Kristine Jansen.

Kommentar: Die Öffnungen geben Hoffnung

Stand: 08.03.2021 06:55 Uhr

Am Montag treten die neuen Corona-Regeln in Kraft. Der Hamburger Senat und Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) gehen die Lockerungen mit gemischten Gefühlen an. Kristine Jansen kommentiert.

von Kristine Jansen

"Auf Deutsch gesagt: die Leute haben einfach keine Lust mehr." Das sagte ein Hamburger auf unsere Frage, wie er die Corona Lage einschätzt. Auf diesen Druck und den der Wirtschaft hat die Politik in dieser Woche reagiert. Mit dem lang geforderten Corona-Stufenplan, der dann sofort in der Luft zerrissen wurde. Dabei ist er gar nicht so schlecht - sogar übersichtlich, wenn man genau hinschaut. Aber: Lockerungen jetzt schon bleiben ein Risiko. Der Hamburger Senat weiß das und macht trotzdem auf. Weil es schlicht nicht mehr anders ging.

Fehler werden in Berlin gesucht

Den Schwarzen Peter sucht Tschentscher dabei in Berlin: Falsche Versprechungen haben die Ungeduld der Deutschen und der Hamburger befeuert. Der Druck ist also hausgemacht. Der Bürgermeister schimpft - die Bundestagswahl lässt grüßen - in selten gehörter Schärfe: Alles, was der Bund anfasse, gehe nämlich schief. Was Tschentscher meint: Es gibt nicht ausreichend Impfstoff-Fehler des CDU-Gesundheitsministers. Allein zwei Lieferungen für Hamburg sind diese Woche ausgefallen. Dann verspricht Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) die Corona Schnelltests - massenhaft verfügbar ab Anfang März. Wieder Fehlanzeige, der nächste Fehler.

Die frühen Lockerungen sind vielleicht nicht falsch

Und der ist besonders bitter, denn die lang ersehnte Öffnungsstrategie soll eben gerade durch Schnelltests abgesichert werden. Irgendwann auch der Restaurantbesuch - doch der liegt so noch in weiter Ferne. Am Montag gehen in Hamburg immerhin einige Ladentüren wieder auf. Manche nur mit Termin. Und vielleicht ist das ja doch nicht ganz falsch - diese Hoffnung kann man immerhin haben. Denn: die Impfungen sollen jetzt wirklich zahlreicher werden, die Tests kommen nach und nach dazu. Hamburg will damit vor allem erstmal die Kita und Schulöffnungen absichern und hat zwei Millionen Tests dafür selbst bestellt. Weniger Menschen erkranken jetzt schon schwer, Ältere scheinen mehr geschützt. Völlig unklar jedoch, was die englische Mutante noch anrichten wird.

Vernüftig bleiben ist durch Perspektiven einfacher

Alles in allem: Die Öffnungen geben Hoffnung. Wie jede Krise, ist auch die Corona-Krise mit einer Perspektive besser zu ertragen. Wenn man das so sieht, ist es einfacher noch einige Zeit vernünftig zu bleiben - nicht alles zu tun, was ginge. Darauf setzt auch der Hamburger Senat. Es bleibt ihm nichts anderes übrig.

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