kritisch. Das ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag des NDR zur Bürgerschaftswahl am 23. Februar 2020.

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Wohnen zentrales Thema im Wahlkampf

Wohnen ist eines der zentralen Themen in Hamburg und es liegen mehrere Vorschläge auf dem Tisch, wie wohl am besten auf die stetig steigenden Wohn-Kosten reagiert werden könne. Der aktuelle Senat setzt vor allem auf Wohnungsbau, aber auch staatliche Eingriffe wie etwa Mietpreisbremse oder Kappungsgrenze werden diskutiert.

Mietendeckel bei Linken Wahlkampfthema

Der in der aktuellen Umfrage nun als Beispiel genannte Mietendeckel bedeutet ein jahrelanges Einfrieren der Mieten und die Einführung einer Höchstmiete. Der Berliner Senat brachte einen solchen Mietendeckel auf den Weg. Im Hamburger Wahlkampf forderte bisher nur die Linke einen Mietendeckel. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) ist gegen eine solche Maßnahme.

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Wohnen wird in Hamburg stetig teurer und eine Mehrheit kann sich mehr staatliche Eingriffe vorstellen, um das Problem zu lösen.

Staatliche Eingriffe, um die Mieten in einem bezahlbaren Rahmen zu halten, finden laut der aktuellen Umfrage sogar bei den befragten CDU-Anhängern und CDU-Anhängerinnen eine Mehrheit: 56 Prozent sagen, das gehe "in die richtige Richtung". Bei Befragten mit SPD-Vorliebe sind es 71 Prozent, bei Grünen 81 Prozent, bei den Linken 97 Prozent.

Frauen eher für staatliche Regulierung als Männer

Kaum Zustimmung zum staatlichen Mieten-Eingriff belegt die Umfrage bei der Wählerschaft von AfD mit 35 und FDP mit 27 Prozent. Frauen sprechen sich übrigens viel stärker für staatliche Miet-Regulierungen aus als Männer, das Verhältnis ist hier 76 zu 62 Prozent.

Nachverdichtung ja, aber gern woanders

In vielen Nachbarschaften stößt die Bebauung von Baulücken oder Rasenflächen auf Proteste. Nicht so bei der allgemeinen Frage: "Läuft mehr Wohnungsbau in bestehenden Wohnvierteln in die richtige Richtung?" 69 Prozent der Hamburgerinnen und Hamburger sagen: Ja. Vor allem Männer mit höherem Bildungsabschluss sind dafür. 27 Prozent sagen: Nein. Für diese sogenannte Nachverdichtung stimmen jeweils sogar mehr als 70 Prozent der Befragten, die als Partei-Präferenz SPD, CDU, Linken und FDP angaben. Die niedrigste Zustimmung findet man bei den Befragten, die Grünen und FDP nahestehen - mit 62 beziehungsweise 63 Prozent.

Auf allgemeine Ablehnung stößt dagegen ein Bauverbot für neue Einfamilienhäuser zugunsten von Mehrfamilienhäusern. Nur für 24 Prozent geht das in die richtige Richtung, 70 Prozent sehen das kritisch. Im Bezirk Hamburg-Nord wurde ein solches Verbot für Einfamilienhäuser im rot-grünen Koalitionsvertrag vereinbart.

Repräsentative Umfrage zur Bürgerschaftswahl

Für die repräsentative Umfrage befragte Infratest dimap im Zeitraum vom 16. bis 21. Januar 2020 insgesamt 1.002 Wahlberechtigte ab 16 Jahren in Hamburg. Weitere Ergebnisse der Infratest dimap Umfrage liegen ab 12 Uhr vor. Am 23. Februar sind die Hamburgerinnen und Hamburger aufgerufen, eine neue Bürgerschaft zu wählen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.01.2020 | 06:00 Uhr

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