Hamburg reserviert Impftermine für Anrufer

Stand: 04.02.2021 18:27 Uhr

Anrufer sollen bei der Terminvergabe für das Hamburger Impfzentrum jetzt bessere Chancen bekommen. Seit Donnerstag wird deshalb ein Teil der Termine nur für die Telefon-Hotline reserviert.

Bisher waren deutlich mehr Termine online vermittelt worden als am Telefon. Am Montag waren das 98 Prozent von 17.000 freien Terminen. Von 35.000 Anrufenden, die zusammen mehr als 4.600 Stunden in der Warteschleife verbrachten, war also nur ein Bruchteil erfolgreich.

Viele Impfberechtigte nicht internetaffin

Keine gute Lösung, heißt es dazu aus der Hamburger Sozialbehörde. Der Großteil der jetzt Impfberechtigten sei über 80 Jahre - und möglicherweise nicht sehr Internetaffin. Solange der Andrang bei der Hotline hoch ist, werden deshalb ab sofort etwa die Hälfte der Termine nur noch telefonisch vergeben. Am Donnerstag wurden laut Behörde über den Tag verteilt noch einmal einige Tausend freigeschaltet. Ab kommender Woche werden dann neue Termine immer nur donnerstags eingestellt.

Bisher fast 80.000 Impftermine vergeben

Nach Angaben der Behörde sind bis Donnerstagmittag insgesamt rund 80.000 Termine für das Impfzentrum in den Messehallen gebucht worden. Die seit Wochen bekannten Probleme bei der Terminbuchung seien aber auch am Donnerstag noch immer nicht von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) behoben worden, sagte Behördensprecher Martin Helfrich. Die Behörde erwarte, dass dies nun "binnen Tagen" geschehe. Die Probleme mit dem System seien auch Thema eines Gesprächs der betroffenen Länderressortchefs mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und KBV-Vertretern am Freitag, sagte Helfrich. Die Verärgerung unter den Ländern sei groß.

Frust bei den Impfberechtigten

Kein Durchkommen, falsche Auskünfte in der Hotline, technische Probleme bei der Online-Buchung: Den NDR erreichten in dieser Woche wieder sehr viele Rückmeldungen frustrierter Hamburgerinnen und Hamburger, die auf einen Impftermin gehofft hatten, aber keinen bekamen.

Die Sozialbehörde forderte Nachbesserungen von der KBV - etwa bei der Schulung der Mitarbeitenden. Der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sei klargemacht worden, "dass diese Umstände unverzüglich abzustellen sind", sagte Senatssprecher Marcel Schweitzer. Laut Schweitzer soll bei dem System der Kassenärztlichen Bundesvereinigung künftig eine Bandansage Anrufende der zentralen Nummer 116 117 darüber aufklären, wenn keine Termine mehr verfügbar sind.

Neue Terminvergaben künftig donnerstags

Außerdem würden auf der Plattform impfterminservice.de Termine während des Buchungsprozesses reserviert, so dass sie nicht anderweitig vergeben werden können, während ein Interessent oder eine Interessentin noch seine Daten eingibt. Als dritte Maßnahme kündigte Schweitzer an, dass die Terminfreigabe nur noch einmal pro Woche stattfindet - eben donnerstags.

Tschentscher droht mit Umstieg des Systems

Neben Hamburg nutzen auch Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt das Buchungssystem der Kassenärztlichen Vereinigung. "Wir sind den Empfehlungen des Bundes gefolgt mit einem bundeseinheitlichen System - und wir sind jetzt mit diesem Problem so konfrontiert wie alle anderen Länder auch, die dieses System auch nutzen", sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) dem Hamburg Journal im NDR Fernsehen. "Wir sagen jetzt: Es muss sofort nachgebessert werden - und wenn es nicht gelingt, müssen wir uns einen eigenen Weg wählen."

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.02.2021 | 12:00 Uhr

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