Stand: 10.07.2020 12:42 Uhr  - NDR 90,3

UKE-Studie: Kinder leiden psychisch stark unter Corona

Eine Umfrage des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt für Deutschland erstmals, wie sich die Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen ausgewirkt hat. Demnach fühlen sich mehr als 70 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen durch die Corona-Krise seelisch belastet. Stress, Angst und Depressionen haben zugenommen. Das Risiko für psychische Auffälligkeiten habe sich fast verdoppelt.

VIDEO: UKE-Studie: Wie Kinderseelen durch Corona leiden (2 Min)

Häufiger gereizt, mehr Süßigkeiten

Die Kinder sind laut der Studie häufiger gereizt, hätten Einschlafprobleme und klagten über Kopf- und Bauchschmerzen. Jedes vierte Kind berichtet, dass es in der Familie häufiger zu Streit komme als vor der Corona-Krise. Die Eltern geben das sogar noch häufiger an und erklären, dass Streitigkeiten öfter eskalierten. Gleichzeitig achten Kinder und Jugendliche weniger auf ihre Gesundheit. Sie essen mehr Süßigkeiten, machen weniger Sport und verbringen mehr Zeit am Handy oder vor dem Fernseher.

Für die "COPSY"-Studie wurden Kinder direkt zu den Auswirkungen befragt. Per Online-Fragebogen und in Zusammenarbeit mit Infratest dimap. Kinder zwischen 11 und 17 Jahren konnten den Fragebogen selbst ausfüllen. Für jüngere Kinder ab 7 Jahren haben die Eltern geantwortet. Es ging um Themen wie psychisches Wohlbefinden und Lebensqualität, sowie Fragen zu Schule, Familie und Freunden. Mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche sowie 1.500 Erwachsene haben teilgenommen.

"Die Deutlichkeit überrascht"

Die Ergebnisse wurden anschließend mit Daten einer Langzeituntersuchung aus der Zeit vor Corona verglichen. "Wir haben mit einer Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens in der Krise gerechnet", sagte Studienleiterin Ulrike Ravens-Sieberer. "Dass sie allerdings so deutlich ausfällt, hat auch uns überrascht."

Betroffen seien vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien. So zeigt die "COPSY"-Studie, dass ein geringes Einkommen der Eltern und beengter Wohnraum das Auftreten psychischer Auffälligkeiten bei Kindern fördern. "Mangelnde Rückzugsmöglichkeiten und fehlende Tagesstruktur führen besonders in Krisenzeiten zu Streit und Konflikten in der Familie. Wir konnten daher deutlich sehen, dass die Kinder sich vor allen Dingen dann seelisch belastet gefühlt haben, wenn die Eltern auch belastet sind und viel Stress empfinden", so Ulrike Ravens-Sieberer. Sie fordert deshalb möglichst schnell Konzepte, wie man diesen Familien helfen kann, gerade für den Fall einer zweiten Infektionswelle. Etwa über Online-Beratungsangebote, aber auch über persönliche Betreuung.

Weitere Informationen
Ania Muntau, Direktorin der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, gibt eine Pressekonferenz über ein Zwischenergebnis der Studie C19.Child. © picture alliance/dpa Foto: Georg Wendt

Corona-Beschränkungen laut UKE bei Kindern erfolgreich

Die Kontaktbeschränkungen gegen das Coronavirus waren für Kinder und Jugendliche erfolgreich. Das ist ein vorläufiges Ergebnis einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf. (19.06.2020) mehr

Dialyse © picture alliance dpa-Zentralbild Foto: Michael Reiche

Hamburger Studie: Corona befällt mehrere Organe

Covid-19 ist keine reine Lungenerkrankung - das haben Untersuchungen des Universitätsklinimkums Hamburg-Eppendorf bestätigt. Nun suchen die Wissenschaftler nach einem Frühwarnsystem. (14.05.2020) mehr

Eine Jugendliche trägt eine selbstgenähte Gesichtsmaske. © picture alliance/Carsten Rehder/dpa Foto: Carsten Rehder

Gesundheitsstudie: Nun auch mit Kindern und Jugendlichen

Das UKE erweitert wegen der Corona-Pandemie eine Gesundheitsstudie um Kinder und Jugendliche. Zwischen 600 und 1.000 Kinder sollen auf ihre Infektionsanfälligkeit untersucht werden. (28.04.) mehr

"FAQ" steht auf einem iPad. © panthermedia, Fotolia Foto: lamianuovasupermai

Coronavirus in Hamburg: Hier bekommen Sie Hilfe

Sie wohnen in Hamburg und haben eine Frage zum Coronavirus? Wir haben Ihnen eine Liste mit relevanten Informationen, Telefonnummern und Hilfemöglichkeiten zusammengestellt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.07.2020 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Andrey Rublev (Russland) in Aktion. © WITTERS Foto: Valeria Witters

Tennis: Russe Rublew triumphiert am Rothenbaum

Andrej Rublew hat das ATP-Turnier in Hamburg gewonnen. Der 22-jährige Russe, der im Vorjahr das Endspiel verloren hatte, setzte sich in einem hochklassigen Finale gegen den Griechen Stefanos Tsitsipas durch. mehr

St. Paulis Torschütze Daniel-Kofi Kyereh jubelt nach dem 1:0. © Witters Foto: TayDucLam

Livecenter: St. Pauli klar auf der Siegerstraße!

In Bochum hat der FC St. Pauli zum Zweitligauftakt Moral bewiesen. Wie läuft es zu Hause gegen Heidenheim? Die Partie jetzt live. Abends Bundesliga: Wolfsburgs Auftritt in Freiburg. mehr

Polizisten stehen mit Mannschaftswagen am Beatles-Platz auf Hamburg-St. Pauli. © Telenews Network

Corona-Auflagen: Bars müssen nach Razzia schließen

Bei einer Razzia in St. Pauli hat die Hamburger Polizei in der Nacht zu Sonntag zahlreiche Verstöße gegen die Corona-Auflagen festgestellt. Einige Bars und Clubs mussten schließen. mehr

Die Hamburger Feuerwehr löscht einen Brand im Stadtteil Billbrook.

Feuerwehr muss gleich zwei Großbrände löschen

Erst Bootshallen in Winterhude, dann eine Autowerkstatt am Billbrookdeich: Am Sonnabend mussten Feuerwehrleute zu gleich zwei Großbränden ausrücken. Verletzt wurde niemand. mehr