Stand: 20.11.2013 16:17 Uhr  | Archiv

Der Tschechen-Hafen in Hamburg verfällt

Das Klubschiff "Praha" liegt im Saalehafen in Hamburg © HHLA Archiv
Das Klubschiff "Praha" diente jahrzehntelang als Rückzugsort für die Tschechen im Hamburger Hafen.

Das Klubschiff "Praha" liegt nach dem Konkurs noch einige Jahre lang stumm im Saalehafen. Seit Mitte der 1950er-Jahre diente es als eine Art Seemannsheim für die Besatzungen der tschechischen Schlepper und Frachtkähne. Jetzt geht nur noch darum, einen Käufer zu finden. Mal heißt es, die "Praha" solle künftig als schwimmendes Studentenwohnheim im Iran dienen. Dann ist von Interessenten aus Schweden die Rede. Einige Zeit lang wird das Klubschiff als Party-Location für Hamburger Nachtschwärmer wiederbelebt. "Später ist es dann nach Prag gebracht worden, wo es heute ein Hotelschiff ist", weiß der frühere Angestellte Hintz.

Das Werkstattschiff als Eventschiff in der Hafencity?

Das Werkstattschiff, das einst im Moldauhafen lag  Foto: Marc-Oliver Rehrmann
Das ausgediente Werkstattschiff wartet auf einer Hamburger Werft auf seine neue Bestimmung.

Auch das zweite schwimmende Denkmal des Tschechen-Hafens ist nicht verschrottet worden. Das Werkstattschiff "Vlatava" wurde 1980 auf der Werft in Lauenburg gebaut. Hintz schwärmt noch heute: "Das Werkstattschiff war einmalig auf der Elbe, es war eine schwimmende kleine Werft." In zwei Schichten erledigten die Arbeiter fällige Reparaturen an den tschechischen Binnenschiffen. "Aber wir haben auch Aufträge von deutschen Firmen ausgeführt", berichtet Hintz stolz. Zurzeit liegt die "Vlatava" im Elbwasser auf der Julius Grube Werft in Hamburg. Nach Informationen von NDR.de hat die Otto Group mit Sitz in Hamburg das Werkstattschiff gekauft und plant, es zu einem Eventschiff für die Hafencity umzubauen. Die Bauarbeiten an Bord haben aber noch nicht begonnen.

Die Pacht läuft bis 2028

Der Pachtvertrag mit den Tschechen läuft noch bis Anfang November 2028. Dann fällt das Gelände automatisch an die Stadt Hamburg zurück. So sieht es der Vertrag vor. Die Tschechen müssen bis dahin weiter ihre Pacht zahlen, die nach Angaben der Hamburger Hafenbehörde (HPA) "im hafenüblichen Bereich" liegt und alle fünf Jahre angepasst werden kann. Immer wieder hieß es in den zurückliegenden Jahren auf tschechischer Seite, man wolle Moldau- und Saalehafen wiederbeleben. Passiert ist bis heute nichts. Nach Informationen von NDR.de gibt es immerhin seit wenigen Wochen einen neuen Verwalter. Die tschechische Firma EKO Logistics ist nach Angaben der HPA Untermieter und gleichzeitig Verwalter der gesamten Flächen des Tschechen-Hafens.

Hamburg sind die Hände gebunden

Für die Tschechen ist das Gelände nicht mehr attraktiv. Und doch haben sie es allein in der Hand, den Dornröschenschlaf zu beenden. Die Stadt Hamburg hat kaum eine Handhabe, aus dem bestehenden Pachtvertrag herauszukommen. "Es sind zwar Kündigungsmöglichkeiten vorgesehen", sagt Marian Paschke, Direktor des Instituts für Seerecht und Seehandelsrecht der Universität Hamburg. Aber eine Kündigung könne nicht einseitig erfolgen. "Dazu wäre ein komplexes Verfahren notwendig", erklärt Paschke. Der Vertrag über den Tschechen-Hafen sei eben kein normaler Pachtvertrag, sondern ein Vertrag mit völkerrechtlichem Hintergrund.

Gelände für Containerhafen unbrauchbar

Hamburg dürfte aber auch kein großes Interesse daran, an dem Ist-Zustand zu rütteln. Die Einnahmen aus dem Pachtvertrag laufen noch 15 Jahre lang weiter - und für den modernen Container-Umschlag sind die Hafenbecken nicht zu gebrauchen. Ein Zuschütten der Becken im Moldau- und Saalehafen - beispielsweise für Industrieflächen oder den Wohnungsbau - kommt ebenfalls nicht infrage. Die Stadt muss die Becken vorhalten, damit das Wasser im - tideabhängigen - Hafen nicht zu hoch steigt. Und so wird das Gelände weiter verfallen. Nur die Erinnerung an die goldenen Zeiten bleibt.

VIDEO: 2002: Das nahe Ende des Tschechen-Hafens (4 Min)

Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 18.11.2002 | 21:45 Uhr

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