Stand: 23.07.2019 14:20 Uhr  - NDR 90,3

Was bringt die Elbvertiefung?

von Marc-Oliver Rehrmann, NDR.de

Reedereien könnten besser planen

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Containerschife wie die OOCL Brussels sollen künftig kürzer am Container Terminal Altenwerder im Hafen von Hamburg liegen.

Die Elbvertiefung soll nach dem Willen der Planer einen weiteren Vorteil für den Hafen bringen: Das Zeitfenster für eine tideabhängige Abfahrt von Hamburg in Richtung Cuxhaven vergrößert sich von jetzt gut 60 Minuten auf 120 Minuten. Die Reeder können ihre Schiffe folglich flexibler einsetzen. Bislang liegen Schiffe im ungünstigsten Fall bis zu elf Stunden an den Terminals fest, weil sie auf die nächste Flutwelle warten müssen. Ein Containerschiff benötigt von Hamburg bis zur Elbmündung etwa sechs Stunden.

"Die Elbvertiefung sichert Arbeitsplätze"

Ohne das neuerliche Ausbaggern der Elbe, so befürchten die Befürworter der Elbvertiefung, werden die Riesenfrachter zum Be- und Entladen zunehmend auf Häfen wie Rotterdam und Antwerpen ausweichen, wo der Tiefgang keine Rolle spielt. Umsatz und Gewinne der vom Hafen abhängigen Unternehmen würden sinken oder zumindest nicht im gewohnten Maße steigen. Dies würde sich auf die Steuereinnahmen für die Hansestadt und die Zahl der Arbeitsplätze auswirken.

Weitere Informationen

Chronologie: Die Eingriffe in die Unterelbe

Die Vertiefung der Fahrrinne ist seit der Industrialisierung immer wieder Thema an der Unterelbe gewesen. Seit dem 19. Jahrhundert hat es mehrere Anpassungen gegeben. mehr

150.000 Arbeitsplätze in Norddeutschland gelten als abhängig vom Hamburger Hafen. Ein Drittel der Beschäftigten lebt Angaben des Senats zufolge in Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern. Hamburg gilt als einer der wichtigsten Häfen der Welt und als bedeutender Container-Umschlagplatz für die Staaten des Ostsee-Raums. Die wichtigsten Handelspartner sind China, Singapur und Russland.

Was kostet die Elbvertiefung?

Die Kosten für die Verbreiterung und Vertiefung der Fahrrinne werden auf 776 Millionen Euro (Stand: 2019) geschätzt - zunächst waren 385 Millionen Euro veranschlagt worden. Da die Elbvertiefung eine Bundeswasserstraße betrifft, trägt der Bund zwei Drittel der Kosten (also knapp 500 Millionen Euro), Hamburg ein Drittel. Einen Teil der Gesamtkosten machen strombauliche Maßnahmen aus, die nach Angaben des Bundes auch ohne die geplante Elbvertiefung notwendig wären.

Das Problem Tidehub

"Der Tidenhub ist seit der letzten Vertiefung um mehr als 20 Zentimeter angestiegen und gefährdet mittlerweile sogar die Speicherstadt in Hamburg", kritisiert der BUND. Auch die Planer wollen einen noch größeren Tidehub verhindern, um die Auswirkungen des Fahrrinnen-Ausbaus auf die Flusslandschaft möglichst gering zu halten. Derzeit beträgt der Tidehub in Hamburg im Mittel 3,60 Meter, in Cuxhaven 2,40 Meter.

Was ist der Tidehub?

Der Tidehub bezeichnet den Abstand zwischen dem Pegelstand bei Niedrigwasser und dem Pegelstand bei Hochwasser am selben Messort.

Vorgesehen ist unter anderem, im Mündungstrichter stromabwärts von Brunsbüttel zwei große Bodenschwellen aufzuschütten. Hierfür sollen zwei Drittel des Baggerguts verwendet werden. Die Bodenschwellen sollen auch dazu führen, dass die Geschwindigkeit der Tideströmungen möglichst wenig ansteigt und der Aufwand zur Unterhaltung der Fahrrinne langfristig begrenzt wird. Mit einem Drittel des Baggerguts wollen die Planer zudem in der Elbmündung das Wattgebiet vergrößern.

Was sagen die Gegner?

Hintergrund

Für und wider Elbvertiefung

Umweltschützer sehen den geplanten Fahrrinnen-Ausbau als Gefahr für die Flusslandschaft an. Der Bund hingegen hält die ökologischen Auswirkungen auf die Elbe für gering. Ein Überblick. mehr

Die Umweltverbände lehnen die neuerliche Elbvertiefung ab. Sie sei ökologisch hoch problematisch, zudem sei die Entwicklung des Container-Verkehrs "ganz anders verlaufen als vorher gesagt". Die Umweltschützer schlagen vor, dass die norddeutschen Häfen besser zusammenarbeiten. Den Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven könnten auch die größten Containerschiffe jederzeit anlaufen.

Fischer sorgen sich um traditionelle Fangplätze und Obstbauern im Alten Land befürchten, dass der Salzanteil im Elbwasser steigt.

Neben den erwarteten Nachteilen für Tiere und Pflanzen fürchten Kritiker einer neuerlichen Elbvertiefung auch um die Sicherheit der Deiche entlang des Flusses. Es bestehe die Gefahr, dass die Fließgeschwindigkeit der Elbe weiter zunimmt und nicht nur Wattflächen wegschwemmt, sondern auch schwere Steine aus der Uferbefestigung löst.

Deichsicherheit in Gefahr?

Die Planer der Elbvertiefung verweisen seit Langem auf Gutachten, die zeigen, dass die Deichsicherheit nicht gefährdet ist. Sie räumen aber ein, dass an einigen Abschnitten entlang der Elbe am Deckwerk höhere Wellen und damit geringfügig stärkere Belastungen auftreten können." Das kann die Bau- und Unterhaltungskosten des Deckwerkes beeinflussen, hat aber keine direkten Auswirkungen auf die Deichsicherheit", lautet das Fazit.

Die Ausbaggerung der Fahrrinne wird laut Berechnungen von unabhängigen Experten nur minimale Auswirkungen auf eine Sturmflut haben: Die Elbvertiefung werde den Sturmflutpegel um höchstens zwei Zentimeter verändern.

Dossier
NDR Info

Elbvertiefung: Baggern für mehr Tiefgang

NDR Info

Die neueste Elbvertiefung ist seit Jahren ein Zankapfel zwischen der Hafenwirtschaft und Umweltschützern. NDR.de bietet einen Überblick über Pläne und Risiken der Fahrrinnen-Anpassung. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.07.2019 | 14:00 Uhr

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