Stand: 13.07.2020 08:41 Uhr

In Hamburgs Jobcentern kehrt Normalität ein

Jobcenter Hamburg Mitte.
Nun sind persönliche Termine wieder möglich. Das freut Beraterinnen und Berater, Kundinnen und Kunden.

Beratung nur noch online oder per Telefon - das war seit Mitte März für die Mitarbeitenden im Jobcenter der einzige Weg, um mit Hilfesuchenden in Kontakt zu bleiben. Christina Jozic erinnert sich: "Wir mussten uns auch erstmal einen Überblick verschaffen. Die Zentrale hat dann standortinterne Hotlines zusätzlich zur zentralen Nummer geschaltet, wo die Kunden uns direkt erreichen konnten."

Kundinnen und Kunden sind oft nicht erreichbar

Für Jozic macht es auf jeden Fall einen Unterschied, ob man seinen Gesprächspartnern gegenübersitzt oder sie nur am Hörer hat. Jozic und ihre Kolleginnen und Kollegen brauchen noch mehr Einfühlungsvermögen und Geduld. Denn die Kundinnen und Kunden sind nicht immer erreichbar. Man rufe nun öfters an, auch zu anderen Uhrzeiten. "Da mussten wir Wege finden", sagt Jozic.

Blockade im Kopf

Anja aus Blankenese arbeitet seit Jahren freiberuflich als Schauspielerin in Hamburg und außerdem in einer Bar auf dem Kiez - bis Corona kam. "Von heute auf morgen bricht Dir alles weg. Ich hab dann erstmal Wertsachen gesucht und zum Beispiel eine teure Designertasche bei eBay-Kleinanzeigen reingesetzt", sagt sie. In ihrem Kopf sei eine Blockade gewesen: "Ich möchte nicht zum Jobcenter - ich möchte jetzt nicht Hartz IV beantragen." Gemacht hat sie es dann aber doch: "Ich hab erst gegoogelt, aber man weiß ja gar nicht, welche Zettel muss ich jetzt davon ausdrucken. Dann habe ich angerufen und mich gleich besser gefühlt, denn die waren so nett und ich hatte das Gefühl: Da ist Hilfe!"

Endlich persönliche Treffen

Jetzt, wo es im Jobcenter unter Hygiene-Auflagen auch wieder persönliche Treffen gibt, sitzen sich Schauspielerin Anja und Beraterin Jozic nach Monaten das erste Mal direkt gegenüber: "Erst hatte ich diese Scheu, aber es war dann nicht mehr schlimm, dass man sich nackig machen muss, in dem Sinne. Ich bin so dankbar, denn die haben mir - darf man das sagen? - den Arsch gerettet", sagt Anja.

Viele orientieren sich um

Momentan hofft die 42 Jahre alte Schauspielerin noch, dass es bald wieder losgeht auf dem Kiez und auch auf der Bühne. Andere Freiberufler, die durch Corona von heute auf morgen auf Grundsicherung angewiesen sind, haben sich neu orientiert erklärt der Chef vom Jobcenter Hamburg, Dirk Heyden: "Zum Beispiel eine Frau, die jetzt eine Umschulung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin gemacht hat oder ein Herr, der jetzt Fachinformatiker wird."

Mehr staatliche Leistungen durch Corona

Insgesamt sichert das Jobcenter aktuell den Lebensunterhalt von knapp 200.000 Hamburgerinnen und Hamburgern. Durch Corona sind im Vergleich zu vor einem Jahr rund 11.000 Menschen mehr auf staatliche Leistungen angewiesen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 13.07.2020 | 10:15 Uhr

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