Peter Tschentscher bei Lockerungen für Geimpfte vorsichtig

Stand: 26.04.2021 19:24 Uhr

Die Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen der Bundesländer und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) haben sich am Montag drei Stunden lang zum Thema Impfen beraten.

Nach den Gesprächen sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), es habe keine großen Beschlüsse gegeben, es sei vor allem über die Priorisierung und die Rücknahme von Beschränkungen für bereits Geimpfte und Genesene gesprochen worden. "Wir begrüßen es alle, dass mit mehr Impfstoff als bisher viele Menschen geimpft werden können", so Tschentscher. In Hamburg seien das schon mehr als 500.000 Menschen. 

Erstmals Impfungen bei Prio-Gruppe 3

In der Hansestadt sind am Montag erstmals Menschen der Priorisierungsgruppe 3 aufgerufen worden, sich einen Impftermin zu holen, sagte Tschentscher. Dies betrifft beispielsweise alle Lehrkräfte und die Beschäftigten aller Schulen. Das sei möglich, weil genug Termine und Kapazitäten zur Verfügung stünden, so der Bürgermeister. Die Bundesregierung gehe davon aus, dass die Priorisierung im Juni bundesweit aufgehoben werden könne, weil bis dahin genügend Impfstoff für alle vorhanden sei. Merkel hatte diese Aufhebung nach dem Gipfel angekündigt. Das heiße nicht, dass dann jeder geimpft werde, so die Kanzlerin. Aber es gebe dann die Möglichkeit, einen Termin zu bekommen.

Tschentscher wollte sich auf einen festen Zeitpunkt zur Aufhebung der Impfpriorisierung nicht festlegen. Er hoffe aber, dass dies schnell geschehen könne. Sobald Betriebsärzte impfen könnten, sei eine Priorisierung ohnehin schwierig, weil es dann in Unternehmen darum gehe, die ganze Belegschaft zu schützen, so Tschentscher. Noch jedoch gehe es bei der Reihenfolge darum, die Risiken für die jeweilige Gruppe abzuwägen.

Tschentscher bei Erleichterungen kritisch

Auf alle Corona-Geimpften und auch die Genesenen in Deutschland sollen Erleichterungen zukommen. Die Betroffenen sollten etwa beim Einkaufen oder auch bei einem Friseurbesuch keinen negativen Corona-Test vorlegen müssen, hatte Merkel nach den Beratungen gesagt. Die Regierung wolle eine entsprechende Rechtsverordnung auf den Weg bringen. Tschentscher sagte aber auch, die Regelung des Bundes müsse nach dem Bundestag auch im Bundesrat Zustimmung finden. Dieser Prozess werde wohl mehrere Wochen in Anspruch nehmen.

"Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit"

Ohne Schnelltest zum Frisör, zumindest das dürfte bald kein Problem mehr sein. "Eine vollständig geimpfte Person kann sehr leicht gleichgestellt sein mit einer Person, die einen negativen Schnelltest hat", sagte Tschentscher. Schwieriger sei es seiner Meinung nach bei der Frage, ob ein vollständig Geimpfter ohne Maske zum Frisör gehen könne. "Zugrunde liegt der Gedanke, dass Grundrechtseinschränkungen so früh wie möglich wieder aufgehoben werden", so Hamburgs Bürgermeister. Dabei müsse neben dem Impfangebot für alle aber immer auch die Pandemie-Lage berücksichtigt werden. Und die sei weiterhin angespannt.

Es gebe zwar die Einschätzung, dass von bereits Geimpften und Genesenen nur "ein sehr geringes Risiko" ausgehe. "Nicht gar kein Risiko", betonte er. Schließlich könnten sich in Einzelfällen auch Geimpfte noch anstecken und das Virus weitergeben, so Tschentscher. Es sei eine Gesamtaufgabe, die Grundrechtsfrage in Einklang zu bringen mit dem Erfolg der Pandemiebekämpfung, so Tschentscher. Das sei vor allem wichtig für all diejenigen, die noch nicht geimpft seien. Auch diese Menschen hätten ja Grundrechte - nämlich etwa das auf Leben und körperliche Unversehrtheit.

 

Weitere Informationen
Björn Parey, Allgemeinmediziner, impft eine Patientin mit dem Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer in seiner Praxis in Hamburg-Volksdorf. © picture alliance / dpa Foto: Christian Charisius

Hamburg erwartet Anfang Mai viel Corona-Impfstoff

In der ersten Mai-Woche soll das Impfzentrum 50.000 Dosen erhalten. Die Ärzte könnten noch einmal die doppelte Menge bekommen. (25.04.2021) mehr

Dirk Heinrich, ärztlicher Leiter des Impfzentrums Hamburg, steht mit Mund-Nasen-Schutz im Impfzentrum in den Messehallen. © picture alliance/dpa | Christian Charisius Foto: Christian Charisius

Bald Impfen für alle? Laut Impfzentrum-Chef wohl Ende Juni

Die festgelegte Impfreihenfolge könnte auch in Hamburg fallen. Aber frühestens Ende Juni, meint der Leiter des Impfzentrums. (23.04.2021) mehr

Ein Mann wird gegen das Coronavirus geimpft. © Picture Alliance Foto: Robin Utrecht

Corona-Impfungen: Hamburger Krankenhäuser sollen mithelfen

Die Gesundheitsbehörde ist mit vier Krankenhäusern im Gespräch. Am Freitag sollen auch wieder Impftermine vergeben werden. (22.04.2021) mehr

Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

Coronavirus in Hamburg: Nachrichten und Hintergründe

Wie geht es Hamburg mit der Corona-Pandemie? Hier finden Sie die aktuellen Zahlen, Nachrichten, Videos und Hintergründe. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.04.2021 | 06:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Viele Menschen stehen in einer langen Schlange vor dem Hamburger Impfzentrum.

Fehlerhafte E-Mails: Lange Schlangen vor dem Impfzentrum

Wegen einer Panne bei der Terminvergabe sind am Sonnabend etwa tausend Menschen zu früh zum Hamburger Impfzentrum gekommen. mehr