Stand: 28.02.2020 07:12 Uhr

CDU will sich nach Wahlschlappe neu aufstellen

Hamburgs CDU-Landesvorsitzender Roland Heintze hat nach der Schlappe der Christdemokraten bei der Bürgerschaftswahl Veränderungen personeller Art in Aussicht gestellt. Heintze sprach am Donnerstagabend bei einem Parteitag im Besenbinderhof angesichts der 11,2 Prozent von einem "bitteren", Spitzenkandidat Marcus Weinberg von einem "sauschlechten" Ergebnis.

Entscheidungen im Juni

Veränderungen auch personeller Art seien nötig, sagte Heintze, warnte aber vor "Schnellschüssen". Zunächst müsse die CDU es schaffen, an Profil zu gewinnen und eine kampagnenfähige Organisation zu bilden - "und dann müssen wir uns entscheiden, welchen Köpfen wir das zutrauen". Der Landesvorstand der CDU soll von einem Parteitag im Juni neu bestimmt werden.

"Unter die Räder gekommen"

Im Zweikampf der Bürgermeisterkandidaten von SPD und Grünen sei die CDU "unter die Räder gekommen, wir kamen nicht mehr vor", sagte Heintze. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) habe es in kurzer Zeit geschafft, sich einen Amtsbonus anzueignen, der ihn in vielen Bereichen wählbar gemacht habe, "auch für unsere Wähler".

Personelle Konsequenzen gefordert

Nach dem Wahldesaster waren personelle Konsequenzen im Landesvorstand und an der Fraktionsspitze gefordert worden, unter anderem von Alt-Bürgermeister Christoph Ahlhaus. Scharfe Kritik kam auch von Philipp Heißner, dem Landesvorsitzenden der Jungen Union. Er verlangte einen Generationenwechsel.

Erstes Treffen schon am Dienstag

Nach dem Absturz hatten sich die neu gewählten Abgeordneten der Christdemokratinnen und Christdemokraten am Dienstag zum ersten Mal getroffen. Der bisherige Fraktionschef André Trepoll rief seine Partei dort zur Geschlossenheit auf. "Es kommt auf uns alle an, das Schiff wieder flott zu machen", sagte Trepoll zu NDR 90,3.

Ob er weiterhin das Ruder in der Hand halten wird, ist aber noch unklar. Hinter den Kulissen werden bereits andere mögliche Fraktionschefs gehandelt. Grund ist der Unmut darüber, dass Trepoll nicht als Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahl angetreten war. "Ich glaube, dass alle Kandidaten, die sich dafür berufen fühlen, in den nächsten Tagen auch ihre Bereitschaft erklären werden", sagte Trepoll. "So werde ich es dann auch halten."

Gegenkandidat in Sicht

Möglicher Gegenkandidat für den Fraktionsvorsitz ist Verkehrsexperte Dennis Thering, der sich aber bisher noch bedeckt hält. Thering war in den letzten fünf Jahren stellvertretender Franktionsvorsitzender. Klar ist, wer es nicht wird: Marcus Weinberg, der als CDU-Spitzenkandidat nicht in die Bürgerschaft gewählt worden ist und zurück nach Berlin geht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 28.02.2020 | 06:00 Uhr