Vor einem Jahr: Wie das Coronavirus nach Hamburg kam

Stand: 08.03.2021 10:24 Uhr

Vor einem Jahr kam das Coronavirus in Hamburg an. Betroffene erinnern sich an eine Zeit, in der das Leben mit dem Virus noch ganz neu war.

Kolja Jessen ist vor genau einem Jahr in den Skiurlaub nach Ischgl aufgebrochen. Zurück kommt der 35-Jährige mit einer Corona-Infektion. Ohne Symptome. Er war der 17. Fall in Hamburg. "Zuerst ist man natürlich ungläubig, im Sinne von: Das kann eigentlich gar nicht sein. Es gab zu dem Zeitpunkt 16 bestätigte Corona-Fälle in Hamburg. Das ist ja wie ein Millionengewinn. Einer von 17, das ist surreal", so Jessen.

Das Virus erreicht Hamburg

Anfang des Jahres 2020 häuften sich plötzlich die Nachrichten über das Corona-Virus. Als Ursprungsort galt Wuhan. Weit weg aus Sicht der Hansestadt. Am 28. Februar dann aber auch hier der erste Fall. Ein Arzt der Kinderklinik des UKE. Hamburg auf einmal mittendrin. "Da ist uns allen klar geworden, dass das Virus Hamburg erreicht hat, dass es kein lokales Problem ist, in anderen Ländern der Welt oder in München, sondern dass das wirklich Norddeutschland betrifft und dass die Pandemie auf uns zurollt", erinnert sich Stefan Kluge, Klinikdirektor des UKE.

Lockdown im März

Die Stadt reagiert, nach dem Lockdown Ende März folgt Ende April die Maskenpflicht, etwa in Geschäften und im Öffentlichen Nahverkehr. Kontaktbeschränkungen werden aufgestellt. So nie da gewesene Entscheidungen, die bis heute nachhallen. "Die Freiheit von Menschen zu beschneiden, das ist für mich sicherlich auch in der Rückschau die härteste Entscheidung gewesen, bei der wir uns das nicht leicht gemacht haben und auch bis heute nicht leicht machen", sagt Katharina Fegebank, Wissenschaftssenatorin (Grüne). "Aber wir haben eine Pandemie-Situation, wir müssen den Gesundheitsschutz ganz nach vorne stellen. Wir sehen an den vielen Toten, den vielen schweren Verläufen und den immer noch sehr hohen Infektionszahlen, dass an diesen Entscheidungen auch kein Weg vorbeigeführt hat."

Betroffene leiden unter Post Covid

Mehr als 1.250 Corona-Tote gab es allein in Hamburg. Und eine noch nicht bekannte Zahl an Menschen, die die Folgen ihrer Covid-19-Erkrankung bis heute spüren. Das sogenannte Post Covid-Syndrom. Auch bei Kolja Jessen: "Wenn ich Laufen gehe, dann hab ich nach wie vor Probleme, an meine Leistungsgrenze zu kommen, wie ich sie vor Corona hatte. Das zweite sind diese neuralen Thematiken, die auch im Umlauf sind, wo man selber nicht dran glaubt, das habe ich auch erfahren: Dass mir bestimmte Wörter nicht einfallen, das macht mir am meisten Sorgen. Das was ich erlebt habe, wünsche ich einfach keinem."

Kolja Jessen bleibt dran. Will wieder so fit werden wie vor seiner Erkrankung. Er war Patient Nummer 17 von bisher mehr als 50.000. Und wenn es wieder sicher möglich und er fit genug ist, dann will er mal wieder unbeschwert in den Skiurlaub fahren.

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Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.02.2021 | 19:30 Uhr

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