Stand: 21.09.2020 06:45 Uhr

Kiez-Kontrollen: Bezirk Hamburg-Mitte will Kontaktlisten überprüfen

Falko Droßmann, Bezirksamtsleiter Hamburg Mitte, ist in seinem Büro im Gespräch. © NDR Foto: NDR
Der Leiter des Bezirksamts Hamburg- Mitte, Falko Droßmann will 2.500 Kontaktdaten überprüfen lassen. (Archivfoto)

Spätestens seit dem Corona-Ausbruch in dem Lokal "Katze" im Hamburger Schanzenviertel ist klar, dass Fantasie-Namen und fehlende Telefonnummern auf Kontaktlisten ein Problem sind. Die Gesundheitsämter können die möglicherweise betroffenen Bar-Besucher, die sich etwa als "Darth Vader", "Benjamin Blümchen" oder "Lucky Luke" eingetragen hatten, nicht anrufen. Jetzt will der Bezirk Hamburg-Mitte die Corona-Kontaktlisten aus Bars und Kneipen auf dem Kiez überprüfen. Bei einer Großkontrolle hatte das Bezirksamt in der Nacht zu Sonntag viele dieser Gäste-Listen eingesammelt.

Kontrollen in Zivil und mit Amtsarzt

Seinem Bezirksamt sei dieses Problem schon vorher bewusst gewesen, sagte Amtsleiter Falko Droßmann (SPD) im Gespräch mit NDR 90,3. Deshalb habe er nach längerer Vorbereitung in der Nacht zum Sonntag die Großkontrolle auf dem Kiez durchgeführt - zusammen mit einem Zivilpolizisten und einem Amtsarzt.

2.500 Kontaktdaten werden überprüft

Rund 2.500 Kontaktdaten habe der Amtsarzt in den Bars und Kneipen eingesammelt. Nun sollen diese vom Gesundheitsamt ausgewertet werden. Droßmann betonte, dass der Datenschutz dabei eingehalten werde. Die Papier-Listen würden nur überprüft, aber nicht in Computern gespeichert.

Nur die Hälfte der Bars hielt sich an Auflagen

Ein weiteres Ergebnis der Großkontrolle: Von den knapp 30 überprüften Bars und Kneipen habe sich die Hälfte an praktisch alle Corona-Auflagen gehalten, die andere Hälfte nicht - beispielsweise waren einige Clubs völlig überfüllt. Ein Laden sei erst einmal geschlossen worden, so der Bezirksamtsleiter. Nach Polizeiangaben waren in der Spitze bis zu 15.000 Menschen auf dem Kiez unterwegs. Deshalb sei der Zugang zur Großen Freiheit in der Nacht kurz vor 3 Uhr für fast eine Stunde beschränkt worden.

Altona will bei einzelnen Bars Maßnahmen verschärfen

Grünen-Politikerin Stefanie von Berg zu Gast bei NDR 90,3. © NDR Foto: Zeljko Todorovic
Altona Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg will in einzelnen Bars eine Maskenpflicht für die Beschäftigten auch hinterm Tresen einführen.

Das Bezirksamt Altona will unterdessen schärfere Corona-Regeln für einzelne Bars einführen. Amtsleiterin Stefanie von Berg (Grüne) sagte NDR 90,3, sie lasse rechtlich prüfen, ob es in Einzelfällen eine generelle Maskenpflicht für die Beschäftigten geben könne - vor allem in kleineren Bars, in denen die Abstandsregeln kaum eingehalten werden können. Beim Bedienen hinterm Tresen ist das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung derzeit nicht zwingend erforderlich, wenn ausreichend Abstand eingehalten wird.

Im Schanzenviertel waren die Außengastronomien laut Polizei am Samstagabend bis zu 90 Prozent ausgelastet. Die Beamten zählten mehrere Hundert Menschen. Es habe dort keine Auffälligkeiten gegeben, sagte ein Sprecher am Sonntag. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass ein Barmitarbeiter der "Katze" im Schanzenviertel positiv auf Corona getestet worden war. Bis Freitag wurden insgesamt acht Fälle registriert, vier davon waren "Katze"-Mitarbeiter. Rund 600 Gäste kommen als Kontaktpersonen in Frage. Weitere Testergebnisse werden in dieser Woche erwartet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 21.09.2020 | 06:00 Uhr

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