Corona: Meine Geschichte - Sandra Ploog, ambulante Pflegerin

Stand: 20.06.2021 05:00 Uhr

Wie hat die Pandemie Ihr Leben verändert? Unter dieser Fragestellung begleiten diese Woche NDR 90,3 und Hamburg Journal Hamburger und Hamburgerinnen durch die Corona-Zeit. Sandra Ploog, ambulante Pflegerin, ist eine von ihnen.

von Isabelle Wildberger

Handschuhe, Desinfektionsmittel und Masken: Wenn Sandra Ploog ihre rote Tasche packt, darf das auch nach mehr als einem Jahr Pandemie nicht fehlen. Der Dienst der ambulanten Pflegerin startet meist um sieben Uhr in der AWO-Zentrale Bergedorf. Von dort aus besucht sie ihre Klientinnen und Klienten, 15 sind es pro Tag im Durchschnitt. Es sind kurze Besuche: Sie hilft zum Beispiel im Haushalt oder macht einen Verbandswechsel. Mittlerweile bietet die AWO auch Coronatests an.

Corona: Abstand halten, trotz Nähe

Die Pandemie hat den Berufsalltag von Sandra Ploog verändert: Früher war gerade die Nähe zu den Klientinnen und Klienten wichtig. Seit mehr als einem Jahr muss sie Abstand halten und trotzdem Nähe vermitteln. "Man hat immer das Gefühl oder auch die Angst, dass man doch vielleicht etwas übertragen könnte, dass man eine Gefahr sein könnte.", erzählt sie.

Viele der Klienten sind geimpft

Sandra Ploog steht vor der Zentrale des Arbeiterwohlfahrtverbandes in Bergedorf.  Foto: Isabelle Wildberger
Sandra Ploog steht vor der Zentrale des Arbeiterwohlfahrtverbandes in Bergedorf.

Im Mai wurde Sandra Ploog das zweite Mal geimpft, ohne Komplikationen. Seitdem ist sie deutlich entspannter, sagt sie. Trotzdem achtet sie besonders auf die Hygienevorschriften, um die Gefahr zu minimieren. Im vergangenen Jahr war die 36-Jährige manchmal der einzige Besuch für ihre Klientinnen und Klienten. "Es war schon sehr bedrückend, die letzte Zeit, während der sich auch viele Angehörige nicht getraut haben, teilweise ihre Eltern oder Verwandten zu besuchen." Manche fühlten sich richtig eingeschlossen, erzählt sie. Mittlerweile sind die meisten geimpft und besuchen wieder den Sportverein oder gehen selbst einkaufen.

Täglicher Besuch, fast schon familiär

Manche der Klientinnen Klienten sieht Sandra Ploog mehrmals täglich, so wie Adolf Brüggemann. Beim Besuch heute soll sie helfen, seine Kompressionsstrümpfe zu wechseln. Mit seinen schwarzen Unterarmgehstützen bewegt er sich langsam von der Haustür Richtung Wohnzimmer. Von der Hüfte bis zum Hals spannt sich eine Wirbelsäulenunterstützung, die ihn aufrecht hält. Vor einem Jahr ist er die Kellertreppe seines Hauses heruntergefallen und hat sich den Rücken gebrochen. Er war mehrere Monate im Krankenhaus. Mittlerweile kann er wieder aufrecht stehen und gehen, doch ohne die Unterstützung von seiner Ärztinnen und Ärzte, Physiotherapeutinnen und -therapeuten und seiner Pflegerin Sandra Ploog wäre das nicht möglich gewesen. Bei der Behandlung selbst sprechen die beiden über Gott und die Welt. "Die Beziehung ist sehr persönlich, wenn man sich über einen längeren Zeitraum kennt. Man tauscht sich auch privat aus."

Situation soll sich weiter beruhigen

Die Pflegebranche ist von Corona besonders betroffen. Für den Sommer wünscht sich Sandra Ploog, dass die Situation sich weiter beruhigt – und dass sie auch mal wieder privat etwas Neues sehen kann, zum Beispiel im Urlaub. Sie hofft, dass sich der stressige Berufsalltag in Pandemie-Zeiten dann entspannter angehen lässt.

Weitere Informationen
Sandra Ploog, ambulante Pflegerin in Hamburg, steht draußen vor ihrem Auto. © NDR Foto: Isabelle Wildberger

Leben in der Pandemie: Die ambulante Pflegerin

Sandra Ploog ist für Ältere häufig die einzige Bezugsperson. NDR 90,3 und Hamburg Journal haben die ambulante Pflegerin begleitet. (25.02.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 24.06.2021 | 19:30 Uhr

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