Tschentscher kritisiert Flickenteppich bei Corona-Regeln

Stand: 03.04.2021 21:19 Uhr

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hat sich im Interview mit dem Hamburg Journal am Sonnabend für einheitliche und klare Corona-Regeln für ganz Deutschland ausgesprochen. Die Infektionslage schätzte er weiter als sehr angespannt ein.

Die erste Nacht der Ausgangssperre in Hamburg beurteilte Tschentscher als wirksam. Die Polizei habe berichtet, dass sehr wenig los gewesen sei. Die meisten Personen, die bei den Kontrollen angesprochen wurden, hätten einen triftigen Grund zum Verlassen ihrer Wohnung gehabt. Tschentscher betonte, dass die Ausgangssperre in Hamburg aufrechterhalten werden müsse, "so lange wir die Inzidenz noch nicht ausreichend gesenkt haben." Die Grenze für diese Beschränkung sei ungefähr eine Inzidenz von 100.

Inzidenz über Ostern weniger zuverlässig

Auf die Frage nach der Notwendigkeit eines bundesweiten Lockdowns wies Tschentscher zunächst darauf hin, dass die Inzidenzzahlen über die Feiertage nicht sehr zuverlässig seien. "Wir sollten davon ausgehen, dass wir wirklich noch eine sehr angespannte Infektionslage haben".

"Meine Einschätzung ist seit einiger Zeit, dass wir einen zu großen Flickenteppich haben, aber wir müssen jetzt vorangehen, weil unsere Zahlen deutlich angestiegen sind", so der Bürgermeister weiter. Ein Flickenteppich führe zu Verwirrung bei den Menschen und es entstehe viel Mobilität, wenn es unterschiedliche Regelungen bei Ladenöffnungen gibt. "Deswegen wäre meine Empfehlung jetzt für ganz Deutschland einheitlich und klare Maßnahmen einzuführen", so Tschentscher.

Corona-Impfung für Menschen ab 75 Jahren

In Bezug auf die Altersgrenze für Corona-Impfungen in Hamburg stellte Tschentscher klar, dass der Aufruf derzeit für Mitbürgerinnen und Mitbürger ab 75 Jahre gelte. Nicht alle Personen dieser Altersgruppe hätten jedoch schon den Brief mit einer schriftlichen Aufforderung erhalten. Auf diesen könne man aber warten, "es müssen jetzt nicht alle gleichzeitig zum Telefonhörer greifen."

Mit dem Impfen kommt Hamburg laut Tschentscher gut voran. Der SPD-Politiker wies darauf hin, dass im Impfzentrum zum ersten Mal die Marke von 6.000 Impfungen an einem Tag geknackt wurde. "Wir haben fast 90 Prozent unseres Impfstoffes schon eingesetzt und warten jeden Tag auf neue Lieferungen", so Tschentscher weiter.

Schulen schließen ab einer Inzidenz von 200

Schulschließungen seien laut Tschentscher in Hamburg ab einer Inzidenz von 200 vereinbart. "Wir sind momentan noch einen Tick davon entfernt, aber müssen natürlich mit allem rechnen". Deswegen hätten der Schulsenator und die Schulen sich jetzt darauf eingestellt, dass diese Grenze erreicht werden könnte. "Ich hoffe natürlich, dass wir jetzt in ein Plateau kommen und dass es nicht nötig ist, den vorsichtigen Wechselunterricht zu beenden."

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 03.04.2021 | 19:30 Uhr

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