Kommentar: Die 2G-Option spaltet

Stand: 28.08.2021 08:40 Uhr

In Hamburg gibt es jetzt eine 2G-Option. Das bedeutet, Veranstaltende können entscheiden, ob sie nur noch Geimpfte und Genesene einlassen. Die wären dann von den Corona-Einschränkungen weitestgehend befreit. Alternativ können Veranstalterinnen und Veranstalter zusätzlich Getestete reinlassen nach dem 3G-Modell - das aber nur mit den bekannten Hygieneregeln. Diese Entscheidung des Hamburger Senats hat für viele Diskussionen gesorgt. Anette van Koeverden kommentiert.

von Anette van Koeverden

Eines vorweg: Die 2G-Regel spaltet die Stadt und die Aufregungskurve ist hoch. Über 10.000 Kommentare haben uns erreicht. Viele mussten wir löschen, weil sie verunglimpfend, beleidigend oder drohend waren. Die Meinungen, die öffentlich stehen, reichen von "Richtig so", "Ungeimpfte müssen mit den Konsequenzen leben" bis hin zu "Ungeimpfte werden diskriminiert" und "Das spaltet die Gesellschaft".

Schwierige Entscheidung

In dieser aufgeheizten Stimmung müssen jetzt die Veranstalter, Wirtinnen und Gastronomen entscheiden, wen sie künftig reinlassen. Da sind Konflikte, Streit und Auseinandersetzung vorprogrammiert. Eine schwierige Situation: Beim 2G-Modell müssen sie Gäste abweisen, die nur einen Test haben - und werden möglicherweise beschimpft. Entscheiden sie sich für das 3G-Modell, stehen sie schnell als Impfskeptikerinnen und -skeptiker da. Also egal wie man es macht, man macht es verkehrt.

Ungeklärte Details

Dazu noch jede Menge Details, die nicht geklärt sind: Wer zahlt die Löhne für das Personal, das nicht geimpft oder genesen ist, wenn ich mich für 2G entscheide? Darf ich als Arbeitgeber abfragen, wer geimpft ist? Wie sollen die Kontrollen laufen, für die die Veranstalter voll verantwortlich sind? Und was mache ich mit Buchungen von Nicht-Geimpften? Schließlich die Frage: Wie viel Streit und Auseinandersetzung muss ich in Kauf nehmen?

Zur Wahrheit dazu gehört aber auch, dass die Veranstaltungsbranche der Politik seit Wochen und Monaten in den Ohren gelegen hat mit dem Wunsch nach mehr Freiheiten. Die haben sie jetzt natürlich bekommen.

Bessere Abstimmung hätte viel Ärger erspart

Dennoch finde ich es nicht in Ordnung, dass die Veranstalter mit den Problemen allein gelassen werden. Denn der Senat hat seine Verantwortung weitergegeben. Die grobe Vorgabe ist gemacht, die Details sollen andere ausarbeiten. Eine bessere Abstimmung hätte viel Ärger erspart. Gut gemeint ist eben nicht gleich gut gemacht.

Weitere Informationen
Gäste eines Restaurants im Hamburger Schanzenviertel warten auf ihre Bestellung. © picture alliance/dpa Foto: Axel Heimken

Für Ungeimpfte wird's schwerer: Hamburg startet 2G-Regelung

Vieles ist ab sofort in Hamburg wieder möglich, wenn man geimpft oder genesen ist - zumindest theoretisch. Ein Überblick. mehr

Im Fenster einer Hamburger Kiez-Kneipe hängt ein Zettel mit dem Text "2G, Einlass nur für Geimpfte und Genesene". © picture alliance/dpa Foto: Markus Scholz

Corona: Diese Regeln gelten mit der 2G-Option in Hamburg

Hamburgs 2G-Regeln für Geimpfte und Genesene im Detail: Was mit der neuen Option gilt. mehr

Ein Virus schwebt vor einer Menschenmenge (Fotomontage) © panthermedia, fotolia Foto: Christian Müller

Coronavirus in Hamburg: Nachrichten und Hintergründe

Wie geht es Hamburg mit der Corona-Pandemie? Hier finden Sie die aktuellen Zahlen, Nachrichten, Videos und Hintergründe. mehr

Hamburger Rathaus mit blauem Himmel © digiphot - MEV-Verlag Germany

Der Hamburg-Kommentar - Sonnabend bei NDR 90,3

Jeden Sonnabend um 8.40 Uhr kommentiert die Aktuell-Redaktion von NDR 90,3 das politische Geschehen in Hamburg. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 28.08.2021 | 08:40 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Blick aus der Luft auf die Hamburger Innenstadt und die Binnen- und Außenalster. © dpa Foto: Marcus Brandt

Bundestagswahl: Wo die Hochburgen der Parteien in Hamburgs Stadtteilen sind

In Billstedt holte die SPD besonders viele Stimmen, in Neuallermöhe die AfD. Hamburger Ergebnisse der Bundestagswahl im Detail. mehr