Container des Winternotprogramms in Hamburg. © NDR Foto: Screenshot

Winternotprogramm für Obdachlose startet offiziell

Stand: 01.11.2020 20:14 Uhr

Das Winternotprogramm für Obdachlose ist offiziell gestartet, geschlossen waren die Unterkünfte wegen der Pandemie allerdings auch im Sommer nicht. Dabei bietet die Stadt Menschen in Notlagen einen Schlafplatz für die Nacht, Versorgung sowie soziale Beratung an.

Aufgrund der Corona-Pandemie, wird das Winternotprogramm in diesem Jahr deutlich ausgeweitet: Um eine lockere Belegung zu ermöglichen, ist ein zusätzlicher Übernachtungsstandort an der Schmiedekoppel in Hamburg-Niendorf mit weiteren Betten in Planung. Dieser soll im Laufe des Novembers in Betrieb genommen werden. Insgesamt sollen so bis zu 1.020 Betten zusätzlich zu den ganzjährigen Hilfen für obdachlose Menschen bereitstehen. Zudem wird in der Markthalle, Klosterwall 11, im Laufe des Novembers eine zentral gelegene, zusätzliche Tagesaufenthaltsstätte mit rund 200 Plätzen in Betrieb genommen. 

Abgetrennte Bereiche für Frauen

An den Übernachtungsstandorten in der Friesenstraße und der Kollaustraße stehen 400, beziehungsweise 250 Plätze und zusätzlich eine Reserve von insgesamt 100 Plätzen zur Verfügung. Die Standorte verfügen jeweils über abgetrennte Bereiche für Frauen. Darüber hinaus werden auch in diesem Jahr rund 120 städtisch finanzierte Übernachtungsplätze dezentral bei Kirchengemeinden und Hochschulen angeboten. 

Die ganzjährig zur Verfügung stehende Übernachtungsstätte Pik As verfügt über 330 Plätze. Hinzu kommt eine spezielle Notübernachtungsstätte für Frauen in der Horner Landstraße 85 mit 50 Plätzen. Daneben besteht ein breites Hilfesystem aus staatlichen, staatlich finanzierten und zusätzlichen freien Hilfs- und Beratungsangeboten. Die aktuelle, umfassende Zusammenstellung ist unter www.hamburg.de/obdachlosigkeit abrufbar.

Gemeinschaften werden ohne Abstände untergebracht

Wegen der Corona-Pandemie sollen die Übernachtungsstandorte tagsüber gründlich gelüftet und gereinigt werden. Laut Sozialbehörde bieten alle Standorte die Voraussetzungen für eine lockere Belegung, um angemessene Abstände zu ermöglichen. Nutzerinnen und Nutzer, die üblicherweise als Gemeinschaft übernachten, dürfen dennoch gemeinsam ohne Abstände untergebracht werden. In allen drei Standorten gibt es Quarantänebereiche und regelmäßige Arzt-Sprechstunden. Verdachtsfälle auf eine Corona-Infektion werden bis zur Abklärung isoliert untergebracht und eventuell in separate Quarantäne-Standorte verlegt.

Zudem erklärte der Sprecher der Sozialbehörde, Martin Helfrich, dass die Behörde in Langenhorn und Schnelsen Plätze für bis zu 180 Menschen eingerichtet hat, die aufgrund einer Covid-19-Erkrankung Quarantäne einhalten müssen, aber dies nicht in eigenem Wohnraum tun können.

Verhandlungen über weitere Unterkünfte

Derzeit verhandelt die Stadt mit zwei Bürgerinitiativen über eine längere Laufzeit für Unterkünfte. Die Bürgerinitiative Lurup-Osdorf-Bahrenfeld wird der Stadt offenbar an den Standorten August-Kirch-Straße und Notkestraße entgegen kommen. Dafür soll es am Albert-Einstein-Ring Verbesserungen geben. In Neugraben-Fischbek können die Bewohnenden in der Cuxhavener Straße möglicherweise länger bleiben.

"Hinz&Kunzt" will Obdachlose in Hotels unterbringen

Das Hamburger Obdachlosenprojekt "Hinz&Kunzt" hat angesichts der Corona-Pandemie vorgeschlagen, im Winter Hotels für Obdachlose anzumieten. "Das wäre sogar eine Win-win-Situation, weil viele Hotels wegen der Coronakrise leerstehen und schon Erfahrung mit der Unterbringung von Obdachlosen haben", sagte Stephan Karrenbauer, Sozialarbeiter und politischer Sprecher des Projekts am Sonntag. Obdachlose seien wegen diverser Vorerkrankungen besonders gefährdet. Gerade in Einrichtungen, wo viele Menschen untergebracht seien, bestehe ein erhöhtes Ansteckungsrisiko.

CDU kritisiert Reduzierung der Plätze

Die CDU-Fraktion in Hamburg kritisiert die Planungen der Sozialbehörde für die Flüchtlingsunterkünfte. Angesichts der Corona -Pandemie sei es brisant, dass Plätze in öffentlich-rechtlicher Unterbringung reduziert werden, heißt es. Erst in dieser Woche war ein Corona-Ausbruch in einer Unterkunft in Rahlstedt bekannt geworden. 70 Bewohnende der Erstaufnahme wurden positiv auf Corona getestet. Das zeige, dass Sammelunterkünfte Nährboden für die Ausbreitung einer Pandemie sind, meint Andreas Grutzeck von der CDU. Auch die Linksfraktion und der Flüchtlingsrat kritisieren die Unterbringung der Geflüchteten. Sie sprechen von einer Gefährdung der Bewohner in Sammelunterkünften.

 

Weitere Informationen
Ein Obdachloser liegt bei Minus-Graden auf einer Bank in der Hamburger Innenstadt © dpa Foto: Kay Nietfeld

Hilfe für Obdachlose in Hamburg

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 01.11.2020 | 19:30 Uhr

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