Manöver "Red Storm Bravo" in Hamburg beendet - Demo in der City
Drei Tage lang hat die Bundeswehr in Hamburg die NATO-Übung "Red Storm Bravo" durchgeführt. Am Sonnabend ist die größte Verteidigungsübung seit dem Kalten Krieg zu Ende gegangen. In der Innenstadt gab es erneut Proteste.
Zum Abschluss von "Red Storm Bravo" spielte die Bundeswehr gemeinsam mit der Feuerwehr auf dem Gelände der Werft Blohm+Voss ein Großszenario durch. Angenommen wurde eine Havarie auf einer Korvette mit vielen Verletzten an Bord.
Trainiert wurde die gesamte Rettungskette - von der Erstversorgung über den Transport bis ins Krankenhaus. Dabei arbeiteten zivile Retter und Feuerwehrkräfte mit Feldjägern und militärischen Sanitätern der Bundeswehr zusammen. Geübt werden sollte unter möglichst realistischen Bedingungen. Nicht nur, was das Szenario betrifft - Truppenverlegungen der NATO nach Osten - sondern auch der Umgang mit möglichen Protesten vor Ort.
Kolonnenfahrt überraschend störungsfrei
In der ersten Bilanz betonte der Kommandeur des Landeskommandos Hamburg, Kurt Leonards: Seit Jahrzehnten habe es keine Übung dieses Ausmaßes mehr gegeben. Besonders überrascht habe sie, dass die nächtliche Kolonne mit 70 Militärfahrzeugen über vier Kilometer Länge völlig störungsfrei verlaufen sei. Gleichzeitig habe "Red Storm Bravo" gezeigt, an welchen Schnittstellen Polizei, Feuerwehr und Hafenbetrieben noch enger zusammenarbeiten müssten. Eine konkrete Auswertung soll es am Montag geben.
Viele Soldatinnen und Soldaten berichteten außerdem von einer großen Welle an Wertschätzung durch die Hamburger Bevölkerung. "An Kreuzungen gab es Daumen-hoch-Zeichen, beim Bäcker direkte Anerkennung", sagte Kommandeur Leonards. "Mir haben die Soldaten laufend berichtet, wie auffällig und positiv das Feedback war."
Demo in der Innenstadt
Es gab allerdings erneut Proteste gegen das Manöver. Wie bereits an den ersten beiden Übungstagen versammelten sich am Sonnabend Menschen, um dagegen zu protestieren. Unter dem Motto "NEIN zur NATO-Kriegsübung Red Storm Bravo - JA zur zivilen Entwicklung!" rief das Hamburger Bündnis "Kein NATO-Hafen“ zu einer Demonstration am Hamburger Hauptbahnhof auf. Laut den Veranstaltern wurden bis zu 10.000 Teilnehmende erwartet, es kamen aber nur einige Hundert. Die Demo-Route führte vom Hühnerposten am Hauptbahnhof durch die City bis zu den Landungsbrücken.
Einer der Kritikpunkte der Demonstrierenden: Durch Übungen wie "Red Storm Bravo" solle die Bevölkerung an kriegsähnliche Zustände und Soldaten auf den Straßen gewöhnt werden. Und der Hamburger Hafen spiele bei der aktuellen Aufrüstung eine bedeutende Rolle, hieß es.
Hunderte auch bei Protesten am Freitag
Bereits am Freitag waren laut Polizei bei einer Demonstration rund 600 Menschen vom Rathausmarkt zu den Landungsbrücken gezogen. Zu dem Protest mit dem Motto "Keine Kriegsübungen in unserer Stadt" hatte das Bündnis "Gemeinsam gegen Red Storm Bravo" aufgerufen. Gegner des Bundeswehr-Manövers kritisieren unter anderem die zivil-militärische Zusammenarbeit - und lehnen es ab, dass auch Deutschland militärische Stärke zeigen will. Von den meisten Parteien im Hamburger Rathaus gibt es allerdings politische Rückendeckung für die Übung.
Kilometerlange Kolonnenfahrt durch das Stadtgebiet
In der Nacht zum Freitag gab es eine kilometerlange Kolonnenfahrt von Bundeswehrfahrzeugen durch das Stadtgebiet. Zu Beginn und dann auch während der Fahrt wurde die aus 70 Lastwagen bestehende Bundeswehr-Kolonne von Demonstranten-Darstellern und -Darstellerinnen gestoppt.
Größtes Manöver in Hamburg seit dem Kalten Krieg
Die dreitägige Militärübung "Red Storm Bravo" hatte am Donnerstag auf dem O'Swaldkai im Hamburger Hafen begonnen. Die Übung gilt als die bisher größte seit Ende des Kalten Krieges in Hamburg. Am Freitag präsentierte die Bundeswehr ihre Fähigkeiten bei der Abwehr von Drohnen im urbanen Raum.
Im Fokus des gesamten Manövers stand laut Bundeswehr die "zivil-militärische Zusammenarbeit". Es nahmen deshalb neben rund 500 Soldatinnen und Soldaten Polizei, Feuerwehr sowie Unternehmen und Behörden teil.
Im kommenden Jahr kommt "Red Storm Charlie"
Schon jetzt steht fest: Im kommenden Jahr soll die nächste Übung folgen, unter dem Namen "Red Storm Charlie".