Schulsenator Rabe: Mentoren sollen Schulkinder unterstützen

Stand: 25.03.2021 21:03 Uhr

Wegen der Corona-Pandemie ist an Schulen viel Unterricht ausgefallen. Bund und Länder wollen mit einem umfangreichen Programm Lernrückstände aufholen. Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD) hat es am Donnerstag vorgestellt.

Damit Hamburgs Schülerinnen und Schüler trotz des Schulausfalls keine Nachteile haben, sollen ihnen künftig Mentoren und Mentorinnen beim Schließen der Wissenslücken helfen. Insgesamt sollen so bis zu 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen gefördert werden, die von generellen Lernschwierigkeiten betroffen sind. In Hamburg spreche man da von insgesamt etwa 30.000 bis 40.000 Kindern und Jugendlichen, so Rabe. Sie kämen vor allem aus sogenannten bildungsfernen Familien.

Mehr als nur Nachhilfe

Das neu aufgelegte Mentoring-Programm "Anschluss" richte sich zunächst einmal an 4.000 bis 5.000 Schülerinnen und Schüler. Sie sollen nicht nur Nachhilfe in Fächern wie Mathematik oder Deutsch erhalten. Die Mentoren und Mentorinnen sollen ihnen auch als sogenannte "Best Buddies" an die Seite gestellt werden und die Kinder und Jugendlichen auch zum Lernen motivieren. Ihnen soll außerdem, wenn vorhanden, die Angst vor Schule genommen und gleichzeitig mehr Selbstvertrauen gegeben werden.

Als Mentoren können sowohl Lehramtsstudierende als auch pensionierte Lehrerinnen und Lehrer oder auch Volkshochschullehrer und -lehrerinnen zum Einsatz kommen. Insgesamt werden dafür laut Rabe etwa 1.000 Menschen gebraucht. Den Studierenden wird, neben der Bezahlung, ein Anreiz geboten werden: Ihnen soll der Zugang zu einem Referendariat erleichtert werden, erklärte der Schulsenator.

Start des Programms im August

Geplant ist der Start des Förderprogramms ab dem 1. August 2021. Schulen sollen dann gezielt auf Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern zugehen, um sie auf das Programm aufmerksam zu machen, so der Plan laut Rabe. Konkret sind von August an in Kleingruppen mit je vier Mädchen und Jungen entweder in einem Schuljahr zwei Extra-Stunden oder in einem halben Schuljahr vier Extra-Stunden pro Woche geplant. Im Fokus sollen dabei die Schüler und Schülerinnen stehen, die am Ende der Grundschulzeit, am Anfang Sekundarstufe I oder beim Übergang von der Jahrgangsstufe 6 in die Jahrgangsstufe 7 sind.

Förderprogramme ausbauen

Die Lernrückstände für die Schülerinnen und Schüler sollen möglichst innerhalb des nächsten Schuljahres aufgeholt werden. Das Förderprogramm sei ein wichtiger Baustein der Lernförderung in der Stadt, die außerdem auf Lernferien und eine verbindliche Lernförderung bei schlechten Noten in den Hauptfächern setzt, sagte Rabe weiter. Mit Blick auf die Lerndefizite vieler Kinder aufgrund der Corona-Krise sagte der Schulsenator: "Wir müssen diese Programme alle ausbauen und vermutlich noch weitere auflegen."

Bundesweites Programm

Die Hamburger Schulbehörde arbeitet bei dem Förderprogramm mit der Zeit-Stiftung zusammen. Diese ist bereits seit acht Jahren in diesem Bereich tätig. Daher ist sich Michael Göring, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, sicher, dass Hamburg zur "Modellstadt für viele andere Städte und Regionen" werden könnte. Das Förderprogramm soll für ganz Deutschland einen Umfang von einer Milliarde Euro haben. Gespräche dazu mit der Bundesregierung und der Kultusministerkonferenz (KMK) darüber laufen bereits länger - unter Rabes Federführung, der das Programm initiiert hat.

Die Opposition reagierte skeptisch auf die Pläne. Linken-Schulexpertin Sabine Boeddinghaus sagte, mit der neuen Lernförderung hätte man schon viel früher starten müssen. CDU-Bildungspolitikerin Birgit Stöver forderte, die Schulen bei der Umsetzung nicht allein zu lassen und noch stärker zu unterstützen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 25.03.2021 | 11:00 Uhr

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