Anette van Koeverden steht vor einem Bild mit Kindern beim Lernen.

Kommentar: Schulen und Kitas möglichst schnell öffnen

Stand: 13.02.2021 06:43 Uhr

Keine Schule, kaum Sportmöglichkeiten - und Freunde trifft man auch nicht mehr. Das Leben von Kindern und Jugendlichen in der Corona-Pandemie hat sich massiv verändert. Wie eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt, hat fast jedes dritte Kind knapp ein Jahr seit Beginn der Pandemie psychische Auffälligkeiten. Anette van Koeverden kommentiert.

von Anette van Koeverden

Das, was sich jeder denken kann, haben wir jetzt auch schriftlich: Kinder und Jugendliche leiden besonders unter der Isolation durch den Lockdown. Dass die Zahl so hoch ist, hat dann doch überrascht. Selbst die Forscherinnen und Forscher im UKE. Denn im Vergleich zur ersten Befragung fühlen sich 85 Prozent der Kinder besonders belastet. Im Juni waren es noch 71 Prozent. Es wird also härter für die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft. Und noch etwas belegt die Studie: Kinder in intakten Familien kommen besser durch die Krise. Kinder aus sozial schwachen Familien und mit Migrationshintergrund trifft es härter. Was in manchen Familien hinter verschlossenen Türen auch mit Blick auf häusliche Gewalt los ist, mag man sich gar nicht vorstellen.

Kinder haben keine Lobby

Doch woran liegt es, dass viel über Wirtschaftshilfen gesprochen wird, über die Öffnung der Friseure oder auch von Blumenläden? Vermutlich daran, dass Familien, vor allem Kinder, keine Lobby haben. Viele Eltern gehen mit Homeschooling und dem Betreuen ihrer kleinen Kinder an die Belastungsgrenze und darüber hinaus. Natürlich ist es wichtig, die Wirtschaft zu stützen, es ist auch für Handwerkerinnen und Handwerker, Restaurantbesitzende und Ladeninhabende gut, wenn sie möglichst schnell wieder ihren Lebensunterhalt verdienen können. Aber wenn wir davon ausgehen, dass die Kinder unsere Zukunft sind, dann läuft derzeit vieles falsch.

Schulen und Kitas öffnen

Schulen und Kitas müssen so schnell wie möglich öffnen. Um gerade den abgehängten Kindern die Chancen zu ermöglichen, die sie verdienen. Und auch als soziale Kontrolle. Denn in den Schulen fällt auch auf, ob Kinder misshandelt werden. Wie sich diese Zahl entwickelt hat, ist noch unklar. In den Ambulanzen und Kliniken wurden zwar 15 bis 20 Prozent weniger verletzte Kinder behandelt, das heißt aber nicht, dass weniger Kinder geschlagen wurden. Vermutlich ist das Gegenteil der Fall. Die Forscherinnen und Forscher der UKE-Studie gehen sogar davon aus, dass mehr Kinder misshandelt wurden. Aber Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher sehen das nicht, können nicht aktiv werden. Dass Schulen und Kitas geöffnet werden ist gerade für diese Kinder so wichtig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 13.02.2021 | 08:40 Uhr

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