Stand: 04.02.2020 10:34 Uhr

Cansu Özdemir: "Aus der Opposition viel stärker"

Cansu Özdemir zu Gast bei NDR 90,3. © NDR Foto: Alexander Dietze
Die 31 Jahre alte Cansu Özdemir kommt aus Hamburg-Osdorf.

Die Hamburger Linke zieht mit einem klaren Oppositionskurs in die Bürgerschaftswahl am 23. Februar. Mit der SPD und den Grünen seien grundlegende Änderungen an der Situation von Tausenden Menschen in der Stadt nicht möglich, sagte die Spitzenkandidatin der Linken, Cansu Özdemir, im Interview mit NDR 90,3. "Deshalb denken wir, dass wir momentan aus der Opposition eine viel stärkere Kraft sind".

Mehr Ehrlichkeit in der Verkehrspolitik gefordert

In der Verkehrspolitik forderte sie mehr Ehrlichkeit: Der Öffentliche Nahverkehr könne nur auf Kosten des Autoverkehrs ausgebaut werden. Eine Klimawende gebe es nicht ohne eine Verkehrswende, sagte die 31-Jährige. "Wenn wir auch mehr Busse möchten, dann müssen wir eben auch den Autofahrerinnen und Autofahrern ein wenig die Spuren auf der Straße wegnehmen." Ähnlich wie die CDU forderte Özdemir ein 365-Euro-Ticket für den HVV und eine Stadtbahn für Hamburg. "Weil die Stadtbahn eben viel mehr Menschen transportieren kann und weil es eben auch klimaverträglicher ist."

Keine Übereinstimmung mit den anderen Rathaus-Parteien gibt es dagegen beim Mietendeckel - die Hamburger Linke ist die einzige Partei, die ein Ansteigen der Mieten per Gesetz verhindern will.

Änderung im Schulgesetz nicht nötig

In der Debatte um ein Verbot von Vollverschleierung an Schulen rät Özdemir zu Gelassenheit. Anders als Schulsenator Ties Rabe (SPD) sieht Özdemir - bei aller Kritik am Niqab - noch keinen Grund für eine Änderung des Schulgesetzes. "Ich komme ja auch aus einer muslimischen Familie, aber ich halte nichts von Vollverschleierung, weder was von der Niqab, noch von der Burka." Man müsse dazu aber auch ganz deutlich sagen, dass die Religionsfreiheit durch das Grundgesetz gesichert sei. "Deshalb bin ich da wirklich skeptisch, ob ein Schulgesetz wie ein Herr Ties Rabe es sich vorstellt, wirklich auch standhalten kann." Wenn man bei Einzelfällen in Panik verfalle, würde man schnell den Gesprächsfaden verlieren.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.02.2020 | 12:00 Uhr

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